Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 94 (3.12.1894)
- Date
- 1894-12-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1762 wegen'und durch Hinterthüren zu diesem Ziele zu gelangen. Dazu sollen anscheinend ort-ipolizetliche Vorschriften dienen, die von den Gemeindevertretungen dahin erlassen worden sind, daß das Blut geschachteter Thiere zur Bereitung verkäuflicher Nahrungsmittel nicht mehr verwendet werden dürfte. Solche Vorschriften sind vor Kurzem in Schweinfurt, Regensburg sowie Würzburg erlassen und von den zuständigen Behörden unbedenklich genehmigt worden. Ganz mit Recht! Die Sache ist ja nicht neu. Wer sich die Mühe nehmen will, die Schrift des Abgeordneten Dc. Frank „Die Schächtfrage vor der bayerischen Volksvertretung" (Leo Wörl in Würzburg, 7. Auflage) zu lesen, wird darin die Mittheilung finden, daß schon die 30. Generalversammlung des Vereins Pfälzer Thterärzte vom 13. August 1881 die Resolution gefaßt hat: „Die Verwerthung des Blutes der nach israelitischem Ritus geschlachteten Thiere als menschliches Nahrungsmittel ist wegen der kaum zu vermeidenden Verunreinigung des Blutes mit dem Mageninhalt der Schlachtthiere unstatthaft." Dazu hat Dr. Frank in der genannten Schrift folgende Bemerkungen gemacht: „Was die Resolution der 30. Generalversammlung des pfälzischen Thierärztevereins betrifft, daß die Verwerthung des Blutes geschächteter Thiere als menschliches Nahrungsmittel unstatthaft sei, so werden die Juden wohl kaum etwas dagegen einzuwenden haben, da ihnen ohnedies der Blutgenuß auf das Strengste verboten ist. Was die christlichen Metzger anlangt, so kann es uns nur erwünscht sein, wenn sie kein Rindsblut zur Verfertigung von Würsten verwenden dürfen, gleichviel ob von geschächteten oder geschlagenen Rindern, da dieses Blut die Würste trocken und weniger schmackhaft macht. Dasselbe wird übrigens ja auch noch zu anderen Zwecken, wie zur Bereitung von Albumin verwendet, sodatz die Metzger immer noch einen Nutzen von ihm haben können. Schließlich will ich doch nicht unterlassen, zu bemerken, daß wir bet unserem Besuche des Münchener Schlachtviehhofes auch das Blut geschlachteter Thiere beo Lachtet haben. Wir fanden, daß das Blut oer geschächteten Th ere h llroth und klar, das der geschlagenen Thiere dunkler und dichter war." Hieraus dürfte denn doch wohl ersichtlich sein, daß das Verbot der genannten Siädtevertretungen eine Halbheit ist. Warum wird nur das Blut geschächteter Thiere und nicht auch das Blut der Rinder, die auf eine andere Art geschlachtet worden sind, von der Verwendung zur Bereitung verkäuflicher Nahrungsmittel ausgeschlossen? Ein jeder Thterarzt sollte doch wissen, und ein jeder Schlachthausaufseher muß es aus Erfahrung kennen, daß Verunreinigungen des Blutes durch Mageninhalt bei den auf andere Art getödteten Thieren ebenso gut wie bei den geschächteten Thieren Vorkommen können. Die Magistrate und Gemeindekollegien, welche die genannte ortspolizeiliche Vorschrift erlassen haben, dürfen sich daher gar nicht wundern, wenn sie in den Verdacht kommen, sie hätten den Antisemiten einen Liebesdienst erweisen wollen. Würzburg. 29. Nov. Bet dem in der Jetztzeit immer mehr sich ausbreitenden Jndifferentismus und der hierdurch leider täglich zunehmenden Entfremdung von dem wahren Judenthume ist es eine höchst erfreuliche Thatsache, constattren zu können, daß es immer noch Stätten gibt, in welchen sowohl echt jüdisch-religiöses Leben, als auch jüdische und allgemeine Wissenschaft eifrig gepflegt und deren Existenz von dem Wohlwollen zahlreicher, edler, fürs Gute und Wahre Begeisterter herbetgeführt wird. Solche Stätten sind wohl zunächst Anstalten, die sich zur Aufgabe gestellt, den Worten unserer Weisen „Thora im Derecli Erez“ gründliches Wissen unserer h. Lehre mit zeitgemäßer, allseitiger Bildung, zu vereinigen, voll und ganz gerecht zu werden. Besonders günstig aber ist diese Thatsache. wenn aus solchen Anstalten Jünglinge und Männer hervorgehen, die ausgerüstet mit gründlichem jüdischen und allgemeinen W ssen in zahlreichen Gemeinden als Lehrer und Erzieher wirkend, bereit sind, für die heiligsten Güter der Menschheit und für die höchsten Prinzipien des Judenthums einzutreten, die mit festem Sinn und entschlossener Beharrlichkeit all den Gefahren und Versuchungen gewachsen sind, welche ihrer religiösen Ueberzeugung von verschiedenen Seiten drohen. In der Reihe solcher Institute dürfen wir wohl der hiesigen israelitischen Lehrerbildungs- Anstalt eine der höchsten Stellen einräumen. Drei Decennien sind seit der Gründung dieser Anstalt verflossen, und die Worte unserer Wellen sind wahrlich auch hier sinnbildlich anzuwenden, „Len schloschim läkoach“, zu dreißig Jahren ist die volle Stärke erreicht, die Blüte hat sich entwickelt, die Frucht gezeitigt, die Selbstständigkeit entfaltet. Der Anstalt war bisher die Gnade und die Huld des allliedenden Lenkers zutdei! geworden, es wurde ihr während dieser langen Reihe von Jahren des Allgütigen Hllfe und Beistand verliehen, so daß wir uns wohl der schönen Hoffnung hingeben dürfen, daß diese Anstalt sowie bisher so in aller Zukunft ihr hohes Ziel im Auge behalten und ihren Grundsätzen im Sinn des fel. allverehrten Gründers treu bleiben wird. Alle jene einsichtsvollen, klardenkenden, von der Bedeutung und dem Einflüsse einer entsprechenden Jugendbildung erfüllten Wohlthäter, welche zur Errichtung, Entwickelung und Erhaltung dieser