Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 95 (6.12.1894)
- Date
- 1894-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1771 ersten Beilage dieser Nummer eine kurze Darstellung des Wesens und Geistes deS Kol-Nidre Gebets folgen, die sicherlich allen denen willkommen sein dürfte, die gerne Wahrheit gegen Vorurthetl eintauschen. Zeitungsuachrichten mtb Correspoudeuzeu Deutschland. Gieße«, 4. Dezember. Dem Herrn Siegmund Heichelheim dahier wurde von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog der Titel „K o m m e r z i e nrath" verliehen. Herr H. ist der Inhaber eines großen Bankhauses, genießt das unbegrenzte Vertrauen der sämmtltchen Bürgerschaft dahier, ist Mitglied der Handelskammer fett einer Reihe von Jahren und Handelsrichter am Landgericht der Provinz Oberhessen. Die beiden letzten Aemter sind Ehrenämter, die Herr Heichelheim mit großem Pflichteifer und Gewissenhaftigkeit führt. — Trotzdem sein großes Geschäft und seine Ehrenämter seine Zeit vollauf in Anspruch nehmen, hat er auf Wumch der Behörde die Stelle eines ersten Vorstehers der isr. Gemeinde, die vor einem Jahre vacant geworden, angenommen. Das jüdische Vorsteheramt, das mit großen Mühen verknüpft ist, verwaltet er mit Eifer und Pflichttreue, zur Zufriedenheit der hier wohnenden Israeliten. Zu den Eigenschaften des Geistes gesellen sich bet Herrn H. auch die guten Eigenschaft» des Herzens, der auch als humaner und wohlthätiger Mann geschätzt wird. Vor nicht langer Zeit hat Herr H. zum ewigen Andenken an seine Heimgegangenen Eltern der Stadt 40,000 Mark übergeben, wovon die Zinsen jährlich halb an Juden, halb an Christen vertheilt werden. Bet allen wohltbätigen Handlungen steht Herr H. oben an. Wo Roth und Armuth eintreten, ist Herr H. bemüht zu helfen und zu geben. Möge es dem Herrn Kommerzienrath H. noch unzählige Jahre im Kreise der Seinen vergönnt sein in ungetrübtem Glücke zu wirken zur Ehre unserer Mitbürger und der Gemeinde. Berlin. Wer mit einiger Aufmerksamkeit antisemitische Blätter liest, muß der jüdischen Journalistik ohne Unterschied der religiösen Richtung die Anerkennung zollen, daß sie trotz der sorgfältigsten Beschnüffelung nur sehr wenig Stoff zu einer Anrempclung abgibt. Deßhalb hat man ja die Mähr von der Judenpresft erfinden müssen, unter^welche nicht nur alle Zeitungen rangirt werden, die irgendwie phtlosemittsch sind, sondern auch diejenigen, welche nicht mit den Hetzern durch dick und dünn gehen. Der erwähnte Vorzug der spezifisch jüdischen Zeitungen liegt wohl nicht in erster Reihe in der sorgfältig gehandhabten Redaction als in dem Umstande, daß eine rückhaltlose Vertretung der von den jüdischen Zeitungen zu vertretenden Interessen nichts enthält, was irgendwie geeignet wäre, unsre christlichen Mitbürger zu verletzen. Umso mehr Aergerniß erregend ist es, wenn auch in jüdischen Zeitungen hie und da eine Taktlosigkeit mit unterläuft. Man kann zur Ehre der jüdischen Journalistik in den meisten Fällen annehmen, daß es obscare Winkelblättchen sind, die sich solche Verstöße zu Schulden kommen lassen. Ein solches ist der seit kurzem hier erscheinende „Jeschurun." Wie Herostrat den Dianentempel verbrannte, damit ganz Kleinasien von ihm rede, so schrecken auch Blätter dieses Schlags vor keiner Geschmacklosigkeit zurück, um au ihre Existenz zu erinnern und von sich reden zu machen. — Nachdem das Blättchen mit dem „Israelit" auf alle mögliche Weise anzubändeln versucht hatte und hierbei selbst vor den schwersten persönlichen Beleidigungen seines Herausgebers nicht zurückschreckte, Sie aber auf Anrathen Ihrer Freunde, die den Herrn genau kennen, solche unberücksichtigt ließen, versuchte es nach einander Streit mit Herrn Dc. Hildesheimer, Herausgeber der „Jüd. Presse," Herrn Dc. Rahmer, Herausgeber der „Israel. Wochenschrift" und mit den Mittheilungen des Vereins „Zur Abwehr des Antisemitismus" rc. anzufangen. Alle Anzapfungen scheiterten aber an der vornehmen Ruhe, die die gesammte, jüdische Publicistik diesem Herrn gegenüber zu wahren verstand. Nunmehr hat er ein neues Mittel entdeckt, um sich „berühmt" zu machen. Es fängt mit den Anlisemttenblättern an. Aber nicht etwa, daß er dieselben b.kämpft und sie ihrer Lügen zu überführen sucht. Im Gegenthetl. Ec liefert ihnen werthvolles Material zur Förderung ihrer schlimmen Sache. So machte in dem genannten Blatt ein Mitarbeiter seinem Chauvinismus durch einen Artikel Luft, in welchem er den Beitrag, den das Judenthum zur Cultur und dem Fortschritt der Menschheit leistete, als eine Verjudung der Völker hinstellte und indem er behauptete, die jüdische Religion blicke mit Geringschätzung auf die niedrigen religiösen Eutwickelungsformen hinab. Ueber einen solchen Knochen fällt dann die antisemitische Meute, wie über einen saftigen Bissen her und schlachtet diese literarische Geschmacklosigkeit eines ganz unbekannten Zeitungsschreibers in einem ganz unbekannten Blatte mit vielem Behagen aus. — Der Zweck des „Jeschurun" ist aber erreicht, sein Name prangt in allen Rischusblättern. Der Rabbiner der Breslauer Gemeinde hatte nun eine besondere Veranlaffung diesem Treiben durch einige Worte in dem „Breslauer General-Anzeiger" entgegen zu treten. Dieselben lauten: