Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1894)
- Date
- 1894-11-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448495--39689-2487850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1727 Leben und die Werke Börne's, so daß sie sich recht angenehm liest. In den Fußbemerkungen hätte der Vers, sich mehr beschränken sollen. — Von Begeisterung sür das Judenthum und von edel poetischem Geiste durchhaucht ist die von A l e x a n d e r W e i l l herausgegebene Gedich tsammlung „Les grandes juives de l’histoire“ (Paris 1893. Sauvaitre.) Die hehren weiblichen biblischen Gestalten der Frauen Rebccca, Miriam, Debora, Hanna, Hulda, Esther, die heldenhafte Judith, die Mutter der Maccabäer, Salome, Marianne, Märtyrerinnen des Mittelalters, Berühmtheiten der Neuzeit erscheinen vor uns, und ihre Thaten und ihre Leiden, ihr Opfermuth und treue Hingabe an ihren Glauben, ihr werkthätiges Ltebeswirken — in formvollendeter Dichtung tritt es uns anschaulich entgegen. Mögen vornehmlich die jüdischen Frauen und Jungfrauen sich in die Lektüre dieser Dichtungen vertiefen, sie werden für Herz und Gemüth reichen Gewinn aus diesem Buche ziehen. — Für russische Schulen ist ein kleines hebräisches Lesebuch berechnet, das unter dem Titel Li. von Israel Lewner herausgegeben und in Jekaterinowslaw erschienen ist. Hübsche Erzählungen an die 10 Gebote angeknüpft, Belehrungen über die Festtage, kleine Biographien bilden den Inhalt dieser kleinen Schrift. — Es sei hier auch auf die üebrä'sch geschriebene landwirthschaftliche Zeitschrift „Der Colo nist". herausgegeben vonMaierowitz und Luncz (Jerusalem 5654 u. m.) aufmerksam gemacht. Wir finden hier Berichte über die Ackerbaukolonien in Palästina, fachwissenschaftliche Aufsätze, die Landwirthschaft betreffend, Rathschläge über Boden- und Pflanzenbehaudlung und wissenschaftlich-rituelle Abhandlungen, wie über das Propfen der Ethrogim u. s. w. Es zeugt diese Zeitschrift von einem erfreulichen Fortschritt rationeller Bodenbehandlung im heiligen Lande, und so sei sie bestens empfohlen. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Mainz, 25. Nov. In der Synagoge der israelitischen Religionsgesellschaft fand heute in erhebender Weise die Feier des hohen Geburtstags Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzoglichen Paares statt. Nach entsprechendem Gesang und nach Reeltation einiger Psalmen bestieg Herr Rabbiner Dr. Bon di die Kanzel, um aus Grund der drei Verse 8, 10, 11, des 45. Psalm den Großherzog, die Großherzogin und die jüngste Schwester des Landessürsten, die erlauchte Braut des russischen Kaisers zu feiern. Mit den Schlußworten des gestrigen Prophetenabschnitts: „Es lebe mein Herr der König David ewiglich" begann der Redner, indem er heiße Wünsche für das Wohl des Landesfürsten in diesen biblischen Huldigungsruf kleidete. In den Worten des Psalmisten „Du liebtest Gerechtigkeit, hassest Unrecht, darum salbte Dich Gott. Dein Gott mit dem Oele der Wonne vor Deinen Genoffen," fand er eine treffende Schilderung der Regierung unseres Landes - Vaters, der Gerechtigkeit auf seine Fahne geschrieben, dessen Herzen alle Unterthanen gleich nahe stehen und dessen Regierung durch eine Reihe glücklicher Erfolge gesegnet wurde. Besonders die Geschichte des Großherzoglichen Hauses im vergangenen Jahre zeigt uns deutlich den reichen Segen des Himmels. Der Großherzog erkor sich als Gattin eine Fürstentochter aus uraltem glänzendem Geschlechte. eine nahe Verwandte, die, wie sie am gleichen Tage mit ihm sein Wiegenfest feiert, so gleich dem Fürsten mit allen edlen Tugenden geschmückt ist. „Es steht die Gattin an deiner Rechten geschmückt mit kostbarem Golde." Der herrlichste Schmuck der Fürsten ist die Verehrung und Liebe der Unterthanen. Der zukünftigen Kaiserin von Rußland rief der Redner die Schristworte zu: „Höre und merk auf Tochter u. neige dein Ohr u. vergiß dein Volk und deines Vaters Haus". Es ist das Schicksal der Fürstentöchter, daß sie oft ein neues Vaterland erwählen, um mit dem Gatten den sie erkoren ein fremdes Land zu beherrschen, und als Herrscherin treu mit allen Fasern des Herzens dem neuen Volke angebören müssen. Je ungetheilter ihr Herz den neuen Pflichten gehört um so mehr wird sie gepriesen. Doch bevor sie ihr altes Heim verläßt und hinauszieht aus dem väterlichen Palaste, da soll sie nochmals Umschau halten, aufmerken und ihr Ohr neigen den geheiligten Traditionen ihres Geschlechts und alles Gute und Schöne in ihrem Herzen mit hinwegtragen, damit es zum Segen werde auch dem fremden Volke. Vor Jahrzehnten zog ebenfalls eine hessische Fürstin in die Hauptstadt des groben nordischen Reiches und die Regierung des Kaisers Alexanders II, des Gatten der hessischen Prinzessin Maria gehört zu den lichtvollsten und gesegensten der russischen Geschichte. Die Tagesblätter haben schon berichtet, daß die jetzige russische Kaiserbraut ihre Fürsorge besonders den großen Wohlthätigkeitsanstalten widmet, welche ihre unvergeßliche Verwandte auf dem Kaiserthrone in's Leben gerufen und reich bedacht hat. Lange Jahre waren dieselben an höchster Stelle vergessen und der Regellosigkeit und Verwilderung anheimgefallen. Die heute noch viel betrauerte erlauchte Mutter unserer Prinzessin Alix nannte diese ihr jüngstes Kind in Briefen an die Königin Victoria von England „Sonnenscheinchen", weil sie in früher Jugend schon Sonnenschein im elterlichen Hause verbreitet hat. Möge ihr, die von