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Der Israelit · 1894-12-17 · Heft 98 (17.12.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 98 (17.12.1894)
Date
1894-12-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1885 lange mochte die gemeinsame Gefahr den Zwiespalt nicht aufkommen lassen, welcher zwischen den Treugcbliebenen und den nach dem Griechenthum sehnsüchtig schielenden Wettlingen in den jüdischen Reihen klaffte. Als aber der äußere Feind besiegt und damit der alle msammenhaltende Druck beseitigt war, da machten sich erst die traurigen Spuren geltend, welche das verderbliche Beispiel der Griechen und Syrer dennoch zurückgelassen hatte. Die Geschichte erzählt uns eingehend das Heldenthum der Märtyrer, aber über die Fügsamkeit der Massen, die sich zum Leichtsinn und zur Pflichtvergcssenheit hinüberfoltern und hinüberködern ließen, über sie geht ihr Bericht mit verächtlichem Schweigen hinweg oder beschränkt sich nur auf dürftige Andeutungen. Aus den inneren Wirren und Parteikämpfen, welche dem Siege über über die äußeren Feinden folgten, klingt dieser Jammer aber überall durch. Die Heiligkeit und Reinheit Israels war getrübt und ging trotz allen äußern Erfolgs schwer geschädigt aus diesen glorreichen Kämpfen hervor. Der reine', lautere, für keine Verführung und Concesfion zugängliche Hasmonäergeist war außer der Hasmonäerfamilte nur spärlich vertreten. Der Funke, der in ihrer Heldenbrust glühte, das Licht, das er verbreitete, hatte nur einen verhältnißmäßig kleinen Kreis von Gesinnungsgenossen ergriffen. Er reichte nach menschlicher Berechnung nicht aus, das Ganze auf die Dauer zu erleuchten und zu erwärmen, weil alles die Spuren der Verderbtheit an sich trug, welche das feindliche Beispiel mit so vollen Händen allenthalben verbreitet hatte. Ueber das Weh, das die Treuen, tiefer Blickenden angesichts dieser Thatsache erfüllte, sind uns nur sehr spärliche Berichte überliefert. Aber wir würden es begreifen und nachempstnden können, auch wenn uns jede historische Andeutung darüber fehlte. Was wollen die Kämpfe mit Syrern und Griechen, mit allen außerhalb stehenden Feinden, auch gegen die Kämpfe bedeuten, die innerhalb der Judenheit selber nun über die Annäherung an das Heidenthum, über die Verbindlichkeit und Nichtverbindlichkeit des Gottesgesetzes tobten! Den Ausgang dieser Kämpfe mit äußeren Feinden können wir ruhig Gott anheim stellen. Aber für den Kampf mit uns selber, sind wir auf uns selber angewiesen. Hier greift Gott, der uns mit der Freiheit des Willens und Handelns ausgestattet, nicht unmittelbar ein. Hier galt es ein Kampf 1^.10 »t Vy, in welchem auf einer Seite der Gesinnungsadel der hoheprtesterlichen Hasmonäerfamilte und auf der andern Seite die Verblendung fast eines ganzen Volkes stand. Alle Kräfte, alle Mittel des großen jüdischen Volksheiligthums waren entweiht und fletrirt. Wird der reine Funke, der in den Geistern und Gemüthern dieser hohepriesterlichen Familie glüht, die Kraft besitzen auf die Dauer die großen, von Sittenverderbntß ergriffenen Volkskreise zu erleuchten und zu erwärmen? Wie mögen die von dieser bangen Sorge erfüllten Edlen Israels, in dem Lichtwunder des Tempelheiltgthums ein günstiges Omen auch für den Ausgang der schweren Kämpfe erblickt haben, die nun innerhalb des eigenen Volkes der Gottessache warteten! Sie haben in Wirklichkeit eine Wendung genommen, daß das, wofür man damals zittern mochte, heute nicht weniger Gegenstand des heißesten, innigsten Dankes ist, als es die Wunder und die Siege der glorreichen Makkabäerthaten sind. Nicht der blutgetränkte Lorbeer, den die Makkabäer aus dem Kampfe mit äußeren Feinden davon trugen, ist es ja, der unserem Chanukafest noch heute Bedeutung und Signatur verleiht. Unser Chanukafest ruft uns nicht hinaus auf die Wahlstatt zum Kampf mit den äußeren Feinden. Gott hat uns, ja bevor wir vor nun fast 2000 Jahren unser Exil antraten, in Eid genommen, daß wir niemals die Hand zur Selsthilfe, zur Vergeltung von erlittener Unbill erheben werden. Und wir haben diesen Eid treu gehalten. Für die Kämpfe, die Gott innerhalb seines Volkes er stehen ließ, danken wir Gott, weil sie eine unerschöpfliche Fülle tiefer Wahrheiten, goldener Winke und tröstlicher Zuversicht für alle Zeiten enthalten, welchen ähnlichen Kämpfe beschieden sind. Unter diesem Gesichtspunkte gewinnen die wenigen uns überlieferten legislatorischen und sonstigen Maßnahmen der HaSmonäer.mit welchen sie d i e f e Kämpfe aufnahmen. ein ungewöhnliche Interesse. Die Unerschütterltchkeit, Getstestiefe und die ganze Lebensanschauung, welche aus diesen Maßnahmen des rva awiorn hv i'i zu uns sprechen, bieten allen Zeiten, welchen ähnliche Kämpfe beschieden sind, ein so reiches Arsenal, daß dieser Umstand allein genügt, um Gott für die Kämpfe zu danken, die er jener Zeit beschieden hat. (Fortsetzung folgt.) Z eitttttgSrrachrichte» rurd Correfporrdeuzerr Deutschland. Berlin, 9. Dez. Die russische Regierung hat in Ausführung des Artikels 12 des deutschrussischen Handelsvertrags folgende Bestimmungen für ausländische Handlungsreisende, die nach Rußland kommen, getroffen. Ausländische Handluugsreisende (Commis-voyageurs) sind beim Betteten des Gebiets des russische« Reichs verpflichtet, in einem Grenzzollamt einen Kommisschein 1. Klaffe

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