Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1894)
- Date
- 1894-11-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1728 morgen ab den Namen Kaiserin Alexandra Feo dorowna führt, vergönnt fein, Sonnenschein zu bringen, dem gewaltigen, dunkeln Nordreiche. Möge die Wiederkehr des morgigen Tages stets froh gefeiert werden, in der Erinnerung, daß mit diesem Tage eine Sonne des Glückes und Friedens aufging, für alle russischen Völker ohne Unterschied des Stammes und des Glaubens. Mit dem Gebete um den Segen für das Großherzogliche Paar, die Großherzogliche Prinzessin und das ganze Fürstenhaus, schloß die weihevolle Rede. Breme«. Der „Weserzettung" wird geschrieben: „Nicht geringes Aufsehen erregt eine soeben bet der Schulze'schen Hofbuchhandlung in Oldenburg erschienene Broschüre. „Der Begräbnißluxus, ein Mahnwort von Dr. Dantannius", als deren Verfasser ein hoher großherzogltch oldenburgischer Staatsbeamter genannt wird. Das kleine Werk chcn kämpft in fachlich klarer Weise gegen die immer größer werdende Unsitte, das friedliche Leichenbegängniß zu einem Triumphzug zu gestalten, geißelt die pompösen Särge, Kranz- und Blumenspenden, die mit einer Ehrenbezeugung für den Tobten nichts zu tbun haben. Vom ethischen Standpunkte sei der Luxus zunächst zu verdammen, da er die socialen Gegensätze, die im Leben leider oft schon so schroffe Grenzen ziehen, auch auf den Tod überträgt. Aber auch vom Standpunkte der Religion aus betrachtet ist der Begräbnißluxus unstatthaft, da er den Lehren der christlichen Religion zuwider ist. An der Hand hervorragender Kirchenlehrer zeigt dcr Verfasser, daß der Luxus bei unseren Begräbnissen eine Nachbildung heidnischer und somit unchriftlicher Gebräuche ist, die in den Rahmen der modernen Religionen nicht hineinpassen. Nachdem der Verfasser alle bestehenden Unsitten, besonders die Abstufungen in der Classe der Leichenwagen u. s. w. unter Darbietung trefflicher Beweise bekänrpft hat, läßt er an alle Mitbürger in den Städten den Aufruf zur Bildung eines Kranz- Ablösung-Vereins ergehen. Nach den Ansichten des Verfassers soll in jeder Stadt ein Verein gebildet werden, der Kranz-Ablösungskarten zu einem einheitlichen billigen Preise verkauft und an Stelle der theueren Kränze sollen die Freunde die Kranz-Ablösungskarten als Zeicten des Beileids senden. Nach dem Verfasser würde dann eine kranzlose Beerdigung nicht mehr als Unehre oder Theilnahmlostgkeit angesehen werden, im Gegcntheil, es würde mit der Zeit zweifellos zur Ehre werden, für Linderung des Elends solche, der Ethik und der Moral entgegenstehende Aeußerlichkeiten zu entfernen. Der Verfasser hofft, daß sein Mahnruf im Kreise der Menschheit ein kräftiges Echo finden möge." Ob die Antisemiten das nicht als Verjudung der Begräbnißfeierltchkeiten bezeichnen werden, da bet den Juden ja bekanntlich seit jeher jeder Luxus bei Leichenbegleitungen d"3 auf das Strengste verpönt ist, bleibt abzuwarten. vermischtes. Leipzig, 19. Nov. Der frühere Judemnisfkonar Paulus Meyer wurde wegen Beleidigung der Pastoren v. Bodelschwingh und Boß, des Stadtmissionars Obschatt, des Professors Strack, sowie der Diakonissinnen Philipp und Rißmann zu 1 Jahr 10 Monate Gefängniß verurtheilt. Der Verleger der Broschüre „Wolfe im Schafspelz" wurde freigesprocheu, Dr. Wesendonck, der das Vorwort geschrieben, zu 50 Mk. Geldstrafe wegen Beleidigung des Pastors Votz verurtheilt. Außerdem wurde aus Einziehung der Broschüre und Veröffentlichung des Urtheilstenors in der „Leipziger Zeitung" erkannt. Sulz (Elsaß), 11. Nov. Vor einiger Zeit wurde mir von einem yerumziehenden “)D1D Namens Pollatschek vier Bücher eines “)3D zur Reparatur übergeben, von welchen ich einen Theil nach vollzogener Ausbefferung zur Ansicht an denselben zurückschickte. Genannter neiD machte Chicanen, die darauf hinausgingen, mich um den vorausbestimmten Lohn zu bringen; er hat bis jetzt die übrigen Theile des "1DD noch nicht zurückgenommen. Vielleicht kann ein Leser dieses gesch. Bl. mir Auskunft geben, welcher Gemeinde das “)DD gehört; sonst sehe ich mich genöthigt, diese 1OO-Theile zu vergraben. L. Stüsfel, Kantor und “>bid. Jaffa. Das „Schaar Zion"-Hospital hatte im Jahre 5653/54 eine Einnahme von 132,360 Piastern, hingegen eine Ausgabe von 152,121 P, so daß also ein Deficit von 19761 P. vorhanden ist. Der Vorstand richtet im Rechenschaftsbericht die dringende Bitte an auswärtige Wohlthäter um kräftigere Unterstützung desselben. Literarisches. Alle Freunde angenehmer Lektüre machen wir auf die in Rich. Herm. D ie trich's Volksschriften-Verlag in Dresden erscheinende illustrirle Familienzeitschrift „Frohe Stunden" aufmerksam. Mit jeder Nummer gestattet sich der Inhalt dieses so schnell beliebt gewordenen Blattes vielseiliger und inteiessanter. Der Verlag zeigt das Bestr ben, für einen geringen Preis Gutes und Vieles zn bieten, sowohl in tertueller, als illustrativer Hinsicht. — Die Entwickclung des Romans: „Die rothe Marie" ist durch die der rochen Marie zugesallene Erbschaft von mehreren Millionen in ein Stadium getreten, welches die Fortsetzung mit gespanntestem Jntercsse erwarten läßt. — In dem Roman „Die Märchenprinzessin" liegt ein eigenartiger Zauber und poesievoller Reiz. Das Geheimnißvolle dieses Romans beginnt sich in den vorliegenden Lieferungen auf ganz überraschende Weise zu lichten. — Sehr fesselnd ist auch die kurze Erzählung: „Das Modell des Malers." — „Wie der Hornist Müller Gefreiter wurde," ist wieder eine heilere Episode aus dem Militärleben, wie solche von den „Frohen Stunden" schon öfter gebracht wurden. Bei der Seltenheit guter Militär-Humoresken sei dies noch besonders betont. Die Illustrationen sind wirklich künstlerischschön und verdient auch die Druck-Ausführunr derselben die vollste Amrklnnung. Wer nun gern recht viele „Frohe Stunden" hoben möchte, der kann darauf für den billigen Preis von 10 Pfennig pro Nummer in jeder Buchhandlung oder bei den Kolporteuren abonnireu. Alle Rücknummern sind noch zil haben und können in beliebigen Zwischenräumen nachbezogen werden.