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Der Israelit · 1894-12-10 · Heft 96 (10.12.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 96 (10.12.1894)
Date
1894-12-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1799 und ewige Verdammniß in der Hölle! Und nun sprich. Gott wird Deinen Geist erleuchten; gewiß wirst Du nicht so thörtcht sein, das schlechtere Thetl zu erwählen im Diesseits und Jenseits." Sie standen dicht vor dem breiten und Liefen Taufbecken, dessen Deckel aufgehoben war. Das Wasser desselben, bet dem matten Lichte der ewigen Lampe schwarz und glänzend, schaute ihnen gleisnerisch entgegen, als warte es darauf, nun verwendet zu werden. Da richtete sich Esther hoch auf, und mit lauter Stimme rief sie, daß es durch die ganze Kirche gällte und wiederhallte von den hohen Mauern: „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig!" Hierauf faßten die Mönche sie mit Wuth und hoben sie gewaltsam, um die Taufe an ihr zu vollziehen, bis an den Rand des Taufbeckens empor, das bis oben hin mit geweihtem Wasser gefüllt war, und beugten den Kopf Esthers zu demselben nieder. Esther aber sträubte sich mit aller Kraft und wiederholte immer wieder und wieder das Glaubensbekenntniß der Juden, gleich als ob ihr letztes Ständlein gekommen wäre und sie, wie es die heiligen Gesetze Israels vorschreiben, mit diesem Bekenntnisse auf den Lippen sterben wollte. Pater Guido hörte immer wieder diese ihm so sehr verhaßtcn Worte und sein Groll, seine Wuth steigerten sich plötzlich zu ungeheurem Jähzorn. Schaum trat ihm auf die Lippen, er war seiner Besinnung nicht mehr mächtig. Plötzlich batte er mit seinen vor Wuth fibrirenden Fingern den Kopf Esthers zwischen seine Fäuste und wie mit eisernem Griffe umklammert, das schöne Haupt des edlen Mädchens in das stille, schwarze Wasser hinuntergestoßen und bei bebendem Körper, voller Zorn es tief unten im Wasser eine lange, lange Zeit gehalten. Weiße Bläschen erschienen auf der Oberfläche des Wassers, gleich als ob sie Zeugniß davon geben wollten, daß Esther im Tode nochmals geflüstert habe: Ado..i echod, der Ewige ist einzig. Die anderen Mönche standen als stumme Zuschauer rings umher Pater Guido blickte mit wilden, weit ausgerffsenen Augen sie an, während er die entsetzliche That vollbrachte. Nachdem dies geschehen war, faßten die Mönche den Leichnam Esthers und trugen ihn hinab in die Krypta und verbargen ihn in einem der Gräber. Dann zerstreuten sie sich, Jeder suchte seine Zelle auf.- Am nächsten Morgen schon kamen die Boten des Königs und verkündeten es dem Abt, daß der Herrscher in kurzer Zeit nahe, der Abt schickte in die Zelle Esthers und ließ ihr sagen, sie möge sich bereit halten, den Herrscher des Landes zu empfangen. Aber der Laienbruder, den der Abt gesandt, kam in schnellem Laufe zurück und rief, daß die Lagerstätte des Mädchens nicht berührt sei, und daß von Esther keine Spur zu sehen wäre. Der Abt begab sich hierauf selbst zu der Zelle, die man Esther angewiesen hatte, und als er Esther nicht fand, eilte er weiter zu dem Gemache Elischa's, doch auch dieses war leer. Sofort versammelte der Abt alle Angehörige des Klosters und itheilte ihnen mit, daß sowohl das jüdische Mädchen als ihr Begleiter nirgendwo zu finden seien. Da stand Pater Guido auf und sagte: Die Jüdin sei ja eine Zauberin, und wahrscheinlich sei sie auf einem Teufelspferde während der Nacht davongeritten und habe ihren Begleiter mitgenommen. Alle Wachen am Thore wurden befragt, aber keiner vermochte Auskunft zu geben, und als endlich König Kasimir eintraf, da konnte ihm der Abt nichts anderes sagen, als daß er nicht wisse, wohin Esther gekommen sei. Der König war starr vor Schrecken und Entsetzen. Wie hatte er sich gefreut, sie nun endlich wieder zu erhalten, die ihm so jäh entriffen worden war. Er hatte die Augenblicke gezählt, wo er seine Gattin wieder umarmen dürfe — und nun sollte sie ihm wieder entschwunden sein?! Kasimir hatte eine große Anzahl Begleiter bei sich und durch diese ließ er das ganze Kloster untersuchen, der Abt selbst half den Dienern des Königs und so gelangten sie auch in die Krypta. Und Vas Erste, was sie entdeckten, war Eltscha, dessen wimmernde Stimme kaum noch vernehmbar war. Schnell schloß der Abt das Verließ auf, und Eltscha vermochte mitzutheilen alles, was geschehen war, bald gelang es, auch die Leiche Esthers aufzufinden. Von wahnsinnigem Schmerze durchtobt stürzte sich König Kasimir auf die Ueberreste derjenigen, die er so sehr geliebt und drückte seine heißen Lippen wieder und wieder auf die kalte Stirne. „Esther, Esther," rief er ein über das andre Mal; „warum habe ich dich verlieren müssen?! Was hätte aus mir werden können, wenn ich das Glück gehabt hätte, Dich zu besitzen. Jetzt aber ist alles vorüber und unrühmlich werde ich Dir Nachfolgen in die Gruft." Gewaltsam mußten die Beamten und Diener schließlich darauf dringen, daß der Herrscher sich von der Leiche losriß. Am liebsten wäre Kasimir auf der Stelle gestorben bei der, die er so heiß und innig geliebt hatte. Nachdem es dem Kanzler, der in Begleitung des Königs war, gelungen, den Monarchen dahin zu bringen, daß er sich in das Gemach des Abtes begab, um ein wenig der Ruhe zu pflegen, ließ

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