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Der Israelit · 1894-12-03 · Heft 94 (3.12.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 94 (3.12.1894)
Date
1894-12-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1759 nach Krakau, um in eigner Person dem König Nachricht davon zu geben, daß es ihm gelungen wäre, Esther aufzufinden. Die Verfolger aber, die jenen Weg gewählt hatten, den Elischa und Esther eingeschlagen, erreichten diese nicht mehr, denn bevor sie in ihre Nähe kamen, verschwand das Gefährt Elischas in dem Thore des Klosters. Die Mönche nahmen die Kranke freundlich in ihren Schutz auf, und selbst als die Beamten kamen und verlangten, daß sie Esther ausliefern sollten, weigerte sich der würdige Abt des Klosters, indem er geltend machte, daß Esther zu krank und schwach sei, um fortgebracht zu werden. Die Beamten aber ritten zurück, nachdem sie Wachen an allen Thoren des Klosters aufgestellt, damit es für Esther unmöglich sei zu entfliehen, dann ritten Einige ihrem Oberhaupte nach, damit er dem König berichte, Esther sei in dem Kloster und es sei keine Möglichkeit vorhanden, daß sie aus demselben entkäme. Schnell verbreitete sich die Nachricht von der Ankunft Esther's in dem Kloster und rief ungeheure Aufregung unter den Mönchen hervor. Auch die Mönche dieses Klosters hatten von der Kanzel herabgeeifert gegen die Jüdin, die den König durch höllischen Spuck bezaubert, daß er sich so weit vergessen könnte, eine Tochter dieses verachteten und verhaßten Stammes zur Gattin nehmen zu wollen. Zwar theilte der Abt des Klosters, ein alter und gutmüthiger Priester, den Haß seiner Brüder gegen Andersgläubige nicht, aber das jüngere Geschlecht, dessen Führer ein Pater Guido war, ein Mann, der schon frühe verwaist, in strenger Klosterzucht aufgezogen, und von der fanatischsten Gesinnung beseelt war, dieses jüngere Geschlecht war ganz erfüllt von Wuth und Zorn gegen die Jüdin, die ein christliches Reich beherrschen wollte. So lange man noch der Meinung war, daß Esther die Taufe empfangen werde, da waren Guido und seine Anhänger wohl auch darüber aufgebracht, daß eine geborene Jüdin auf dem Throne Polens sitzen sollte, daß eine von dem Volke, das man sonst gewohnt war, zu verspotten, zu verhöhnen und zu verachten, sich über Christen, erheben und es wagen sollte, sie beherrschen zu wollen. Doch hielt sich damals ihr Unwille noch in gewissen Grenzen, denn vom Standpunkte der Religion. vermochten sie gegen die Neubekehrte nichts anderes geltend zu machen, als höchstens den einen Einwand, daß ihre Bekehrung nicht aus wahrhafter Ueberzeugung herauserfolgt sei. Jetzt aber, nachdem sie durch Esthers eigene Worte, die sie am Schlüsse des gestörten Krönungsfestes laut ihrem sterbenden Vater zugerufen, es vernommen, jetzt, nachdem es ruchbar geworden war, daß Esther Jüdin geblieben und ihr Uebertritt nur zum Schein und nur eine Lüge gewesen sei, jetzt war ihre Wuth eine schier unbändige geworden. Nicht allein, daß es die Jüdin gewagt hatte, den König durch Zaubermittel zu bethören, nicht allein, daß sie die unerhörte Keckheit gehabt über Christen herrschen zu wollen, nein, sie hatte auch gewagt guten Christen eine Comödie vorzuspielen, sie hatte als eine wahre Jüdin, die doch erfahren sein mußte in Lug und Trug, es gewagt. Alle zum Narren zu haben und zu täuschen. Schon bevor Esther in das Kloster gelangt, bildeten jene Vorkommnisse das Tagesgespräch in demselben und die Mönche waren überzeugt, wie damals die meisten Einwohner Polens, daß der oberste der Teufel, der Belzebub, die Jüdin eigenhändig in die Hölle weggeholt habe. Daß aber nun Esther lebte, daß sie der für sie bestimmten Flamme in dem Krönungssaale entkommen war, daß sie nun gar als Pflegling in das Kloster ausgenommen war, da8 stachelte den Fanatismus dieser blindwüthtgen, ungebildeten Mönche bis zur Extase. Sie lagen dem Abt mit ihren Bitten in den Ohren, er möge dem Kloster nicht die Schande anthun, daß es eine Jüdin beherberge, sondern sie so schnell wie möglich unter Schimpf und Schande davon weisen. Der würdige Abt aber weigerte sich entschieden. Doch vergebens waren die milden freundlichen Worte, die er an die Mönche richtete, und wie er durch Beispiele aus der Geschichte alle Vorgänge zwischen Kasimir und Esther als natürlich zu erklären suchte, er vermochte nicht den Eifer des jugendlichen Nachwuchses zu dämpfen. Um das Gewissen seiner Untergebenen zu beruhigen. sagte ihnen der Abt, daß er sofort nach dem König senden werde, damit er Esther aus dem Kloster abholen lasse; und in der That schickte er sogleich einen Boten dorthin; doch das war unnöthig, denn schon nach Verlauf eines TageS kam ein Reiter auf schweißtriefendem, schaumbedeckten Rosse daher und brachte dem Abt den königlichen Gruß und erbot ihm den Dank des Herrschers, daß er sich so liebevoll Esthers angenommen hätte. König Kasimir sei wie beseligt durch die Nachricht, daß er Esther Wiedersehen, daß er sie nun wieder besitzen dürfe für alle Zeit. Auch theilte der Bote dem Abt mit, daß es der ausdrückliche Wunsch des Königs sei, es möge ja nichts versäumt werden in der Pflege und die besten Aerzte sollten herbei geholt werden^aus dem ganzen Lande, um die Gesundheit des jungen Mädchens baldigst wieder herzustellen.

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