Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 97 (13.12.1894)
- Date
- 1894-12-13
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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1830 orthodoxen Judenthums" einen Vertrag abgeschlossen hat. Es wäre gewiß von großen Nutzen für unsere Standes- und Glaubensgenossen, wenn mit dieser Anstalt ein recht vortheilhaftes Abkommen geschlossen würde. B., Lehrer. Vielleicht schließen sich die in jüngster Zeit entstandenen Vereine: Reichsverband jüd. Lehrer, Ahawas Achim, sowie der am Rhein im Entstehen begriffene Lehrerverein, wenn auch nur in dieser Beziehung zusammen, um dem isr. Lehrerstande die Möglichkeit einer Versicherung auf solideren Grundlagen zu gewährleisten. Die von dem Herrn Correspondenten erwähnte Stuttgarter Gesellschaft, die bereits mit der F. V. f. d. I. d. o. I. einen Abschluß erzielt hat, wird wohl den isr. Lehrern ein gleiches oder vielleicht noch erhöhtes Entgegenkommen zeigen. Red. d. „Isr." Die Paule. Das Kind tritt gesetzlich mit dem vollendeten sechsten Lebensjahre in die Schule. Der Wechsel, der damit in der ganzen Lebensweise des Kindes platzgreift, ist außerordentlich groß. Denn, da die wenigsten Kinder vor dem Beginne ihrer Schulpflichtigkeit einen Kindergarten besuchen, so giebt es für sie keinen Uebergang von dem Spiele zur Arbeit. Sie treten sofort, Plötzlich, in die Z it der Arbeit ein, sie werden nicht nach und nach, nicht in angemessenen Abstufungen in das Arbeitsleben eingeführt. Das ist ein großer Fehler, den wir damit in der Erziehung der Jugend begehen. Aber wer kann die Dinge ändern? Und wer, wenn er eine Aenderung herbeizuführen die Macht hat, besitzt auch die volle Einsicht von der Nothwendigkeit der Aenderung und den redlichen Willen, seine Pflicht zu erfüllen? Die ganze Natur des Kindes ist nicht dazu angethan, eine lange ununterbrochene Arbeitszeit zu vertragen. Ausdauer ist eine Eigenschaft des vollaus entwickelten Menschen, die reise Frucht der Erziehung. Das Kind liebt die Abwechslung in der Beschäftigung. Es folgt damit einem inneren Drange seiner Natur. Wer diesem Drange der Kindesnatur entgegeutritt und dem arbeitenden Kinde keine Rastpausen, keine zeitweilige Entspannung des Leibes und des Geistes gestatten will, der schädigt den Erziehungserfolg. Unlust zur Arbeit ist das Ergebnis, oberflächliches Abthun der Aufgabe ohne liebreiche Versenkung in dieselbe. Der kindliche Geist verlierr dabei einen Theil seiner Eigenart und wird für das Schablonenthum dressiert. Da bleibt kein Raum für die ureigne, aus inneren Quellen genährte Bewegung, da ist der Entwicklung der Individualität eine hemmende Schranke gezogen. Ob die Gestattung von Pausen, die wir in den Schulen zwischen den Stunden eingefügt haben, dieser psychologischen Erkenntnis entspringt, ist fraglich. Näher liegt die Annahme, daß die nackte Erfahrung, es gehe ohne Ruhepausen beim Unterrichte nicht, diese Pausen veranlaßt habe. Daß sie sind, wird aber den Erzieher aus jeden Fall befriedigen. Nur sollten sie in noch reicherem Maße gewährt werden und kleineren Kindern halbstündlich, größeren Kindern stündlich zufallen. Es sind bis jetzt wenige Schulen zu treffen, in denen man mit der Ansetzung der Pausen so freigebig ist. Selten schwingt man sich zu mehr denn einer Ruhefrist während des halben Schultages hinauf. Bet vier.zusammenliegenden Unterrichtsstunden läßt man es bet einer einmaligen Unterbrechung auf die Dauer einer Viertelstunde bewenden. Und ist denn in allen Schulen die sogenannte Freiviertelstunde auch wirklich eine Zeit der Freiheit für das Kind? Wir haben es nicht gefunden. In einer großen Stadt giebt es Schulen, wo man die Pause derart versteht, daß man die Kinder auf den Schulhof htnaussührt und ste hier unter Kommando in streng geschlossenen Reihen spazieren läßt. Das aber ist keine Freiheit, sondern ausgesprochener Zwang. In anderen Schulen wieder müssen die Kinder, wenn sie nicht etwa hinausgehen, um ihre Notdurft zu verrichten, still auf den Plätzen sitzen bleiben, damit ja kein Staub entstehe und keines das andere unsanft streiche. Auch das ist keine Freiheit, sondern einfach der Zwang zum Ntchtsthun. Von Raum zur Aeußerung individueller Regungen kann da keine Rede sein, das Schwert der strengen Zucht bleibt über dem Haupte des Kindes hängen und der Geist kann sich auf keinen Augenblick naturgemäß ausleben und seine Spannkraft für die folgenden Stunden erneuern. Der Lehrer, der das Kind während der Pause in den Schranken einer strengen Zucht hält, ist kein Erzieher. Um ein Kind recht erziehen zu können, muß man die Seele des Kindes belauschen. Man muß zu erfahren trachten, wie sich das Kind giebt, wenn es nur unter dem Drange seiner eigensten Seelenregungen handelt. Kein Unterricht, und sei