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Der Israelit · 1894-11-29 · Heft 93 (29.11.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 93 (29.11.1894)
Date
1894-11-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1738 und hegen den aufrichtigen Wunsch, daß die Standhaftigkeit und Ueberzeugungstreue, für die Heilighaltung des Sabbat, die sich hier in so entschiedener, männlicher Weise ausspricht, uns Juden veranlassen möge, denselben hingebenden Opfersinn für den Sabbat zu bekunden. »Durch meine Weigerung, Buße und Kosten zu bezahlen, so schließt Herr Segesser, habe ich jede Verantwortlichkeit an dem ganzen gottlosen Handel von der Hand gewiesen. Ich fahre fort zu Heiligen, was Gott geheiligt, und zur Arbeit zu gebrauchen, was Gott zur Arbeit bestimmt hat. Wenn jemand^, sich in dieser Sache'geärgert hat, sollst das eine Folge feinerZ persönlichen Disposition. Ich wünschte von Herzen, solcher hätte fich^vielmehr gebessert. Soviele aber nicht ärger sgeworden, möchte Z ich^sin ihremleigenen Interesse auffordern, sich aus der ihnen umgeworfenen Schlinge zu befreien.^ Vielleicht gibt es auch für die Gesamtheit noch einen ehrenhaften Rückzug aus dem Sumpfe der Inquisition, in welchen die bundeSrathliche'RekurSPolitik unser Vaterland geführt. Vielleicht können die Art. 49 und 50 der Bundesverfassung, trotz der eingeriffenen korrumpierten Rekurspraxis, wieder zu^l ihrer-legitimen Geltung gebracht werden." Indien. (.1.) Kalkutta, 7. Oktober. Von drei Seiten pflegten in früheren Jahren Juden nach Indien zu strömen, um sich daselbst anzusiedeln: aus Persien, aus Mesopotamien (Bagdad) und aus dem russischen Reiche, das sich heute bekanntlich bis zum Amu- Darja und dem Pamir erstreckt. Seit Kurzem jedoch beginnen auch die Juden eines anderen astatischen Landes ihre Blicke auf das indische Reich zu richten, um stch daselbst dauernd niederlassen zu können. Es sind dies die Juden der arabischen Halbinsel. In Arabien leben unsere Glaubsbrüder noch heute, selbst in den Gebieten, die zum türkischen Reiche gehören, in den ärmlichsten Verhältnissen, während das reiche Indien mit seinen großen und blühenden See- und Handelsstädten eine große Anziehungskraft auf seine Nachbarländer ausübt. Fast mit jedem Dampfer, der jetzt von Maskat oder Aden nach Bombay oder Kurratschi kommt, treffen arabische Juden ein, um dauernd in Indien zu bleiben. Sie alle finden hier, da bet uns die größte Duldsamkeit herrscht, eine gastfreundliche Aufnahme. In den früheren Jahren, solange man Dampfschiffe und Eisenbahnen noch nicht kannte, pflegte gewöhnlich jedes dritte Jahr ein Sendbote (nWo) aus dem heil. Lande (u'2vO nach Indien zu kommen, um hier Spenden für die Lehrhäuser (nw&') in Jerusalem, Zefath etc. zu sammeln. Seitdem aber das Reisen leichter und billiger geworden ist, trifft fast jedes Quartal ein angeblicher Sendbote aus Palästina in Indien ein und sammelt Spenden. Gegen diesen Unfug, dem die Rabbiner Jerusalems gänzlich ferne stehen, hat stch nun der Chacham- Baschi (p'ik in der heil. Stadt selbst erhoben, und schickte er an die jüd. Gemeinden Indiens eine öffentliche Warnung (.-rfci mmn), tn der er darauf aufmerksam macht, daß nur jene Sendboten berechtigt sind, Spenden zu sammeln, die von ihm und seinem Beth-Din dazu autorisirt wurden. Trotzdem wir Heuer lange Selichottage hatten, waren doch jeden Morgen unsere Synagogen gut besucht. Uebrigens beginnen wir schon im Juni in aller Frühe aufzustehen, denn die gewaltige Hitze, die den Sommer über hier herrscht, veranlaßt uns sogar am Sabbat unser Morgengebet (mrw) gleich mit Tagesanbruch zu verrichten. -> Dersonatien. Berlin, 20. November. Herr Dr. Marcus Petuchowski, welcher seine Ausbildung an dem hiesigen Rabbiner-Seminar erhalten hat, ist als zweiter Prediger der Synagoge an der Potsdamer-Brücke gewählt worden. Berlin, 21. November. Herr Hermann Abraham, der verdienstvolle Begründer und Leiter der israelitischen Volksküche, hat eine Baustelle Gormanstraße 3 erworben und läßt dort ein Haus für wohlthätige Zwecke, insbesondere für die Zwecke der Volksküche erbauen. fgeuilletott* Esterka, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 46.) (Nachdruck verboten.) Der Fuhrkaecht aber hatte, während er half, Esther hinüber zu tragen, schon bemerkt, daß hier eine Verkleidung vorliege. Nun trat er zu Elischa heran und klopfte ihm auf die Schulter. „Das ist kein Mann", sagte er zu ihm, „das ist ein Mädchen, warum trägt sie Männerkletder?" Elischa erfchrack, doch faßte er sich schnell. „Wegen der Gefahr der Wanderung", entgegnete er schnell, „Du weißt ja, wie unsicher es hier zu Lande ist für ein Mädchen umher zu wandern, und wieviel Strolche und Gesellen hier umher laufen, die Weibern nachstellen. Das ist meine Frau, und ich habe sie in diese Kleidung gesteckt, um sie den Blicken des Wegelageres zu entziehen und sie auf diese Weise vor ihnen zu beschützen." Dem Fuhrknecht leuchtete das ein, und er trat näher zu Esther hin und betrachtete theilnahmsvoll das Gesicht. „Merkwürdig", sagte er, „wo habe ich dieses schöne Gesicht schon gesehen? Ihr habt ein schönes Weib, Mann, um das so mancher Euch beneiden könnte.

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