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Der Israelit · 1894-11-29 · Heft 93 (29.11.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 93 (29.11.1894)
Date
1894-11-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Gewerbesteuer) auszubringen, die Gemeinde verwendet erhebliche Summen zur Unterstützung ihrer Glaubensgenossen, so daß die Stadtgemetnde nur in den seltensten Fallen für einen Armen jüdischer Konfession etnzutreten gehabt hat. Der Magistrat empfahl deshalb, von der Einforderung der Kommunalsteuer der Synagogen-Gemeinde von ihren zu Kultuszwecken bestimmten Gebäuden Abstand zu nehmen. Nach kurzer Debatte wurde dieser Antrag des Magistrats von der Stadtverordnetenversammlung angenommen. Kempen (Posen), im November. Gleich den hohen Feiertagen strömte man gestern der ütesigen Synagoge zu. Der Herr Oberrabbiner zu Rotterdam Dr. Ritter »»j, der seit einigen Tagen zum Besuche seiner Angehörigen hier weilet, hielt dem Wunsche des hiesigen Vorstandes folgend, am mp "n 'b rat? eine prächtige vom Geiste echter Frömmigkeit durchwehte Rede, die einen überaus großen Beifall fand. Mögen die Worte, dieses pwi pnsr«, Mahnworte die aus innigem Herzen kommen, eine gute Stätte finden! Crefeld, 11. November. Der antisemitische General Anzeiger reproduzirt folgende, der Düsseldorfer „Deutsch Nat.-Zlg." aus Coesfeld zugegangene Notiz: Sicherem Vernehmen nach hat sich hier ein Fall ereignet, der lebhaft, an die Manipulationen erinnert, die durch den Burgwaldnieler Fletsch Verunreinigungsprozeß an den Tag gekommen sind. Ein hiesiger jüdischer Schlächter hat, so verlautet, vor einigen Wochen ein bereits verendetes Kalb heimlich in das hiesige Schlachthaus geschmuggelt und dann geschlachtet. Zum Glück für die deutsche Kundschaft dieses Juden entdeckte der Schlachthausmeister die Sache und beschlagnahmte das Thier. Der hiesigen Polizeibehörde soll dieser Fall angezetgt sein." Der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" zog genaue Erkundigungen ein, und nun stellte sich Folgendes heraus: Nach Angabe des christlichen Schlachthausverwalters in Coesfeld ist das Kalb nicht heimlich und nicht todt, sondern öffentlich und lebend in das Schlachthaus gebracht worden. Die dem Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vorgelegte, mit dem Stempel der „Städt. Schlachthaus-Verwaltung in Coesfeld" versehene Erklärung des Verwalters lautet wörtlich: „Der Metzger David Herz hat am 28. August 1894 im hiesigen Schlachthaus (Coesfeld) ein Kalb geschlachtet, welches von mir beanstandet wurde; es brachte den Erlös von 14 Mk. Das Kalb ist vom Kreisthierarzt Dr. Klosterken jun. untersucht und als mtnderwerthtg erklärt worden. — Hochgreve, Schlachthaus-Verwalter." Dieser Fall beweist aufs Neue, wie jetzt die harmlosesten Vorgänge auf Grund leichtfertiger oder böswillg gefälschter Berichte zum Zweck der in ihren Mitteln wenig wählerischen antisemitischen Agitation ausgebeutet werden. Aus Bayer». Verschiedene Zeitungen brachten dieser Tage die Mittheilung, daß in mehreren bay. Städten von der Octspolizei das Auffangen des Blutes von geschächteten Tbieren, zum Zwecke der Verwendung zum Speisegenusse verboten wurde. In dieser Mittheilung glauben Freunde und Feinde der Schechitah eine große Bedeutung bezüglich der Schechitahfrage zu finden. Daß eine solche aber nicht vorhanden, dürfte durch folgende Auseinandersetzung klar werden: Bei dem Schächten der Thiere wird bekanntlich sowohl der Schlund als auch die Speiseröhre durchschnitten. Bei der hierdurch entstehenden raschen und ergiebigen Blutentleerung ist den christlichen Wurstlern Gelegenheit geboten zur Wurstfabrikation etc. Blut zu gewinnen, wovon auch häufig Gebrauch gemacht wird. Nun kommt es aber zuweilen vor, daß während dieser Blutentleerung gleichzeitig Entleerungen aus dem Magen durch die Speiseröhre erfolgen, deren Vermischung mit dem Blute aus Retnlichkeits- und Gesundheitsrücksichten nicht zulässig ist. Dieses nun zu vermeiden, ist einzig und allein der Grund der genannten ortspoltzetltchen Vorschrift. — Hochhausen am Neckar. Bet der am 23. November d. I. vorgenommenen Gemeinderathswahl wurde der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde Herr Leopold Blum in den Gemetnderath unserer Stadt gewählt. Es galt dies als ein doppelter und glänzender Sieg, indem Herr Blum als Ersatz für einen der reichsten Grundbesitzer, der seit 18 Jahren dieses Ehrenamt begleitete, gewählt wurde. Es herrscht nicht nur unter den 7 jüdischen Wählern große Freude, die ganze Gemeinde ist mit dieser Wahl sehr zufrieden. Ein Beweis, daß hier der Antisemitismus keinen Boden findet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 21. Nov. In der heutigen Sitzung des Bezirksschulrathes referirte Dr. Kästner über die durch den Pfarrer Dr. Deckert veranlaßte Bertheilung von Broschüren in der Wetnhauser Pfarrkirche durch Schulkinder und beantragte, den niederösterreichischen Landesschulrath zu ersuchen, über diesen Vorfall die Anzeige an die k. k. Staatsanwaltschaft zu erstatten. Von mehreren Rednern wurde darauf hingewiesen, daß, wenn eine Anzeige erstattet werden solle, dies vom Bezirksschulrathe selbst geschehen müsse. Einige Redner meinten, daß sich Pfarrer Dr. Deckert als Katechet nichts zu Schulden kommen ließ; nur in der Colportage und in der Verwendung von Schulkindern liege eine

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