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Der Israelit · 1894-12-13 · Heft 97 (13.12.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 97 (13.12.1894)
Date
1894-12-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1813 Möge dem Hohen Großherzoglichen Ehepaare nach dem erfahrenen, so herben Leide von der gütigen Vorsehung noch eine lange in ungetrübtem Wohlergehen dahivfließende Lebensdauer zugetheilt werden! Möge es Hochdenselben gegönnt sein, in den beiden Söhnen des hohen Dahtngeschiedenen neue Stützen und Pfleger der Tugenden des Großherzoglichen Hauses heranwachsen und gedeihen zu sehen als Hochderen frommen und tugendstarken Herzen Gottgksandten Trost und Freudenersatz und dem in Liebe und Treue ausharrenden Volk als neuen Hoffnungsanker! Das walte Gort! B. H. Oesterr.-Ungar. Monarchie. . Graz, 6. Dezember. Die Appellverhandlung in der Affaire-Heide Mravlag endete damit, daß der Berufung des Landes-Ingenieurs Heide, der als angeblicher Jude s. Z. beleidigt wurde, Folge gegeben und die Strafe erhöht wurde, und zwar von 25 fl. auf hundert Gulden. Als erschwerend wurde, wie der Vorsitzende Landesgcrichtsrath Klar hervorhob, das nicht genug zu rügende rohe Auftreten Mravlag's angenommen. Rußland. Aus St. Petersburg wird gemeldet: Der Zeitung Woschod zufolge ist die Ausweisung der Juden aus dem Grenzrayon auf eine Verfügung des Ministers des Innern hin eingestellt worden. Ein kaiserlicher Ukas, welcher das diesbezügliche Gesetz aufhebt, steht nach dem Woschod in nächster Zeit bevor. England. B. London, 7. Dezember. Am letzten Sonntag herrschte in der DulL6-8tr66t-8Magogu6, die inmitten des von Juden stark bewohnten Ostendes liegt, trotz dicken Nebels lebhafte Bewegung. Im Gewöhnlichen herrscht in der großen Synagoge in Dake-street an einem solchen Morgen vollständige Einsamkeit, allein gestern ging es dort sehr lebhaft zu; denn eine große Anzahl jüdischer Arbeiter, in Rußland geboren, hatte beschlossen, der ihnen zugegangenen Einladung der russischen Botschaft zu folgen und dem Kaiser Nicolai und dem Czarcwitsch den Eid der Treue zu leisten. Bei früheren Menschenansammlungen in dieser Gegend war man genöthigt, wegen der Lage des Stadttheiles und der Noth, die dort herrscht, große polizeiliche Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Eine große Menschenansammlung veranlaßte auch gestern die Anwesenheit vieler der Beschützer des Gesetzes, aber die Juden, im Gegensatz zu vielen Andersgläubigen, sind ein durchaus gesetzliches, ruhiges Volk, und trotzdem so viele Per sonen anwesend waren, daß das Eindringen in die Synagoge sehr erschwert war, hatten die Polizisten gar keine Veranlaffung einzuschretten. Kaum waren die Thüren geöffnet, als das Gebäude bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Gottesdienst fand mit Chorbegleitung statt und wurde von dem Rabbiner M. Hast geleitet. Der Oberrabbiner Dr. Hermann Adler, der unter allen Klaffen der Bevölkerung des Ostends sich einer wohlverdienten Beliebtheit erfreut, hielt eine Ansprache, worin er auf Englisch, Deutsch, und im polnisch-jüdischen Jargon, die Natur und die Wichtigkeit des Eides erklärte, wie er auch die moralische Verpflichtung der Loyalität, selbst ohne äußere Wirkung hervorhsb. Herr 'Dr. Adler betonte die Tugenden der Juden als gute Bürger, und erhoffte von den bisher bekannten Eigenschaften des jungen Herrschers, daß sein gerechter Sinn zu glücklichen Erfolgen für alle seine Unterthanen führen möge! Der Eid wurde in der üblichen Weise durch Erheb m der Hand geleistet, worauf die Anwesenden auf 7—8 Rollen ihre Namen niederschrieben. Die Versammlung war so groß, daß auch die Frauengallerien von Männern besetzt waren. Die Cermonie erregte in der ganzen Gegend, in welcher eine solch große Anzahl von jüd. Arbeitern wohnt, das größte Interesse. Viele dieser Leute, denen es sehr schlecht geht, find geneigt, unter günstigen Verhältnissen, in ihre Heimath zurückzukehren. Vermischtes. Auch in Frankfurt a. M. fand die Vereidigung der dort wohnenden 80 russischen Juden in der Synagoge durch Herrn Rabbiner Dr. Plaut statt. Durch viele Blätier wurde kürzlich die Mittheilung verbreitet, in Jena habe sich der 55 Jahre alte Oberrabbiner Benjamin Kolkind milelst Karbolsäure vergiftet. Die von dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" eingezogcnen Erkundigungen ergaben, daß es in Jena weder einen Rabbiner oder Oberrabbiner, noch irgend einen Mann gegeben hat, dessen Name Benjamin Kolkind war, oder ähnlich lautete. Die Nachricht von diesem Selbstmord ist also vollständig erfunden._ Fenilletoer. Jlur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. 1.) (Alle Rechte Vorbehalten. Unter den Kurgästen, die sich im Frühjahr 18.. auf den gut gehaltenen Wegen des kleinen Badeortes W. in antmirter Unterhaltung ergingen, befand sich ein Ehepaar, welches unwillkürlich die Aufmerksamkeit des Beobachters auf sich lenkte. Nicht daß es sich durch besonders auffallende Toilette ausgezeichnet hätte, bewahre; beide gingen in einfacher Eleganz, die das Zeichen wahrhaften Wohlstandes und guten Geschmackes ist, und ihr Benehmen war derart, daß man sah, daß beide hochfeinen Familien entstammen und eine gute Er-

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