Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 98 (17.12.1894)
- Date
- 1894-12-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. WS8, Der Israelit. Ein Genlrat-chrgan für das orthodore ZudentHurn. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 17. Dezember 5655 (1894). Leitender Artikel. Die Kämpfe der Kasmonäer. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz.) I. Wenn wir in den Chanukahtagen Gott nicht nur für die Wunder, für die Befreiung, die Machtthaten und die Stege, sondern auch für die Kämpfe danken, die er für unsere Väter in jenen Tagen um diese Zeit walten ließ, dann dürfte dieser Dank eine eingehende Erwägung erfordern. Es ist doch nicht der Kampf an und für sich, sondern sein glorreicher Ausgang, dem unser Dank gilt. Dieser hat aber doch bereits in dem Dank für die Befreiung, die Machthaten und die Siege Gottes seinen Ausdruck gefunden. Während der treue Wandel in Gottes Gesetzen durch die Zusicherung belohnt wird, daß nicht nur kein Krieg, sondern nicht einmal das Schwert hindurchziehender Truppen das Land überziehen werde, sollen hier die Kämpfe Gegenstand besonderen Dankes sein!x) Auch der Umstand, daß Gott seine wunderbaren Machtthaten uns nicht kampflos in dm Schooß legte, daß er durch Einsatz unseres Lebens und seiner höchsten Güter uns die Befreiung gewissermaßen verdienen ließ, kann nicht der Sinn des Dankes für die Kämpfe sein. Wäre dies der Fall, so müßte es sich doch jedenfalls um Kämpfe handeln, welche der Befreiung und den Siegen vorangtngen, nicht aber um monto, die wie in unserem D»on ^p-Gebet den ip-ns ,q’dj wywro nmaj erst Nachfolgen. Diese Gruppirung legt den Gedanken nahe, daß es nicht die Makkabäerkämpfe sind, welche der Befreiung vorausgingen, daß es sich hier um Kämpfe handeln muß, welche den ruhmreichen Schlachten und Siegen erst folgten. Welcher Art waren diese Kämpfe? 1) 3 B. M., Cap. 26, B. 6. D3m83 mayn 87 mm TT? "tny? 17’D8 878 nan^D7 INO» Nbv s'8 HJHD7 runöO D32H8. Um diese Frage zu beantworten ist es erforderlich, die Zeit, deren Gedächtniß unser Chanukahfest alljährlich neu belebt, sich in ihrer Eigenartzu vergegenwärtigen. Sie ist allgemein als diejenige bekannt, in welcher griechische Bildung und jüdische Anschauung zum erstenmal zusammentrafen. Es waren gerade die Angesehenen. Einflußreichen, welche dem damaligen Zuge der Zeit folgend griechische Sitte und Unsitte auch in den jüdischen Kreis einführen wollten. Gewissenlose Aemrerjäger hatten sich durch Bestechung die höchsten Aemter und selbst die Hohepricsterwürde zu sichern verstanden nnd benutzten ihren Einfluß, das Volk gewaltsam dem Judenthum zu entfremden und dem Griechenthum in die Arme zu treiben. Auf ihr Betreiben wurden sie darin von den syrisch-griechischen Machthabern unterstützt. Diese proklamirten eine brutale Religtonsverfolgung, welche nichts geringeres im Schilde führte, als das Judenthum und seine Satzungen mit Stumpf und Stiel auszurotten und das Griechenthum mit seinem sinneschmeichelnden Götterkult an dessen Stelle zu fetzen. Die vollständige Vermischung zwischen Juden und Griechen war das Ziel dieses Unterfangens. Schergen zogen durch das Land und errichteten allenthalben Götterbilder und Altäre, auf welchen den griechischen Götzen geopfert werden und füglich jeder mit dem Tode bestraft werden sollte, der sich dessen weigerte. Man hatte es meistens auf diejenigen jüdischen Satzungen abgesehen, deren treuen Beobachtung das jüdische Volk seine Eigenart verdankt. Es werden besonders drei namhaft gemacht: rrnm, na», r6’D, die Beobachtung des Neumonds, des Sabbat und der Beschneidung, deren Heilighaltung mit dem Tode bestraft wurde. In dem Tempeldeiligthum wurde ein Zeusbild aufgestellt. In Jerusalem wurde griechische Theater und Rtnakämpfe anfgeführt, welche in damaliger Zeit mit Schamlosigkeiten und Unstttlichkeiten aller Art verbunden waren. — In Jerusalem selbst und am wenigsten unter den