Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1894)
- Date
- 1894-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1797 « und die Menschheit selbst. Redner wies auf die Vortheile solcher vergleichenden Betrachtungen hin, da hierdurch im heutigen Kampfe gegen Bibel und Judenthum gezeigt wird, daß das heilige Schriftthum den edelsten unter den Geisteswerken der Menschheit nicht blos ebenbürtig ist, daß diese vielmehr nur einzelne Seiten des in der Bibel sich kundgebenden Geistes ausmachen. — Die große Zuhörerschaft lohnte dem Redner am Schluffe des Vortrages mit lebhaftem Beifall. Aus Bayern. Anläßlich der der „Frankfurter Zeitung" entnommenen Notiz in Nr. 94 Ihres Blattes betreffend die Agitation der Antisemiten gegen das Schächten und das Verbot der Verwendung des Blutes geschachteter Thiere zu verkäuflichen Nahrungsmitteln möchte ich die Aufmerksamkeit der Sanitätsbehörden auf folgendes Moment aufmerksam machen. — Eines der gefährlichsten Gifte, dem schon viele Menschenleben zum Opfer gefallen sind, ist das sogenannte Wurstgift. Alle bisherigen bakteriologischen Untersuchungen haben über Wesen und Entstehuna dieses Giftes noch zu keinem Resultat geführt. Vielleicht dürfte der Umstand etwas zur Aufklärung dieses Giftes beitragen, daß das Wurstgift noch niemals in Würsten vorgefunden wurde, die von Fleisch rituell geschächteter Thiere zubereitet wurden. Vielleicht ist gerade das Blut, welches der Träger und Verbreiter so vieler Krankheitsstoffe ist, auch der Nährboden für dieses Gift. Eine Untersuchung nach dieser Seite dürfte möglichen Falles zu Ergebnissen führen, welche nicht nur das Blut geschächteter Thiere von der Wurstbereitung ausschließt. Afchaffeubirrg. Das hiesige ,.Intelligenz- Blatt", Beilage zur „Aschaffenburger Zeitung" berichtet : Ein Ortsbürgerin Seidmar (Bez.-Amts Forchheim) wollte einen Stier schlachten. Der Knecht desselben hielt dem Stier beim Schlachten ein Tuch auf den Kopf über die Augen, damit dieser das Aufziehen mit dem Beil nicht sehen sollte. Der Metzger holte aus und schlug zu. Im selben Augenblick springt der Stier zur Seite und das daniedersausende Beil trifft statt des Stieres den Knecht, der mit zerschmettertem Schädel todt am Boden lag. Der Stier, dadurch wild gemacht, reißt sich los und stößt der Magd des Bauern die Hörner in den Unterlieb, so daß auch diese schwer verletzt darntederliegt. Der Stier wurde hierauf vom Jagdpächter erschossen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 3. Dez. Das israelitische Taubstummen-Jnstitut auf der Landstraße beging, wie bereits kurz berichtet, gestern in feierlicher Weise das Jubiläum seines fünfzigjährigen Bestandes. Zu dem Feste hatten sich eingesunden: Bice- Bürgermeister Matzenauer, Landes-Schulinspector Rieger, Gemeinderath Professor Gierster. Bezirks. Vorsteher Schober, dessen Stellvertreter Zerza, der Bezirksleiter Polizeirath Boog, Functionäre der Cultusgemeinde, sowie zahlreiche Freunde und Gönner der Anstalt. Präses Hieldburghäusser begrüßte die Gäste, worauf der ehemalige hochverdiente Leiter der Anstalt, kaiserlicher Rath Joel Deutsch, die Festrede hielt. Im Namen der ehemaligen Zöglinge der Anstalt drückte Schuhmacher Hafterling den Förderen und Lehrern den Dank aus. Landes-Schulinspector Rieger hielt nun eine Ansprache, in welcher er die besten Wünsche für das weitere Gedeihen der Anstalt aussprach, deren segensreiches Wirken er in warmen Worten pries. Er sagte am Schluffe, die Unterrichtsverwaltung werde Alles thun und mit Kräften dazu beitragen, daß das Institut lebe, wachse und gedeihe. (Lebhafter Beifall.) Director Dr. Bruner, welcher das Institut im Geiste seiner schönen Traditionen rühmlich leitet, gab einen kurzen Abriß über die Geschichte der Anstalt. Hierauf trug ein Zögling der Anstalt mit lauter vernehmlicher Stimme ein Gebet vor, das auf alle Anwesenden eine ergreifende Wirkung ausübte. Den Schluß des schönen Festes bildete die Absingung der Volkshymne. Italien. (n) Rom, 26. Nov. Heute hat eine seltene Feier hier stattgefunden, der auch unser Unterrichtsminister Commendatore Baccalli anwohnte. Es wurde nämlich der alte jüd. Friedhof, der an der Via Appia liegt, und der noch zur Zeit der römischen Imperatoren angelegt wurde, der allgemeinen Besichtigung freigegeben. Dieser Friedhof besteht jedoch nicht aus gewöhnlichen Gräbern, sondern aus unterirdischen Wölbungen (Katakomben) mit einer großen Anzahl von Nischen (pi3), in denen bie aUett römischen Juden ihre Tobten beisetzten. Die Wände dieser Katakomben sind nicht nur mit lateinischen, griechischen und hebräischen Grabschriften, sondern auch mit Bildern bedeckt, welche Scenen aus dem jerusalemitanischen Tempel und aus dem religiösen Leben unseres Volkes darstellen. Se. Excellenz der Unterrichtsminister erklärte, dieser jüd. Friedhof wäre ein Archiv und ein Museum zugleich, soviel gebe es hier zu sehen und zu lernen. Interessant ist es auch, daß sich neben diesem altjüdischen Friedhofe auch der altrömische Friedhof des Calixtus befindet. Uebrigens ist ja die ganze Via Appia nichts anderes als ein langgedehntes meilenweites Museum. Rußland. Jalta (Rußland), 22. November. Der Priester Johann aus Kronstadt, der an das Sterbelager