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Der Israelit · 1894-11-29 · Heft 93 (29.11.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 93 (29.11.1894)
Date
1894-11-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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T C AM- | Orthodoxe MuderrthumÄ 1-0 AA O 5 E S \D Wv. 11. SS Nov 1894] MÄ >(MZ! -./WWW >© Columdus und die Juden. (Fortsetzung statt Schluß aus der Belletristischen Dnlage zu Nr. 89.) Die Finanzpolitik Ferdinand'» des Katholischen bestand in der Auspressung der Juden- Zwei weltgeschichtliche Thatsachen, die Vertreibung der Mauren aus Spanien und die Entdeckung Amerikas konnten nur mit Hilfe der Plünderung jüdischer Kassen durchgesüvrt werden. Da aber die Jnquisitionsgerichte, so tüchtig sie auch arbeiteten, mit den finanziellen Bedürfnissen des Herrschers nicht Schritt halten konnten, so folgte die radikale Maßregel der Austreibung der Juden aus Spanien mit gleichzeitiger Konfiskation ihres ganzen im Lande zurückdleibenden liegenden und aushastenden Vermögens. Im Anfang des Jahres 1492 war Granada gefallen, am 31. März 1492 erließ das katholische Königspaar das Edikt: Daß fümmtliche Juden und Jüdinnen jedes Alters innerhalb vier Monare aus allen Königreichen und Territorien Spaniens bei Todesstrafe ausivandern sollten. Den Abziehenden wurde grotzmüthig gestattet, ihre Habseligkeiten „zu Wasser und zu Land" milzunehmen, jedoch nicht in Gold, Silber, Münzen oder in den dem Ausfuhrsverbote unterliegenden Waaren, sondern nur in solchen Artikeln, welche frei ausgeführt werden durften. Unter Trompetenschall wurde am 30. April 1492 in Santa-Fö und an allen anderen Orten des Reiches zu ein und derselben Stunde von den Alcalden öffentlich bekannt gemacht, daß^ bis Ende Juli alle Juden und Jüdinnen mit ihren Angehörigen und ihren Habseligkeiten bei Todesstrafe und Konfiskation ihres Vermögens für den Fiskus das Reich raumen müssen. Nach Verlauf dieser Zeit durfte kein Spanier einen Juden im Hause halten oder ihm irgend einen Dienst leisten. An demselben Tage, am 30. April 1492, als die Vertreibung der Juden von allen spanischen Behörden verkündet wurde, unterschrieb Columbus seinen Vertrag mit dem spanischen Königspaare bezüglich der neu zu entdeckenden Gebiete. Am 2. Äug. desselben Jahres begann die Auswanderung der Juden, am 3. Aug. stieß Columbus mit seiner Flotte in Palos vom Lande, um die Thore eines neuen Lebens aufzuschlietzen. Dr. Kayserling beantwortet nun die Frage, ob auf den Schiffen des Columbus auch Juden in die neue Welt hinauszogen? Die zur Wanderung getriebenen Juden ordneten ihre öffentlichen und privaten Angelegenheiten, suchten ihre Mobilien und Immobilien zu verkaufen und ihre Schulden einzukasstren. was ihnen freilich in den seltensten Fällen gelang. Je näher die Stunde der Trennung rückte, desto großer war ihr Schmerz. Ganze Nächte verbrachten sie auf den Gräbern ihrer Vorfahren, auf den Friedhöfen, welche das Theuerste bargen, das sie nrrückließen und deren Schutz vor Entweihung ihnen besonders am Herzen lag. Am 2. Aug. 1492, der mit dem Trauertag um die zweimalige Zerstörung Jerusalems zusammenfiel, verließen 300,000 Juden, nach anderen noch viel mehr, das Land, um nach Afrika und der Türkei, nach Portugal, Italien und Frankreich auszuwandern. An dem ewig denkwürdigen 2. August: Ach sie zieh'n, den Fluch nur zum Gefährten, Männern funkeln Thrällen in den Bärten, llnd mit Blumen der verlaff'nen Gärten Ist geschmückt der Frauen dunkles Haar- Blumen, daß sie welk noch mahnen sollen An der Heimath liebgeword'ne Schollen; Greise ziehen mit der Thorarollen Pergamentnen Fahnen stumm voran. „Sonne, leuchte uns'rem Pfad nicht nieder, O verstummt, verstummt nicht, Trauerlieder! Welches Land nimmt die Vertrieb'nen wieder, Die von Gott Verlaff'nen, Müden auf? Ach, wo ist die Ruh für dein gejagtes, Armes Volk, selbst um ein Grab verzagtes, Wo ist Gott? " So singt es und so klagt es Durchs Gebirge, bis an das blaue Meer- Könntet ihr im Buch der Zukunft lesen, Von dem Grame wär't ihr bald genesen: Seht, es zieh'n des kühnen Genuesen Schiffe eben in das fremde Meer. So sang der deutsche Dichter Ludwig August Frankl, der erste Jude, der im Jahre 1836 in einem Epos die Heldenfahrt Columbus' besungen und es dem Könige Carlo Alberto, damaligen Herzog von Genua, gewidmet hat. Am 2. Angust traten die spanischen Juden ihre Wanderungen an und Tags darauf, am Freitag, 3. August ging Columbus mit seiner aus drei Schiffen, „Santa Maria", „Pinta" und „Nina" bestehenden Flotte unter Segel,

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