Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1894)
- Date
- 1894-12-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1798 » des verstorbenen Czaren berufen war, empfing dieser Tage dahier eine Dcputation der hiesigen Israeliten, welche ihm ihren Dank aussprach für die Spende von 120 Rubel, die er der Talmud-Thora-Schule in Schwinzian zugewendct hatte. Er antwortete ihnen: „Ich liebe alle Menschen und nehme sie freundlich auf ohne Unterschied der Religion oder Nation. Hat uns nicht ein Gott erschaffen und geben wir nicht einst einem Gott unsere Seele wieder zurück!" Möchten doch diese Anschauungen in Rußland herrschend werden. Amerika. Sau Franziseo, 14. Nov. Unser Glaubensgenosse Herr Adolf Sulro ist zum Mayor (Bürgermeister) unserer Stadt gewählt worden. Er hatte fünf Gegencandidaten und erhielt eine Majorität von 2000 über die für jene abgegebenen Stimmen. Es geschieht zum ersten Male, daß ein Glaubensgenosse zum Mayor einer Stadt vom Range SanFrancisco's gewählt wurde. Herr Sutro, ein Sohn des bekannten westfälischen Rabbiners Sutro, hat sich bisher von der Politik ferngehalten und ist nur als Mäcen der Wissenschaften aufgetreten. Seine Bibliothek enthält auch eine reichhaltige Collection hebräischer Manuscripte, welche neulich durch die Behauptung des Bibliothekars, die von Maimomdes geschriebene Thorarolle gefunden zu haben, in öffentliche Discussion kam. -£• Vermischtes. < Berlin. 6. Dezember. Die Generalversammlung der „Hilfskasse für Jsr. Kultusbeamte, deren Wittwen und Waisen in Deutschland" findet am 26. Dezember IO Uhr Vormittag, Hier, Burgstr. 16. in Cassels Hotel statt und ist namentlich das Erscheinen auswärtiger Mitglieder sehr erwünscht, da Vorstandswahl stattfindet. — Amsterdam, im November. Herr Dr. H. I. Polak, Direktor des Gymmasiums zu Rotterdam, ist durch ein königliches Decret zum Professor der Universität Groningen ernannt worden. Feuilleton. Esterlra, Königin von Folen. Historische Erzählung von Hugo Freund. Schluß.) (Nachdruck verboten.) Es war dunkel darin, Pater Guido hatte eine Fackel angezündet und hinter sich die Thüre geschlossen. Aber plötzlich schien er zu straucheln, seine Fackel entfiel ihm, sank zu Boden und erlosch. In demselben Augenblick fühlten sich Esther und Elischa von einer Reihe kräftiger Arme umfaßt; vergebens suchten sie sich zu erwehren; vergebens schrieen sie laut auf, es war Alles umsonst. Die Ueberzahl war zu groß und im nächsten Augenblicke waren sie an Händen und Füßen gefesselt. Auf Befehl Pater Guido's wurde Elischa hinweg getragen und in eines der finsteren Gemächer geworfen, die an die Krypta stießen und zum Aufenthalt solcher Mönche dienten, die mit einer schweren Buße bestraft worden waren. Hinter ihm wurde die Thüre geschlossen. Danach ging Pater Guido hinauf in die Kirche und verschloß alle Pforten derselben, so daß man weder von innen hinaus, noch von außen herein konnte, und die Mönche schleppten Esther die Stufen, die aus der Krypta heraus führten, empor und führten sie bis zum Altar. „Mädchen," donnerte sie Pater Guido mit finster grollender Stimme an, „hast Du die Wahrheit des Christenthums anerkannt, oder bist Du eine verstockte Jüdin geblieben?" „Ich bin Jüdin!" entgegnete Esther mit leiser, aber fester Stimme. „Nun denn, so höre," rief Pater Guido. „Ich frage Dich hier auf Tod und Leben, bist Du bereit Deinen Jrrthum abzuschwören und die Wahrheit unseres Glaubens anzuerkennen, so werden wir hier die Taufe an Dir vollziehen, und Du wirft uiederknieen und beten, dann magst Du morgen von dannen ziehen mit dem König und den Thron Polens besteigen, wenn Du auch als Jüdin geboren bist. Nur schwören mußt Du bei dem allmächtigen Gott, daß Du den Juden Feind sein willst und den Christen Freund, daß Du Alles thun willst zu Gunsten DeinerBrüder und Schwestern in dem Herrn, und niemals etwas vollführen willst zu Gunsten der Juden. „Bist Du bereit auf alle diese Bedingungen einzugehen?" Esther vermochte sich kaum zu regen, so enge schnürten ihr die Fesseln die Gliedmaßen zusammen; aber dennoch hob sie ihr Haupt empor und schrie: „Nein, nein, das will ich nicht!" In ihrem Inneren aber dachte sie mit Freude daran, daß jetzt für sie die Zeit gekommen sei, ganz und vollständig zu sühnen, was sie früher Uebles gethan. Pater Guido fuhr fort: „Nochmals frage ich Dich, und hiermit zum letzten Male. Du Haft zu wählen zwischen Tod und Leben. Auf der einen Seite liegt für Dich ein herrliches, schönes Leben in dieser Welt, und ein herrliches, schönes Leben in der künftigen Welt, denn Du wirst als fromme Christin der ewigen Seligkeit theilhafttg werden, die Dir als Jüdin für immer verschlossen ist. „Auf der anderen Seite aber liegt sofortiger Tod von unsrer Hand, wenn Du verstockt bleibst,