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Der Israelit · 1894-11-29 · Heft 93 (29.11.1894) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 93 (29.11.1894)
Date
1894-11-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1750 um den Seeweg nach Indien zu suchen, um eine neue Welt zu entdecken. Ihn begleiteten auf der ersten Fahrt nicht mehr als 120, nach Anderen nur 90 Mann, fast lauter Kastilianer und Aragonesen, viele aus Palos, mehrere aus Guadalajara, Avila, Segovia, Caceres, Castrojeriz, Ledesma, Villar, Talaoera, lauter Städte, in welchen sich bis zur Vertreibung größere oder kleinere jüdische Gemeinden befanden. Unter den Personen, deren Namen auf uns gekommen sind — die vollständige Liste ist verloren gegangen und nicht mehr aufzufinden — befanden sich mehrere Männer vom jüdischen Stamme, so Luis de Torres, der eine Stelle bei dem Gouverneur von Murcia bekleidet und kurz bevor das Geschwader des Columbus in See ging, die Taufe empfangen hatte; da er Hebräisch, Chaldäisch und etwas Arabisch verstand, bediente sich seiner der Admiral als Interpret. Alonsoldela Calle gehörte dem jüdischen Stamms an, er führte seinen Flamen nach der Judengasse, aus der er hervorgegangen war; er starb in Espanola am 23. Mai 1503. Rodrigo Sanchez aus Segovia war ein Verwandter des königlichen Schatzmeisters Gabriel Sanch°z und machte auf besonderen Wunsch der Königin Jsabella die erste Fahrt mit. Der Schiffsarzt Maestre Bernal und Marco, der Wundarzt (surjiuio), waren vom jüdischen Stimme. Bernal wohnte früher in Tortosa und wurde als Anhänger des Judenthums, -i'nr I,i ley <le Muyseir“, zugleich mit Salomon Adret und dessen Frau Isabel, in Valencia im Oktober 1-190 penitenzirt. Tie Flotte, deren Mannschait aus einer recht gemischten Gesellschaft bestand, aus Spaniern, Mauren und Juden, auch ein Irländer und ein Genuese befand sich unter ihnen, hatte bereits über tausend MeiEn zurückgelegt. Endlich in der Frühstunde des 12. Oktober, an einem Freitag, an dem Tage, an dem die aus Spanien vertriebenen Juden mit ihren Glaubensgenossen allüberall das Hosiannah anstimmten, wurde von der „Pinta" der Ruf ..Tierra! Tierra!" (8anb! Land!) vernommen. CotumbuS beschloß, von Cuba aus Kundschafter in das Innere zu schicken, um zu erfahren, wie es in seinem Briefe an Luis de Santangel heißt, ob es dort einen König oder große Städte gebe. Mit dieser Mission betraute er Luis de Torres. dem er Rodrigo de Jerez aus Ayamonte als Begleiter beigab. Er versah sie mit genauen Instruktionen, trug ihnen auf, den Fürsten des Landes zum Abschluß eines Vertrages mit der kastilischen Krone vorzubereiten und gab ihnen ein eigenhändiges Schreiben an ihn und Geschenke mit, auch Proben von Pfeffer und anderen Gewürzen, um sie den Eingeborenen zu zeigen und von ihnen zu erfahren, ob dieselben dort wachsen. Am Freitag 2. November, trat Luis de Torres mit seinem Begleiter die Reise in das unbekante Land an und kehrte am 6. zu Columbus zurück. Er erzählte ihm, daß er, nachdem er sechzig Meilen zurückgelegt, einen Ort mit fünfzig Hütten und einer Bevölkerung von etwa tausend Personen angetroffen, daß er im Innern Eingeborene, Männer und Frauen, gefunden habe, welche Feuer in der Hand hielten, mit welchem sie eine kleine Rolle von getrockneten Kräutern die sie im Munde halten, anzünr'eten, daß sie das andere Ende der kleinen Rolle von ihnen Tabaco genannt, tief einathmeten und den Rauch durch Mund und Nase in großen Wolken wieder herausließen. Die Kundschafter wurden von dem Fürsten und den Eingeborenen aufs freundlichste ausgenommen; die Frauen küßten ihnen Hände und Füße und beim Abschiede gab ihnen der Fürst mit einem seiner Söhne und mehr als