Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 97 (13.12.1894)
- Date
- 1894-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1812 Wir und die übrigen Sammler noch vor wenigen Jahren jedes Quartal einige Tausend Mark an das Comite in Amsterdam abzusenden in Stande waren, haben die Summen der Gaben sich heute auf kaum einige Hundert per Vierteljahr reduzirt. Inzwischen ist aber die Noth und die Armuth unserer Brüder im heiligen Lande nicht kleiner geworden. Wie uns das Comite in Amsterdam mittheilt, befinden sich gerade jetzt dort eine sehr große Anzahl äußerst würdiger und gelehrter Männer, deren ganzer Sinn darauf gerichtet ist Tag und Nacht in unserer heiligen Thora zu forschen und die kaum ein Kleid anzuziehen und ein Stücklein Vrod zur Fristung ihres entbehrungsreichen Daseins haben. Wir bitten Euch, theure Freunde, deshalb auf das Innigste und Dringendste in der Fürsorge für diese bedauernswerten Brüder auf heiliger Erde nicht zu erlahmen, zu geben und zu sammeln und zu stützen, soweit es in Eurer Macht steht. Das schöne Chanukafest, aber auch der harte Winter, der auch in Palästina oft sehr strenge auftritt, ist vor der Thür. Machet Ihr an diesem Feste nach des Tages Last ein kleines Spielchen, denket an Eure darbenden Brüder, die stets für Euer Wohl beten, hat sich ein freudiges Ereignis in Eurer Mitte vollzogen und Ihr weilet beim heiteren Mahle, so stellet die Gaben für Erez Jisroel an die Spitze Eurer Freude. Habet Ihr ein gutes Geschäft abgeschloffen, so bestimmt ein kleines Scherflein für die Dulder im fernen Osten. Versäumt überhaupt keine Gelegenheit, das lebhafteste Interesse an dem Lande unserer Sehnsucht zu bekunden, damit der Allgütige sich unserer erbarme und uns recht bald zurückführe in unsere Heimath N"aoa\ Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch darauf aufmerksam machen, daß mit Berücksichtigung der von Tag zu Tag wachsenden Gesuche von Anstalten, Vereinen u. s. w. den Darbenden die zur Fristung ihrer Existenz unentbehrlichen Mittel nicht geboten werden. Diese Anstalten mögen sicher die edelsten Ziele verfolgen, in allererster Linie gilt es aber doch unseren Brüdern das Gespenst des Hungers und der Blöße zu verscheuchen. Wir bitten deshalb, freundliche Spenden für die bezeichnten Armen im Allgemeinen zu bestimmen. Die bekannten Vorsteher, die Herren RRabb. DDr. Breuer-Frankfurt a. M., Bondi- Mainz, Bamberger-Würzburg, Herr Dr. Roos- Frankfurt a. M. :c. 2c. und auch wir sind mit Vergnügen bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und an die Centralstelle in Amsterdam abzuführen. Berlin, 7. Dezember. Die deutsch-soziale Reformpartet beschloß in ihrer gestrigen Sitzung, einen Antrag auf Einstellung des Strafverfahrens gegen den Abgeordneten Leuß oder auf Haftentlassung nicht zu stellen. Eisenach. Das leider so frühe Dahinscheiden unseres geliebten Ecbgroßherzogs Qarlßüguft von S. W. hat nicht nur den Hohen Eltern, sowie der Hohen Gemahlin und den Kindern Hochdesselben unsäglichen Schmerz bereitet, sondern das.-ganze Land ist von solchem^ erfüllt.^ iDas tiefe Wehe zittert in den Herzen aller Bewohner des Sachsen- Weimarschen Landes nach und wird noch^langeZin denselben lebendig bleiben. Es besteht hier zwischen dem Herrscherhause und dem Volke, Zn^Folgr des in dem Erster« waltenden und bei jeder Gelegenheit zu Tage tretenden gerechten, volksfreundltchen und wohltätigen Sinnes, ein so glückliches Berbältniß, daß stets Freude und-Leid des-Einen auch bei dem Andern den vollsten Wiederholt finden. Und auf den Hohen Verblichenen halten sich die, Seinem ganzen Wesen nach, wohlberechtigte Hoffnung und die gewisseste Zuversicht der Gesammtbevölkerung vereinigt, daß das gerechte^ und volksbeglückende Walten, wie es dermalen auf dem Weimarschen Thron heimisch ist, ihr^auch^noch iu später Zukunft gesichert bleiben Wird.« Darum jetz: die tiefe, nachhaltige Trauer! D ß die israelitischen Bewohner des Landes sich hierin mit den Gefühlen der Gesammtbevölkerung in; vollster Uebereinstimmung befinden, ist selbstverständlich; steht dieses ja im Einklänge mit den.Vorschriften« der israelitischen Religion, welche Liebe und Treue gegen den Landesfürften vorschreibt, und wo sollten sich solche wohl lebhafter^bei'ihnen.geltend^machen, als unter dem Mildem Sechter unseres auf der Höhe der Cultur stehenden und der beglückendsten Herrschertugenden cheflffsencn geliebten Großherzogs Earl Alexander! Gott segne Ihn und Sein Haus! Unser allverehrter Landrabbiner, Herr Dr. Salzer in Stadtlengsfeld, hat daher ganz nach.den Herzen und im 'Sinnes, der sämtlichen^^Israeliten des Weimarschen .Landes.! gehandelt, daß .er^zur Begräbnißfeierlichkeit des Hohen Verblichenen nach Weimar gereift und einen Kranz, dessen Schleife die JnschrW trug : - „Demallzufrüh verblichenen Fürstensohne in trauervollem Gedenken ehrfurchtsvoll gewidmet von den!* Israelitischen Gemeinden des Großherzogsthums Sachsen" auf den Sarg des Hohen^Dahingeschiedenen niedergelegt chat. Bei der Beisetzungsfeier ging Herr Dr. Salzer auf höhern Wunsch im Trauerzuge im Ornate, sich der Geistlichkeit anschließend/ welche vor dem Leichenwagen einherschritt und begab stch^mit dieser in die Trauerhalle, wo in Anwesenheit der Fürsten und der höchsten^.'Chargen des Hofes und der Staatsregierung nach Gesang und Trauerrede der Sarg sich in die Fürftengruft senkte. Am Tamstag,>en^8. d.M., wurde in.'allen Synagogen des Landes Trauergottesdienst'abgehallen.