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Der Israelit · 1894-12-03 · Heft 94 (3.12.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 94 (3.12.1894)
Date
1894-12-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1758 requirirt, die dann die Ruhe wieder herstellte. Daß die Weihe des Tages durch diesen traurigen Umstand stark litt, ist sehr begreiflich; die Sträflinge, die nun in Gruppen geschieden waren, wählten sich aus ihrer Mitte die nöthigen Vorbeter. Rußland. St. Petersburg, im November. Wie die „Now. Wrcmja" berichtet, soll der im Jahre 1891 ausgearbeitete Gesetzentwurf, die Regelung resp. Einverleibung jüdischer Wohlthätigkeitsinstitute betreffend, welcher im vergangenen Frühjahr der Regierung vorgelegt werden sollte und seiner Zeit abgelehnt wurde, nunmehr noch einmal der Regierung unterbreitet werden, nachdem dieser Entwurf in verschiedenen Magistraten größerer Gemeinden zirkulirte, die sich sämmtlich den Ausführungen des Entwurfs angeschlossen haben. Daß dies geschehen, darf wohl kaum Wunder nehmen, wenn man in Erwägung zieht, daß die Kaffen der Gemeindeinstitutionen durch eine Einverleibung der spezifisch jüdischer Wohlthätigkeitsanstalten um ein Bedeutendes bereichert werden. Höchstwahrscheinlich dürfte nun die Annahme dieses Entwurfes erfolgen und wird dadurch dem russisch-jüdischen Elend auf dem Verwaltungswege auch der Zutritt zu dieser Zufluchtsstätte bedeutend erschwert. — Im Senat soll, nach einer dem „Woschod" entnommenen Notiz, in Kurzem die Frage erörtert werden, ob die Söhne derjenigen jüdischen Kaufleute, die die erste Steuergilde entrichten, die in die Firma ihrer Väter als Theilhaber seit mehr als 10 Jahren eingetragen sind und sich nun selbstständig etabltren wollen, die ihren Vätern eiugeräumten Rechte gleichfalls genießen können. Im Besonderen soll über die Frage berathen werden, ob diese Söhne der die erste Steuergilde entrichtenden jüdischen Kaufleute wenigstens berechtigt sind, als Kaufleute zweiter Gilde in Rußland zu leben. M a r o c c o. Mogador, im Okt. Die Unruhen und Ausschreitungen haben an Ausdehnung zugenommen. Es ist wiederholt zu ernsten Ausschreitungen gegen die Juden gekommen. Die Lag? unserer Glaubensgenoffen, welche hier immer als eine äußerst traurige bezeichnet werden durfte, hat sich insofern verschlimmert, als momentan die Aufständischen sich nicht scheuen, mit vereinten Kräften ungeahndet und ungestraft am Hellen lichten Tage in bewohnten und belebten Städten die Juden anzugreifen. Niemand bekümmert sich um die Plündernden, selbst wenn sie einen jüdischen Laden ausräumen. Jüdische Händler und Kaufleute, die auf Dörfer resp. auf Messen und Märkte ziehen, sind der Plünderung preisgegeben. Alles, was sie bei sich führen, wird ihnen genommen, selbst ihrer Kleidungsstücke werden sie beraubt. Auch auf den breiten Landstraßen sind die Leute nicht mehr sicher und einem jeden Wanderer liegt es ob, 25 Duros (150 Francs) Lösegeld zu bezahlen, falls sie nicht Beraubung und Gefangennahme vorziehen. Die Aufständischen belagern augenblicklich Marokko (Merakesch die Hauptstadt des Landes) und verlangen die Auslieferung Muley Muhammeds sowie aller gefangenen Aufständischen. widrigenfalls sie die Stadt stürmen werden. Die Israeliten aber richten ihr inbrünstiges Gebet zum Himmel empor, daß der Aufstand beseitigt und ihre Lage eine erträglichere werde. ftetsilletott. Esterlra, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Frennd. 47.) (Nachdruck verboten.) Elischa schilderte in kurzen Worten, wie jener Fuhrknecht sie erkannt und davongeritten sei, um die Verfolger herbeizuholen. In größter Hast brachte der Wirth ein elendes Bauerngefährt zum Vorschein, und da er selbst nur ein altes, fast lahmes Pferd besaß, so spannten sie die beiden übrigen Pferde aus, die noch vor dem Lastwagen standen und schirrten sie an den Wagen. Und dann hoben sie Esther auf, und während die Magd Betten in dem Wagen zurecht legte, trugen sie der Wirth und Elischa hinein, und dann schwang Elischa die Peitsche über den Pferden, und in rasendem Lauf ging es davon. Doch, nachdem sie eine große Strecke weit gefahren waren, so weit schon, daß die Biegung des Weges sie den Blicken entzog, die man vom Wtrthshaus aus auf sie richten konnte, da kamen auch schon die Verfolger unter der Führung des Fuhrknechts an, der aus dem Dorfe eine Reihe von Männern und Beamten geholt hatte, die Alle gereizt uurden durch den hohen Lohn, den der König Jedem versprochen, der ihm Esther zurückführte. Zuerst durchsuchten sie das Wirthshaus von dem höchsten Giebel bis zu dem tiefsten Keller hinab, kein Winkel blieb undurchforscht. Doch sie fanden das Mädchen nicht, und sie verbrachten so viele Zeit mit Suchen, daß Elischa einen weiten Vorsprung vor ihnen gewann. Der Oberste von den Polizeibeamten des Königs, der bet den Verfolgern war, befahl einem seiner Unterbeamten, daß auf jedem Wege Reitende fortgesandt würden, um die Flüchtlinge zu ergreisen. Er selbst aber ritt in schnellstem Tempo fort

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