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Der Israelit · 1894-12-10 · Heft 96 (10.12.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 96 (10.12.1894)
Date
1894-12-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1795 und sie aus den jüdischen Häusern gewiesen hat, wie hat diese Zeit sich doch so treulos ihren Schmeichlern gegenüber erwiesen! Diese Zeit erklärt heute in allen Enden den Nachkommen Jakobs den Kampf und diese haben die feste Burg, das Haus preisgegeben, das sich ihnen, allein in früheren Zeiten als schützenden Hort und Port bewährte! Welche Mahnung, welche ernste Mahnung enthalten doch die Ereignisse, die täglich neu und mit doppelter Wucht aus dem Strudel der judenfeindlichen Strömung unserer Tage die jüdischen Häuser bedrohen! Sie müssen doch alle dazu führen uns mit der der Ueberzeugung zu erfüllen, daß alle Stürme unsere-r Zeit von dem Lenker aller Zeiten nur gegen uns entfesselt werden, damit wir unser bewährtes, schützendes Heilgthum wieder aufsuchen und es schätzen und achten lernen. Es kann nicht fehlen, früher oder später, wird uns die Brutalität der Thatsachen die Binde von den Augen reißen und uns die alte Wahrheit abringen: nvu rw ’mun d’yds ■pn rw *]» ojd □rpN yvn rpjND m nsYii Mäon s1? rrnnTiyi •pffNin »bw;*gwi mow nüdd nntc^pai .nnyo t.s »V mv »a „Wahrlich, ich bin es, der deinen Weg mit Dornen verlegt: ich habe ihre Schranke gezogen, damit du ihre Wege nicht findest. Wenn sie dann ihre Lieblingswünsche erstrebt und sie nicht erreicht, sie sucht und sie nicht findet, dann wird sie es aussprechen.' Ich will gehen und zurückkehren zu meinem ersten Herrn, denn besser war es mir einst als jetzt." (Hosea Eap. II, 8, 9.) Wie wir aber auch zur Zeit noch darüber denken mögen; der Kampf zwischen Jakob und Esaw, es ist ein Kampf zwischen dem Haus Jakobs und dem Haus Esaws. Jedes wahrhaft jüdische Haus bleibt ein Heiligthum, das in verjüngtem Maßstab, die Gottesstätte auf Zfion wiederspiegelt, welche am Ende der Zeiten der Rettungsanker für alle Verschlagenen uud Schiffbrüchigen im Kampfe des Lebens sein wird. Dann wird das.jüdische Haus, das Haus Jakobs seinen Triumph feiern und die Verheißung erfüllt sich: nx rspy» n»3 wyi «np rrro noVs rvnn pst inai wpb vey rvai mr6 fpv rvm wh npy» rvn rrm Dn**nio .•ai 'n »d wy rvrr Dibaw ona lp^-n „Auf dem Berge Zions wird sich die Rettung vollziehen; er wird als heilig gelten und das Haus Jakob wird sein Erbe antreten. Das Haus Jakob wird zum Feuer, das Haus Joseph zur Flamme und das Haus Esaw's zum Stroh werden, sie werden es in Brand stecken und es verzehren, dann giebt es kein Entrinnen mehr für das Haus Esaw's, denn Gott hat es verheißen." (Obadjah, Cap. 1, V. 17, 18.) Zeitungsnachrichten uud Correspoudeuzeu. Deutschland. Mainz, 7. Dezember. In der gestrigen ersten Sitzung des Reichstages im neuen Hause haben die Socialdemokraten dadurch lärmende Scenen hervorgei ufen, daß sie vor dem üblichen Hoch auf den Kaiser nicht wie seit Jahren den Saal verließen, sondern daß ein Theil von ihnen demonstrativ sitzen blieb, während die übrige Versammlung sich erhob. Was uns veranlaßt, obgleich wir keine politische Tendenz verfolgen, auf diese von uns an und für sich aufdas entschiedenste zu mißbilligende Thatsache zurückzukommen, ist, daß Abgeordneter Singer (Sozialdemokrat), ein Jude es war, der dieses Verfahren auch noch zu vertheidigen versuchte. Abgeordneter Singer steht der jüdischen Religion so fern, daß er nur noch als sogenannter Namenjude zu betrachten ist; sonst hätte er wissen müssen, daß die jüdische Religion die höchste Ehrerbietung den Fürsten gegenüber vorschreibt. Hat doch der Prophet Elias dem König Ahab, seinem größten Antipoden in Bezug auf Religion, als dieser vom Berge Karmel nach seiner Residenz fuhr, dadurch die königliche Ehre erwiesen, daß er, wie zu damaliger Zeit üblich, vor ihm als Schnellläufer vorangeeilt ist. Vom Rhein. Wieder hat der Tod eine schmerzliche Lücke in die Reihen der Edeln in Israel gerissen, ein Veteran im Dienste des Judenthums war es, den man, wie im Jnseratenthetl unserer vorigen Nummer bereits kurz mitgetheilt, am 18. Nov. in Oppenheim am Rhein zur letzten Ruhe geleitet: Herr Simon Reiß, der daselbst über 30 Jahre als Cultusbeamter fungirte, ist im hohen Alter von 82 Jahren in die Ewigkeit abberufen worden. In Welbhausen, Unterfranken, geboren, trat er schon mit jungen Jahren in die des berühmten Ansbacher Rabbiners Rabbi Mosche Hochheimer ein und war dann Schüler des bekannten Würzburger Rabbiners, Rabbi Abraham Bing und des Rabbi Eleasar Ottensoser in Höchberg, bei welchen er sich tüchtige Kenntnisse in den jüdischen Wissenschaften erwarb. Als er kaum 17 Jahre alt war, ertheilte ihm der genannte Würzburger Rabbiner ni?ap als am», in welchem Fache er späterhin Vorzügliches leistete. Seine Tüchtigkeit als om» wurde sogar von seinen christlichen Mitbürgern sehr gepriesen, sodaß er von der Behörde als städtischer Fletschbeschauer in Oppenheim angestellt wurde, weil man ihn für dieses Amt als am besten befähigt hielt. Ebenso hervorragend war er als Cantor, und sein Ruhm als solcher drang weit über die Grenzen seines Wirkungskreises hin-

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