Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 95 (6.12.1894)
- Date
- 1894-12-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Pragas, der Vorstadt Warschaus, durch Suwarow kam der größte Theil des Regiments um, Josielowicz rettete sich mit wenigen Ueberlebenden zu der polnischen Legion Dombrowskys und machte mit dieser später die Napoleontschen Feldzüge mit. Im Jahre 1809 fiel er in einem Treffen zu Kolp bet Serokomla (zwischen Siedler und Lublin) an der Spitze seiner Leute. Bet der am 22. December 1809 in der „Gesellschaft der Warschauer Freunde der Wissenschaft" abgehaltenen Feier feierte Stanislaus Potockt das Gedächtniß Berecks, der für das Vaterland in den Tod gegangen. Friedrich August von Sachsen als Fürst von Warschau setzte unter Gegenzeichnung des Staatssecretärs Stanislaus Brezck 1810 Bereck's Wittwe eine Pension von 1800 fl. aus. Unter Bereck hatte 1809 auch dessen Sohn Joseph Kerkowiez Josielowicz gefochten, der nochmals im Ausstande von 1830 seine Glaubensgenossen zum Kampfe für ihr Vaterland aufrief. Nach dem unglücklichen Ende des Kampfes siedelte er nach Frankreich und später nach England über, wo er in den vierziger Jahren starb. Zum Andenken an den jüdischen Patrioten heißt eine Krakauer Gaffe „Bereck Jostelowkcz-Gasse." Dies sind in gedrängten Zügen die Mitteilungen des obengenannten Blattes, denen wir noch entnehmen, daß von Glaubensgenossen Berecks unter Napoleon Hauptmann Notktewicz, Major Casper Junghof, mit dem Militärkreuze virtuti militari ausgezeichnet, der Jägerhauptmann Mordche Rosenfeld und Andere sich hervorthaten. Italien. (n.) Rom, 22. November. Zu meiner letzten Correspondenz, in der ich der Hoffnung Ausdruck gab, daß der heil. Leuchter (ntcmpn mwo) aus dem jerusalemitischen Tempel baldigst im Tiberschlamm gefunden werden dürfte, habe ich noch nachzutragen, daß Kaiser Titus dieses kostbare Kleinod, nachdem er es bei seinem Triumpheinzuge hier vor sich her hatte tragen lassen, dem Tempel der Friedensgöttin auf dem Forum Romanum spendete. Außer diesem Leuchter wurden damals auch nach Rom die zwei Bundestafeln (mar, mn^), aber nicht die von Moses angcfertigten, sondern die, welche wahrscheinlich die Königin Helene ('^'N na^v-i) von Adiabene aus Gold hatte Herstellen lassen, und dann die fünf Centner schwere goldene Obstschüsskl des Königs Salomo gebracht. Was aus diesen Bundestafeln geworden ist, das ist nicht bekannt, dagegen wurde die Schüssel von König Geiserich sammt noch anderen Kleinodien erbeutet und per Schiss nach Afrika gebracht. Ein Sturm, der auf dem Meere wüthete, brachte das Schiff in der Nähe der sictltschen Küste zum Scheitern, worauf eS mit allen seinen Kostbarkeiten versank, und liegen dieselben noch heute auf dem Meeresgründe. rojrüö mono fei. Eine spätere Zeit wird vielleicht auch diese Kostbarkeiten aus dem Meeresgründe heraufholen und sie neuerdings in ihrem Glanze erstrahlen lassen. □> rn^ixoD awx. crtttifcft f cs Groß-Gerau, 2. Dez. Die «N. H. VolkSbl." berichten zu den antisemitischen Erfolgen in Hessen: «Gestern Abend fand dahier eine antisemitische Volksversammlung statt. Sie war von 43 Personen besucht und zwar vom ReichStagsabgeordneten Bindewald in Begleitung vom 31 von auswärts gekommenen Personen, 2 Gendarmen, 2 Polizisten und — sieben Grohgerauern, unter denen einige nur Neugierige waren." Artzeilgerr, 3 Dez. Der antisemitische ReichStagSabgeordnete Bindewald sprach gestern hier in einer von Sozialdemokraten stark besuchten Volksversammlung. Der Unwille der Versammelten über die Schimpfereien Bindewald's artete oft in Tumult aus. Landtagsabg. Müller, der in der Diskussion sprach, bemerkte, daß während seiner 25jährigen Thätigkeit im öffentlichen Leben es noch kein Redner gewagt habe, von politischen Gegnern in so unfläthiger und gemeiner Weise zu reden, wie der Reichstagsabgeordnete Bindewald. Dieser sprang mit geballter Faust auf den Tisch und schrie, wenn ihm der Vorsitzende keine Genugthuung verschaffe, werde er dafür sorgen. Es wurde aber allgemeine Zustimmung laut, als Müller sagte: Kein Wort nehme er von dem zurück, was er gesagt habe, so lange Bindewald nicht seine Gemeinheiten gegen Juden und Sozialdemokraten zurücknehme. Die Versammlung wurde vor Schluß der Widerlegung Müllers durch den Bürgermeister aufgelöst; Bindewald machte sich mit seinen Trabanten eiligst dünn. Traunstein, 3. Dec. Bekanntlich hat die Berliner „StaatSbürger-Ztg." behauptet, es sei ihr auf Anfrage von „amtlicher" Seite in Traunstein mitgetheilt worden, daß die antisemitische Partei an dem Attentat auf einen jüdischen Kaufmann nicht betheiligt sei. Der Staatsanwalt, dem die betreffende Nummer der „Staatsbürger-Ztg." vorgelegt wurde, erklärte, es fei an ihn weder eine Anfrage gekommen, noch habe er eine Mittheilung gemacht. Das war vorausgesehen. Von welcher „amtlichen" Seite hat nun die „StaatSbürger-Ztg." ihre Mittheilung? Das aufzuklären, wäre wohl auch für die Untersuchung interessant. Fe« iUe ton* Estrrka, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hngs Freund. 47.) (Nachdruck verboten.) Die Rede, die Pater Guido gehalten, war sicherlich in dem Sinn der meisten Anwesenden, namentlich der jüngeren Mönche; denn diese stimmten auf das Lebhafteste zu, und man konnte es ihren geröcheten Gesichtern ansehen, in welcher Aufregung sie sich befanden. Aber auch der sonst so milde und sanfte Abt begann jetzt nach dieser fast aufrührischen Rede seines Untergebenen unruhig zu werden. Er rief dem widerspenstigen Mönche zu, daß es ihm nicht erlaubt set zu sprechen, wenn er