fünfhundert Personen das Geleite. Luis de Torres, der erste Europäer der amerikanischen Boden betrat, der Erste, der den Gebrauch der Zigarren entdeckte, war der Erste jüdischen Stammes, der sich in Cuba niederließ. Er gewann das Wohlwollen des Fürsten, des Kaziken, wie er genannt wird, erhielt von ihm nicht allein Ländereien, sondern auch Sklaven, „fünf alte und ein Kind", zum Geschenk. Das spanische Königspaar setzte ihm eine jährliche Pension von 8645 Maravedis aus. In dem neuentdeckten Lande beschloß er sein Leben. Dr. Kayserling beschäftigt sich nebstbei auch mit der Frage, ob die Ureinwohner Amerikas, die Indianer, nicht auch Juden, Abkömmlinge der vertriebenen und verschollenen zehn Stämme, gewesen seien. Ohne diese Frage bejahen oder verneinen zu wollen, resumirt der gelehrte Verfasser dieselbe mit folgenden Worten: Nicht weniger als die Sprache bilden die Riten und Zeremonien einen Hauptgrund für die Annahme der Ab stammung. Die Indianer beobachteten die Circumeision, häufige Waschungen in den Flüssen und Quellen; sie berührten keinen Todten, genossen kein Blut, hatten bestimmte Fasttage; sie heiratheten ihre Schwägerinnen, wenn sie kinderlose Wittwen blieben, verstießen ihre Frauen und nahmen sich andere. Sie opferten die Erstlinge ihrer Früchte, opferten auf hohen Bergen und unter schattigen Bäumen, hatten Tempel und eine heilige Arche, welche sie im Kriege vor sich her trugen: dabei waren sie gleich den zehn Stämmen dem Götzendienste geneigt. Darin stimmen alle Schriftsteller und Reisende überein, daß sie unter den Indianern, den Urbewohnern Amerikas, viele jüdische Typen fanden. Die Frage, ob die Amerikaner von den Juden abstammen und Abkömmlinge der aus der Geschichte geschwundenen sogenannten zehn Stämme sind, ist ebenso oft bejaht, wie verneint, aber noch immer nicht endgiltig entschieden. Die erste Kunde von der Entdeckung Amerikas gab Columbus seinen Beschützern, Luis de Santangel und Gabriel Sanchez. Glücklich über die Erfolge seiner Fahrt und über die großen Funde an Gold, Silber und Spezereien, trat Columbus im Jahre 1493 die Rückreise an. In dankbarer Erinnerung an Luis de Santangel, welcher ihm die Mittel zu dem Unternehmen geboten hatte, hielt er es für seine Pflicht, ihm als dem Ersten die frohe Kunde von dem Erfolge seiner Fahrt mitzutheilen und ihm einen ausführlichen Bericht über seine Reise und seine Entdeckungen zu schicken. Von den Azorischen Inseln schrieb er ihm am 15.^ Februar 1493 in spanischer Sprache über den großen Triumph, welchen Gott ihm verliehen, daß er mit der Armada, welche die spanischen Majestäten ihm zur Verfügung gestellt, in dreiundzwanzig Tagen Indien erreicht und dort viele bevölkerte Inseln entdeckt habe. Luis de Santangel und der Schatzmeister Gabriel Sanchez, an den Columbus von Lissabon aus eine gleichlautende Relation gerichtet hatte, schickten die Briefe sofort dem Königspaare, das sich damals in Barcelona aufhie t und bald darauf den großen Entdecker in feierlicher Weise dort empfing. Die Kunde von den neuen Entdeckungen verbreitete sich rasch über einen großen Theil Europas. Gabriel Sanchez hatte eine Abschrift des von Columbus erhaltenen Briefes einem Buchhändler in Barcelona übergeben, welcher ihn in gothifchen Lettern drucken ließ; im ersten Jahre erschienen davon in verschiedenen Formaten mehrere starke Auflagen. Leandro de Cosco fertigte davon eine lateinische Uebersetzung an, welche im ersten Jahre, 1493, vier Auflagen erlebte. Diese Briefe, für alle Zeilen das merkwürdigste Denkmal aus der Geschiche Amerikas, wurden in neuester Zeit in italienischer und englischer Uebersetzung mehrere Male aufgelegt.

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