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Der Israelit · 1894-11-26 · Heft 92 (26.11.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 92 (26.11.1894)
Date
1894-11-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXT. Jahrgang. KeUage zu J\ß 92 -es „Israelit". Literarische Umschau- 8. In den „Studien zur Geschichte der Orthographie des Althebräischen" (Kauffmann. Franks, a. M. 1894) untersucht Rabb. Dr. Leo Bardowicz die Frage, denn darauf spitzt sich die ganze Schrift zu, wie es gekommen, daß in der talmudisch.midraschischen Zeit die Anwendung der Lesemutter in weit geringerem Umfange stattgefunden, als wir derselben im masoretischen Texte begegnen. Zu diesem Zwecke führt der Verfasser die Ansichten älterer jüdischer Grammatiker und christlicher Gelehrter über Ursprung und Geschichte der Anwendung der mati-68 leotiouis recht übersichtlich vor, stellt die betreffenden Varianten aus Talmud und Midrasch zusammen, ergeht sich über die und kommt dann schließlich zu der Erklärung, wie es möglich geworden, daß die matres lectionis entgegen dem rabbinischen Verbote, die Defectiva plene zu schreiben, in den Bibeltext eindringen konnten. — Es ist bekannt, daß Talmud und Midrasch in manchen Punkten von der Massorah abwetchen, eine Thatsache, auf welche schon die ältesten Kommentatoren aufmerksam machen, ja daß bis in später Zeit hinein es an Schwankungen nicht fehlte. Man denke z. B. an Raschi, Gen. 14, 14., wo sich eine, allerdings in ihrer Echtheit mit Recht bezweifelte Variante findet und Exodus 25, 22.. wo die Variante unleugbar ist. Daß nun im Talmud erwiesener Maßen Wörter als defect zu schreibende bezeichnet werden, die wir in unfern Bibelexemplaren plene zu schreiben haben, ist nicht auffallender als die Meinungsverschiedenheiten, die sich durch die Länge der Zeit und die politischen Störungen über sicher und fest überlieferte Halachas gebildet haben. Die Schreibung der Wörter ist nichts anderes als eine Tradition; daß mit der Zeit Jrrthümer in Bezug auf sorixtio plena und defectiva unterlaufen sind, daß auch eine Abnahme des Wissens die volle Schreibung zum bessern Verständnttz nöthig gemacht haben mag oder von manchem Schreiber als nothwendig erachtet wurde, ist natürlich. Da ist es denn sehr leicht denkbar, daß eine solche Schreibung in einem Exemplar für den privaten Gebrauch zuerst angewendet wurde und vielleicht hie und da einmal in eines für den rituellen Gebrauch überging. Der Verf. will nun aus dem Umstande, daß es häufiger vorkomme, daß im Talmud und Midrasch ein Wort als defectiv angegeben wird, welche der masoretische Text plene schreibt, als umgekehrt, folgern, daß man erst später die Nothwendigkeit empfand, durch Anwendung der Lesemütter die Lesung zu erleichtern, während zur Zeit des Talmud und Midrasch sich diese Nothwendigkeit noch nicht fühlbar gemacht hatte. Daß es aber möglich gewesen, gegen die halachische Bestimmung Schreibungen anzuwenden, die geradezu den Angaben der Rabbinen im Talmud widersprechen, habe seinen Grund in der späten Einführung eines solchen Verbotes, der Talmud kenne ein Verbot plene, resp. defectiv zu schreiben, noch nicht. Sehen wir nun, ob diese Behauptungen stand halten. Die'erwiesenen'Variantentn den fünf Büchern Moses, denn nur auf diese, über deren Schreibung stets mitpeinltcher Sorgfalt gewacht wurde, kommt es an, find nach dem Verf. 17. Also stebenzehn ganze Wörter, die nach Talmud und Midrasch defectiv und nach der Massora plene geschrieben werden, geben die ganze Grundlage für die Konjektur des Verf. ab. Diese Grundlage ist doch etwas zu dürftig, um auf dieser einen Gedankenaufbau zu errichten, der durch seine Neuheit und Kühnheit so sehr überrascht, daß man recht kritisch an ihn heranzutreten gezwungen ist. Der Pentateuch hat 5845 Verse, also mindestens 40,000 Wörrer; nehmen wir nur die dürftige Zahl von 4000 Wörtern an, bei denen die Plene- oder Defekttvschretbung in Frage kommt, und da sollen 17 Wörter für eine neue Konjektur genügen! Zudem scheiden von diesen 17 Stellen noch« aus, die nichts beweisen, nämlich die Nummern 3, 8, 13, 14, da nn'vri 'vpo Brno nn’nn nicht mehr der talmudisch - midraschischen Epoche anqehört und die Nummern 1 und 2, weil in 1 die Lesart zweifelhaft ist, da Bam. r. und Aboth d'R. Nathan entgegen Gen. rab nicht auf eine bcfccttöc Schreibung, sondern auf einen punk« tirten Buchstaben, der also für die Erklärung als nicht geschrieben angesehen wird, hinztelen. Nr. 2 liefert aber gar keinen Beweis, da die Talmudstelle nichts anderes besagen will, als daß w auch •ttön gelesen werden könne, wobei aber die Pleneschreibung nicht geändert wird. Daß stch dergleichen Abweichungen gegen die später durch Niederschrift fixirte, jedoch auf Tradition begründete Mafforah finden, ist garnichts anderes wie das Vorkommen von Meinungsverschiedenheiten aufhalachischem Gebiete; und gerade hier ist es interessant wahrzunehmen, wie bei den Plene- resp. Defectivschreibungen, die halachisch wichtig sind, keine Abweichungen vom masorethischen Text Vorkommen. Man vergleiche rrvteföni (B. kama 108a) und 'di nuDu (Succoth 5 b.) Es bedarf also keiner weiteren Erklärung, wieso der Talmud in Angaben.über Plena und Defectiva von der angenom-

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