Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 98 (17.12.1894)
- Date
- 1894-12-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1834 Großen und Angesehenen der heiligen Stadt machte sich keine ernstliche Opposition gegen diese Hellenistrung deS gesummten jüdischen Volkes geltend. Aber im Volke, besonders in den kleinen Land, städten hatte sich ein kleiner, treuer Kern erhalten, der sich dieser Vergewaltigung mit Aufgebot von Gut und Blut widersetzte. Es war die Familie der Hasmonäer, welche die begeisterte Erhebung einer anfänglich kleinen, aber allmählich wachsenden Schaar von Gesinnungsgenossen bewirkte. Heldenmüthig nahmen die Schwachen, Minderzähligen, Ungeübten den Kampf für ihr gefährdetes Heiligthum gegen eine in allen Punkten überlegene Riesenmacht auf, und Gottes Sache war gerettet. Sieg auf Sieg heftete sich an die Fahnen der löwenmuthigen Kämpfer, so daß es ihnen in verhältnißmäßtg kurzer Zeit gelang, das Land von den Feinden zu säubern, das verwüstete, entweihte Gottesheiligthum wieder herzustellen und aufs neue zu weihen. Die offenkundigen Gotteswunder dieser Freiheitskämpfe und Waffenstege wurden bei der Einweihung des verfallenen Heiligthums durch ein neues vermehrt, das aber nicht der Niederwerfung der äußeren Feinde, sondern der neu errungenen Temprlheiligkeit galt. Ein unter hohepriesterlichem Siegel aufgefundenes Oelkrüglein, welches nur einen Tag das Tempelltcht zu versorgen ausreichte, versorgte die heiligen Flammen auf die Dauer von 8 Tagen, bis neues, reines Oel gewonnen werden konnte. DiesesLichtwunder im Tempelheiligthum haben die Hasmonäer aufgegriffen und es durch die Chanukahfeter verewigt. Die äußeren Kämpfe und Stege gegen die Tyrannei der gottlosen Fünde feiern wir durch das Wort unseres Dankes und Gottespreises, wie es tn dem Al-Hantsstm Gebete präcistrt ist. Es erzählt uns, wie Gott unfern Streit geführt, Ec unser Recht vertreten und Er Vergeltung für uns geübt. Das Lichtwunder im Tempelheiligthum feiern wir dagegen durch die That des Lichtanzündens. Aus dem dieses L chtzünden begleitenden, deutenden Wort wollen wir noch die Eigenthümlichkeit hervorheben, daß es die Wunder und Siege feiert, welche Gott durch seine heiligen Priester h* by D^vipn vollzog, während im AlHanissim- Gebet die Erwähnung der hasmonäischen Pciesterfamilie nur nebenbei, in der UÜberschrift wie zur chronologischen F xlrung geschieht. Bei den Wundern selbst ist aber nicht von den Priestern, sondern nur von Schwachen, Minderzähligen u. s. w. die Rede, denen Gott die Mächtigen und Zahlreichen überantwortete. W t r sind leicht geneigt, den Wundern auf dem Schlachtfelde eine höhere Bedeutung als dem Lichtwunder im Tempelheiligthum beizulegen. Wir hätten es vielleicht angemessener gehalten, jene durch eirn That und dieses nur durch das Wort zu verewigen. Wenn unsere großen Meister und Regler unseres Lebens anders verfuhren, so dürften sie uns gerade damit einen bedeutsamen Fingerzeig zur richtigen Würdigung jener Zeit und zu ihrer Verwerthung für unser praktisches Thun gegeben haben. Eine Erwägung der aus jener großen Zeit in Betracht kommenden Momente dürfte ergeben, daß die Täatsache, welche das Lichtwunder verewigt, den Wundern auf dem Schlachtfelde erst ihren Werth und ihre Bedeutung verleiht. Die glorreichen Makkabäerkämpfe wären vergeblich gewesen, wäre ihnen nicht das Wunder gefolgt, welchem das Wunderltcht im Tempel symbolischen Ausdruck verlieh. Die geschichtlichen Bücher, welche jene merkwürdige Zeit eingehend schildern, erzählen uns, wie die jüdischen Sieger, als sie die heilige Stadt zurückerobert und den Fuß zum erstenmale wieder in das entweihte Tempelheiligthum gesetzt hatten, von Wehmuth übermannt heiße Thräuen angesichts der traurigen Spuren vergossen, welche der Uebermuth der Feinde zurückgelaffen. Die Gottesstätte war vorhanden, aber sie war entweiht und konnte in diesem Z lstande nicht den hohen heiligen Zwecken dienen, für die sie bestimmt war. Von dem Oel, dem voa Gott selber vorgeschriebenen Mittel das Licht im Heiligthum zu erhalten, war nur ein einziges unter hohepriesterlichem Siegel unentweiht verbliebenes Kcügchen erhalten. Dasselbe genügte aber nur für einen Tag das Tempelhetligthum zu erleuchten. Da geschah das Wunder, daß es so lange leuchtete, bis neues, reines Oel in genügender Menge hergestellt war. Ganz dieselbe, betrübende Erscheinung, welche das Tempelheiligthum den rückkehrenden Siegern bereitete, boten aber in Wirklichkeit dieselben selbst dar. Wir wissen, daß, wenn auch diese Epoche es war, in welcher die ersten jüdischen Märtyrer ihre Treue für Gott und sein Gesetz mit ihren Blute besiegelten, daß es doch große, ansehnliche Volks - kreise gab, daß es besonders die höheren Schichten der Bevölkerung waren, welche sich von dem verlockenden, heidnischen Beispiele ködern und bestimmen ließen mit ihrem alten Judenthum zu brechen und der Forderung des Tages Folge zu leisten. Diese Forderung verlangte aber nichts Geringeres als vollständiges Abstreifen jeder jüdischen Etgenthümlichkeit und innige Verschmelzung zwischen Juden und Griechen. So lange die Begeisterung ein ganzes Volk zur Eckämpfung seiner Freiheit unter die Waff.n gerufen, so lange die Schlachtfelder von dem Blute der Erschlagenen rauchten, so