Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 93 (29.11.1894)
- Date
- 1894-11-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ihn nicht als Mittel zur Gewinnung von Ehre und Einfluß betrachtet, sondern in ihm selbst Zweck und Lohn erblickt, und darum jedes andere denselben Zweck verfolgende und gleich würdig geleitete Unternehmen mit Freuden begrüßen, aber nicht, von Neid und scheeler Mißgunst geleitet, dasselbe verfolgen, verleumden oder gar durch ehrenrührige Machination verdeckter Tartüff - Hände der Auflösung nahe bringen wird. Wer eben die Jugend der Juden, zu mit ihrer Geschichte, Literatur und Vergangenheit bekannten und für dieselbe warm fühlenden Juden heranbilden will, muß von diesem seinem Berufe alle anderen selbstsüchtigen Pläne zu scheiden wissen, und von einem solchen Standpunkte scheint der Vorstand der Berliner „Schas Chewra" ausgegangen zu sein, als er auf der Suche nach einem solchen selbst mit der Diogenes- Lampe schwer zu findenden Manne, einstimmig Herrn Raabiner Dr. Höxter dazu erwählte, die an ihrer für den Talmudunterricht bestimmten Religionsschule, durch den jähen Tod des Herrn Dr. Deutschländer erledigte Stelle eines Lehrers und Leiters zu übernehmen. Daß Herr Rabb. Dr. Höxter, der fast einzig würdige und geeignete Mann für dieses Amt ist, steht außer Zweifel, angesichts der Erfolge, die der auf oratortschem und pädagogischem Gebiete gleich bewährte Mann in seiner eigenen Religionsschule erzielte. Der Schas-Ehewra kann zu ihrer Wahl nur aus vollem Herzen gratulirt werden, und es erübrigt nur noch die Hoffnung auszusprechen, daß all jene Väter unseres Volkes, denen eine Talmudkenntniß ihrer Söhne am Herzen liegt, kaum mehr zweifeln werden, wo sie dieselben hinsenden, und welch' bewährter Hand sie dieselben anvertrauen sollen, da ja die Schas-Ehewra durch diese Wahl dem Jntereffe des Talmudstudiums in schönster Weise entsprochen und dem Unterrichte desselben nun eine unter gediegener Leitung stehende Stätte geschaffen hat. Berti«, 18. November. Die Staatsanwaltschaft zu Rottweil hat die hiesige Kriminalpolizei ersucht, Erkundigungen nach dem dort in Hast befindlichen Kürschner Josef Schenk einzuziehen. Dieser, ein Mann im Alter von 42 Jahren, hat allem Anschein nach ganz Deutschland durchwandert und es besonders auf die Brandschatzung israelitischer Unterftützungskaffen abgesehen, deren Verwaltungen er unter dem Vorgeben, Jude zu sein, zur Bewilligung von Geldbeträgen veranlaßte, obgleich er Katholik ist. Eine Narbe auf der linken Seite der Stirn ist ein besonderes Kennzeichen des Mannes. Hamburg, 20. Nov. In Ihrem „Jüdischen Allerlei" „Ein Wort zu seiner Zeit" erzählen Sie von einem durch Witz und Geist ausgezeichneten Talmudtsten, ohne dessen Namen zu erwähnen. Derselbe hieß rm> vnno gebürtig aus Lubranz in Polen wurde danach auch der Lubranzer Bacher genannt. Sein Scharfsinn und Wissen in D'pDisi d"p war gradezu staunenerregend, außerdem war er in profanen Wissenschaften, insbesondere Mathematik und der elastischen Literatur äußerst bewandert. Sein rnpns sowie seine grenzenlose Bescheidenheit waren wie die eines Mannes von «rnpn nn. Von dem Altonaer 21 (Ettlinger) und dem sel. Hamburger m wurde er hochgeehrt von letzterem als ständiger Adlatus hinzugezogen. Die fast sämmtlichen d^sd der Klausbtbliothek (mino -jNbö bNTr) sind von ihm mit zahlreichen Anmerkungen versehen; daselbst sind auch ganze Stöße loser Blätter mit Handschriften von ihm, auch die zahlreichen ü’-idd meines sel. Vaters yy? sind an den nui'^i von ihm beschrieben. Der sel. Vto’onffo n Vst wohnte c. 10 Jahre bei meinen sel. Eltern und haben wir vieles Erlernte ihm zu verdanken. Herr Jonas Bondi »"j von Mainz kam auf seinen regelmäßigen Touren nach hier jedesmal zu uns und unterhielt sich gerne mit bm'n n»o i. Wir haben noch einige hebräische Gedichte handschriftlich von ihm, die er uns zu Gelegenheiten geschrieben. Ungefähr zwanzig Jahre sind seit seinem Ableben verflossen; auf dem hiesigen Grindel nrop no liegt er in der ow Reihe, man hat ihm nachgesagt, daß er nwn pn k-idjh auch als hervorragender Mann gegolten haben würde. Es ist eine Freude sich seiner zu erinnern und es erfüllt uns mit Wehmuth, daß er nicht mehr da ist. I. Bachrach. Hannover, 23. Nov. Der antisemitische Redacteur der „Hannoverschen Post," Rethwisch, wurde heute wegen Beschimpfung einer Religionsgesellschaft von der Strafkammer des Landgerichts Hannover zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Er hatte nämlich in einem „Die Heiligkeit des Eides und der jüdische Versöhnungstag" überschriebenen Artikel behauptet, den Juden wäre durch ihre Religionsvorschriften der Meineid erlaubt. O e st e r r.-U n g a r. Monarchie. Wien. (Eine absurde Beschuldigung.) Der hiesige Damen-Kleidermacher Samuel Steiner wurde von einer Bedienerin, Namens Maria Uher, mündlich und schriftlich aufs hartnäckigste verdächtigt, er habe Kenntniß von dem geheimen Aufenthalte ihrer verschwundenen Tochter, denn er — habe das Mädchen zu einem rituellen Morde der Wiener israelitischen Cultusgemeinde verkauft. Als Steiner schließlich gezwungen war, den Weg der gerichtlichen Klage zu betreten, hielt die Uher selbst vor Gericht ihre alberne Verdächtigung aufrecht, und gab an, ihre Tochter hätte bei Steiner gearbeitet und sei