Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 93 (29.11.1894)
- Date
- 1894-11-29
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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Hürben von 800 Mk.,mit der Bestimmung, am 15. Tebeth, dem Sterbetage, alljährlich lernen und Kadisch sagen zu lassen; durch Herrn Julius Bltin inWorms ein Legat des Herrn Lazarus Scheitel s. A. in Worms von 500 Mk. mit gleicher Auflage während des Trauerjahrs. EinVermächtniss des sei. Herrn Sigmund Gomperz in Budapest im Betiage von 400 Gulden ö. W. (abzüglich 10% Erbschaftssteuer) ging uns durch Vermittelung des Herrn Rabb. Dr. Salvendi von Herrn Alexander Wahrmann in Budapest zu. Ferner testirteHerr Ferdinand Haase s. A. in Rybnik 1000 Mk., deren Zinsen mit 45 Mk. jährlich an unsere Kasse abzuliefern sind; in diesem Falle ist gleichfalls der Todestag alljährlich zu begehen. — Das Andenken aller dieser edeln Männer sei gesegnet! Auch einer unserer „Stifter“, Herr Commerzienrath Jacob Israel in Berlin, wurde (im März 1894) von diesem Leben abberufen, ein Mann, der für alle jüdischen Interessen ein warmes Herz und eine offene Hand hatte. Seitens seiner Erben sind uns zum ehrenden Andenken des Dahingeschiedenen 1000 Mk. überwiesen worden. Am 19. Oktober v. J. fand in einer Sitzung des Verwaltungsraths die Neuwahl des Vorstandes statt. Die hiesigen Mitglieder wurden sämmtlich wieder-, und an Stelle der verewigten Herren M Gottschalk Lewy und Louis Jaffe die Herren Rabbiner Dr. Ungerl ei der und Julius Bodenstein in Berlin neugewählt. In Folge dieser Wahlen wurde eine Ergänzungswahl für den Verwaltungsrath nöthig, da Herr Rabb. Dr. Ungerleider seither diesem Gremium angehörte. Die sofort vorgenommene Kooptationswahl fiel auf Herrn Ferdinand Meyer in Berlin. Die Gewählten haben angenommen und sich dadurch den Anspruch auf den Dank der Mitglieder erworben. Indem wir unseren Bericht schliessen, bitten wir aufs Eindringlichste um Unterstützung seitens unserer Glaubensgenossen. Unser Verein nimmt jedenfalls eine bedeutsame Stelle unter den Körperschaften ein, welche es sich zur Aufgabe gestellt haben, die Israeliten des heiligen Landes durch Erziehung zur Arbeit sittlich zu heben und zu selbstständigem Erwerb zu befähigen. Wir hoffen deshalb, nicht vergebens die Beihilfe aller Derjenigen anzurufen, welche die grosse Wichtigkeit unserer Bestrebungen würdigen. (Fortsetzung folgt.) Beri c h t über die Thätigkeit des Kolonisations-Comites in Odessa in der Zeit vom 9. Ijar 5650 bis zum 12. ljar 5653 (16. April 1890 — 15. April 1893). (I. Fortsetzung.) - —— Wer die Entfernung von Odessa bis nach Palästina kennt, wer die palästinensisch-jüdische Bevölkerung näher kennt und weiss, dass das praktische Leben mit den dazu erforderlichen Kenntnissen der Neuzeit, den jüdischen Einwohnern Zions vollständig fremd geblieben, der wird die Schwierigkeit, geeignete Männer zur Bildung eines Exeeutiv - Comitüs und zur richtigen Leitung und Besorgung der Kolonialangelegenheiten herauszufinden, leicht begreifen. Man musste bei der Wahl solcher Männer sich nur vom Hörensagen leiten lassen, und der alte Spruch: „vox -pofuli vox dez“, hat sich leider nicht bewährt. Bei allen guten Eigenschaften, bei der notorischen Redlichkeit und Treue des am 1. Juni 1890 mit dem Sitze in Jaffa gegründeten Executiv-Comites, hat ihm das Haupterforderniss zum Gelingen jeglichen Unternehmens, *) 8. Nr. 522. das systematische Verfahren gefehlt. Diese Systemlosigkeit des Executiv-Comitüs hat nicht allein ein Chaos in dessen ganze Thätigkeit gebracht, sondern auch eine ungeheure Verschwendung des ihm zur Verfügung gestellten Dispositionsfonds verursacht, eine lückenhafte Berichterstattung hervorgei ufen und die ganze Organisation mit einem unheilvollen Zusammenbruche bedroht. Thatsächlich ist das Central- Comite ohne jede Kenntniss des Sachverhalts, ohne nähere Vertrautheit mit dem Zustande der ihm anbefohlenen, aus russisch-jüdischen Emigranten recrutirten Bevölkerung der Kolonien geblieben, und sah sich infolge dessen vor ein neues, schwer zu lösendes Problem gestellt. Die Unfähigkeit des Executiv-Comites machte die Angelegenheit so complicirt, dass nur mit der Auflösung desselben, bez. Demissionirung seiner Mitglieder der gordische Knoten durchgehauen werden konnte, und das Central-Comitö ver-