Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 93 (29.11.1894)
- Date
- 1894-11-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Was aber sollte er sonst beginnen? Wenn er ruhig da blieb, so war er ebenfalls verloren und jeden Augenblick mußten die Schergen kommen, um sie einzufangen und den goldenen Lohn von dem König dafür in Empfang zu nehmen. Er wußte nichts anderes, als einige heiße, innige Worte des Gebets zu Gott zu richten, und das erhob und stärkte ihn und wie er jetzt wie hülsesuchend die Augen umher schweifen ließ, da sah er in der Ferne ein hohes Gemäuer sich erheben. Es mußte ein Schloß sein, oder ein Kloster; wenn er dahin gelangen könnte, vielleicht daß es möglich war, Esther zu verbergen und sie so lange ihren Verfolgern zu entziehen, bis die Gefahr vorüber war. Soeben kam auch der Wirth aus dem Hause, der sich endlich aufgerüttelt und erhoben hatte. „Kennst Du mich?" frug er den Wirth, „mein Name ist Elischa und ich war in früheren Zeiten der Führer und das Oberhaupt der Juden in Polen." „Wie soll ich Euch nicht kennen," enrgegnete der Wirth, „lebt doch kaum ein Jude Polens, der Euren Namen nicht kennt und ich habe auch früher schon daS Glück gehabt, Euch zu sehen, denn ich war in einer jener Versammlungen, die Ihr einberufen habt, als Abgesandter geschickt von den jüdischen Männern dieser Gemeinde. „Ich habe gesehen, wie man Euch ehrte, und ich habe gehört, wie gut und weise Ihr gesprochen habt. Ja, das waren noch andere und bessere Zeiten, da wir Juden in Polen noch einig waren. Leider, leider ist das jetzt vorüber. Unter diesem guten und edlen König heißt es, brauchen wir Juden uns nicht mehr zu vereinigen und nicht mehr zu ein- , ander zu halten, denn der König ist es ja selbst, > der uns beschützt, und der vermag mehr als alle zusammen, hat er sich doch eine Jüdin zur Gattin gewählt." Hastig unterbrach Elischa den Redefluß des Mannes. „Wohlan, wenn Ihr mich kennt und mir Liebe erweisen wollt," rief er — „die hier an Eurem Ofen kauert, es ist Esther, die Gattin des Königs, die vor ihm geflohen ist, weil sie ihren Glauben nicht verleugnen, weil sie Jüdin bleiben wollte. „Redet kein Wort mehr, sondern eilet und helft mir, denn die Verfolger sind uns auf der Spur. Was ist das für ein Gemäuer, das sich dort in der Ferne erhebt?" „Es ist ein Kloster der Benedictiner Mönche," entgegnete der Wirth hastig. „Es sind brave Leute, die sich mit Krankenpflege befassen." „So schafft mir schnell Wagen und Pferde herbei, denn Esther ist in der That erkrankt, und ich will versuchen, sie dorthin zu bringen." „Es soll sofort geschehen, wie Ihr befehlt, aber wollt Ihr die Kranke nicht lieber hier lassen, wir wollen ihr gerne die beste Pflege angedeihen lassen, die es überhaupt nur giebt, und bet uns wird sie auch im Stande sein, jedwede Speise zu genießen, die unsere heilige Thora gestattet, während sie im Kloster nur von Brot und solchen Dingen leben kann, die keinem vortheilhaft sind zum Essen, weder Gesunden noch Kranken." — (Fortsetzung folgt.) Fiid. Allerlei. Wo finden sich im tpo'in Sätze, deren sämmtliche Worte mit Sckluß-v enden? Der ,L»raettt" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag», jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de» Jahrgang« für Deutschland und Oesterreich 13 Reichs-Mark, für's Ausland 18 Reichs-Mark. Man obwmtrt ganzjährig, halbjährig »der vierteljährig. All« Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Durch den Archhandet M Hestern bei T. $. Dlrtnuckrr« Leipzig, Drßplah 16. — Inserate 26 Pfennig die viergespaltene Petttzeile »der deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusenbung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fi. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. M«e Rücksendung da« an die Redaetto» eingesandten Manuskripte» findet nicht statt, «an dtttet destzald sich non alle» Einsendnnge» eine Copie znrückznbehalte«. Inhalt (Hauvtblatt): Leitender Artikel: Das Klagelied der „Deborah". — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Hannover. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. Eisenstadt. — Schweiz: Basel. — Indien: Kalkutta. — Personalien. — Feuilleton: Esterka, Königin v. Polen. Historische Erzählung v. Hugo Freund (Fortsetzung). — Jüd. Allerlei. Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Königsberg. Aus der Provinz Posen. Kempen. Crefeld. Aus Bayern. Hochhausen a. Neckar. — Oesterr.°Uug. Monarchie: Wien. — Rußland: Tchernigof. Tiflis. — Serbien. — Personalien. — Sprechsaal. Inhalt der Belletr. Beilage: Columbus und die Juden. Extra-Beilagen: Die erste Lieferung der Erzählung „Elvire" von Dr. M. Lehmann 7— Spenden-Berzeichnisse. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilage«.