Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1894)
- Date
- 1894-11-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1726 menen Mafsora abweicht und keiner Suche nach einer neuen Theorie, umsomehr muß man erstaunen, daß der Vers, mit Umdeutung des einfachen Wortsinnes in einer Talmudstelle auf die Idee verfällt, das Verbot, das defectiv zu schreibende Wort plene und umgekehrt zu schreiben, erst zu Rasches Zeit entstehen läßt, und daß der Talmud und die Gaonim dieses Verbot nicht gekannt hätten. Es würde zu weit führen, wenn wir auf die Auseinandersetzungen des Verf. hier ausführlich etngehen sollten. Es sei hier nur kurz bemerkt, daß die Aussprüche R. Paltois und R. Hai's, die vom Fehlen ganzer Verse sprechen, nicht der Ansicht widersprechen, daß das betreffende Verbot bereits im Talmud enthalten sei, da es nicht ausgeschlossen ist, daß beim Fehlen einzelner Buchstaben in einem Buche der Thora die Vorlesung aus einem andern noch gestattet sein könne, während beim Fehlen eines Verses auch dieses verboten ist. Wer in Menachoth 29 d nicht das genaue Verbot erkennt, befindet sich in einer schweren Selbsttäuschung; jedoch statt aller Beweise stehe hier die Stelle aus Erubin 13 a: R. Meir erzählt von sich: '-) ^tx »nxateo »ajx -to i4» »nnc^t “jnax^o na 'ja h -idx bsyotc” D’Dp naxte -jnaxto» "jnax^aa nvn »in 'ja »^ nax xsdj nnx nix nn"v ix nnx nix nana nnx xo» x'n 'xvi noxp ’xo . . . i^ia n?iyn bi nx anna nnx nivn’i mn'Dna x'pa'v x^> yxp 'an nnno xp »dj aia^ BnrvD '»dx xbx xjx »pan xj»j/d x^n nan an "!? »'vvi '»*? pnoi n*?-n "Jnx a»n»i »nx xobn .vnn -pnV ^>»dd 'jxv id» Dinjpjpi nnx Also R. Meir gibt seinem Lehrer die Versicherung, daß er in seinem Schreiberberuf die Heiligkeit der Thora zu wahren weiß; in Plene- und Defectivschreibung sei er erfahren und mache keinen Fehler und etwaige Lädirungen der Schrift, die den Sinn entstellen könnten, verhüte er durch eine widerstandsfähige Tinte, bte er beim Schreiben verwende. Wenn dies kein Beweis ist, daß der Talmud bereits die nm'ri'i ni-i'vn als wesentlich für ^>idd oder nteo der n"D ansieht, so ist überhaupt nichts mehr zu beweisen. Und nun sei noch bet dieser Gelegenheit eine Konjektur erlaubt, die ich aber mit allem Vorbehalt gebe, und die ich der Prüfung von Fachmännern unterbreite. In Ber. rabba Kap. 36 heißt es: 'xn n-nn nsoa ixnp’i lj’an D'Dyan iVx pao ouen Dünn ni ttniBD xnpv ni i^x ID'X ’jx»^ p xjin 'an D'piDvn ’pxn I^x xnpoa nvxnni rojnann. Die Stelle ist eine weitere Ausführung von Megilla 3 b und bis auf das letzte Wort, das räthselhaft scheint, verständlich. Mit einer kleinen Emendation läßt sich dieses Räthsel lösen, wenn wir nämlich aus nvxnn das n entfernen und nmn lesen, so wäre hier auf die Lesemütter i'x und damit auf nn'n»i nn»on hingewiesen. — Daß das vorliegende Buch von einem reichen Wissen und von großem Fletße zeugt, soll ohne Vorbehalt anerkannt werden. Eine eigenartige Schrift bringt uns Prof. Dr. M. Lazarus „DerProphetJeremias" (Breslau 1894. Schottländer). „Psychologische und allenfalls völkerpsychologische Betrachtungen, die sich auf die Geschichte des Jeremias, auf sein Wesen und sein Wirkenbeziehen", will der Verf. darbieten, und was Lazarus reicht, sind keine hohlen Phrasen, es ist Ttefdurchdachtes, Geistvolles; man erkennt willig die geniale Auffassung an, wenn man auch nicht imstande ist, alle seine Prämissen zuzugeben und alle seine Folgerungen als richtig anzuerkennen. Wie treffend ist gleich die Abgrenzung des Begriffs der Prophetie im jüdischen von dem im heidnischen Kreise. Im Heidenthum herrscht das unabänderliche Geschick, der Prophet ist hier der Wahrsager, der die Neugier der nach der Zukunft Fragenden befriedigen will, im Judenthum ist der Prophet der Warner, denn die Zukunft steht nicht unabänderlich sc st, das Geschick kann durch Umkehr und Besserung der Menschen gewandt werden. Solche Vergleichungen bietet die Schrift, trotz des verhältnismäßig geringen Umfangs, in Fülle. Nicht minder wahr und packend und die erhabene Ethik des Judenthums klar hinstellend ist jene Stelle: Er (Jeremias) fordert nicht blos Moral in der Politik, sondern Moral als Politik." So betrachtet er das tragische Leben des Jeremias, der fast allein in seiner Umgebung stehend, das Unglück voraussah, aber es nicht abwenden konnte, nach allen Richtungen und zeichnet jene Zeit aufs Trefflichste. So könnte man der Schrift, abgesehen von des Verf. bekannten Stellung zum Glauben an die Göttlichkeit der Bibel, Anerkennung spenden, wenn der Verf. nicht die Caprice gehabt hätte, den „conservativsten Propheten" zum Reformer zu machen. Allerdings nicht in dem Sinne, daß er die religiösen Uebungen, wie die Opfer, hätte abschaffen wollen, sondern so, daß er nichts dagegen gehabt hätte, wenn man die Opfer zu Gunsten eines reinen Lebenswandels hätte fallen lassen, während er den reinen Lebenswandel als nothwendige Bedingung für die Opfer voraussetzte. Diese Caprice führt den Verf. auch zu der sonderbaren Folgerung, daß es besser sei, die Geschichte des Gedalja zu kennen und den Gedenktag nicht fastend zu begehen, als durch das Fasten die Erinnerung an jenen Vorgang festzuhalten, ihn selbst aber nicht zu kennen. — Unter dem Titel mpDD (Berditschew 5654 u. m.) giebt Etieser Schulmann Biographien heraus, von denen das zweite Heft eine ausführliche Lebensbeschreibung Ludwig Börne's bringt. Die umfangreiche Schrift beschreibt in einem eleganten Hebräisch das