Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1894)
- Date
- 1894-11-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1722 mit welchem Jsak seine Söhne Jakob und Esau bedacht hatte, eitirt, kommt er zu dem Resultat, gegen welches die radikalsten Bibelkcitiker als armselige Stümper erscheinen und schreibt: «Die in Jakob gesegneten Juden, die den Herrn als den von den Propheten verkündeten Messias erkannt haben, vereint mit den Heiden, die sich zum Christenthum bekehrten, bildemdie heutigen Christen. Da wir es aber hier nur mit der Judenfrage zu thun haben, so wollen wir die Heiden, die begnadigt wurden, an dieser Verheißung Theil zu nehmen, nicht in Betracht ziehen. — Wir sind also die gesegneten Nachkommen Abrahams, Wir sind die Nachkommen Jakobs, dem Gott den Ehrennamen «Israel" verlieh, wie er ja einigen seiner AuSerwählten besondere Namen gab . . . Wir sind also die in Abraham, Isaak und Israel gesegneten Israeliten, die wir uns zum Unterschiede von den Nichtbekehrten, nach dem von uns erkannten Messias, «Christen" nennen; zum Unterschiede also von den Nachkommen Esaus, des Enterbten, die den Messias nicht erkannt haben, die deS Segens, der Erbschaft und der Gleichstellung verlustig gegangen sind . . Wenig erbaut werden die sogenannten Christen von folgender Expectoration des Herrn Barons sein: „Dieses Schauspiel christlicher Glaubenszersahrenheit, christlichen Hasses, das zur Belustigung der Juden alltäglich abgespielt wird, ist eS nicht ganz dazu angethan, uns ihre Verachtung zu erzwingen? Die Juden sagen sich: „ Leute, die an 1000 verschiedene, sich unter einander widersprechende und verhetzende Lehren glauben, mögen sie einen noch so hochklingenden, gemeinschaftlichen Namen führen, die glauben an gar nichts. Da sind wir Juden doch besser! Wir halten uns an Gottes Gebot im alten Testamente ... An was halten denn diese sich? An die christliche Lehre? Chr. hat weder die Sektirerei, noch das Verhetzen Kelehrt." — Können wir ihnen dieses Raisonnement verdenken? — Eines könnten unsere Herren Antisemiten von Herrn Arthur Maria Baron von Lüttwitz lerne«. Dieselben liegen sich in den Haaren, wegen ihrer Anerkennung und Nichtanerkennung der Bibel speciell des alten Testaments. Der Herr Baron hat das Problem gelöst, wie man auf dem Boden der Bibel stehen und ihr doch einen Blödsinn instnuiren kann, der diese Anerkennung schlimmer als die vollständigste Leugnung macht. Dieses Verfahren des Herrn Barons sollten sie einfach nachahmen, so lange es derselbe sich noch nicht patenttren ließ. Bremen, 21. Nov. Die zur Ansiedelung in Argentinien bestimmten russisch-jüdischen Auswanderer, gegen 300 an Zahl, trafen am vorigen Donnerstag per Extrazug von Ruhleben hier ein und wurden in den für sie bestimmten Auswanderer- Wirthschaften untergebracht. Von Stebau aus begleitete den Trupp der Agent des Norddeutschen Lloyd Herr Knie, welcher als Glaubensgenoffe für die rituelle Verpflegung der Emigranten in einer dieselben durchaus befriedigenden Weise auf ihrer Fahrt nach hier gesorgt hatte. Schreiber dieses hörte bei dem Besuche der Auswanderer in den Gasthäusern hierüber nur übereinstimmendes Lob. Die Leute haben einen Bnw bei sich, auch einen Lehrer und waren im Besitze einer rrnn -®d. Am Freitag begaben sich einige Männer nach Bremerhaven, um die Küche an Bord des Dampfers „H. H. Meier" herzustellen, und nach Sabbat-Ausgang fuhren die Emigranten, welche der Norddeutsche Lloyd mit ganz neuem Eßgeschirr v rsehen hatte, in einem Sonderzuge dorthin ab. Auch der hiesige Herr Reichs-Commissar hatte die Leute in den Gasthäusern besucht, um sich zu überzeugen, ob sie gut untergebracht seien. Die Auswanderer, unter denen sich viele kräftige junge Leute, aber auch Männer und Frauen in vorgerücktem Alter befanden, waren durchweg sehr hoffnungsvoll gestimmt und gehen im Vertrauen auf des Allqütigen Hülfe und mit dankbarem Herzen für Herrn Baron Hirsch ihrer Zukunft entgegen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie». In der Debatte über das Recruten- Contkngent führte Dr. Krouawetier Beschwerde über dte allzugroße Strenge bet den Einjährig- Fretwilligen-Prüfungen. So sollen bei dem 91. Infanterie-Regiment in Prag von 35 Freiwilligen, die sich zur Prüfung gemeldet hat en, 23 reprobiert worden sein, darunter alle Juden, die sich der Prüfung unterzogen; überhaupt soll unter den Juden die Zahl der Reprobierten auffallend groß sein. Wenn einer „Turteltaub" oder dergl. heiße, sage man, über einen solchen Namen werde in der Mannschaft gespottet und der Träger desselben tauge daher nicht zum Officier. Wenn ein Jude um Namensänderung etnkomme, verübelte man es ihm, wenn er es aber nicht thue und zufällig Flekeles heiße, müsse er ein zweites Jahr dienen und werde dann erst bei der Officiersprüfung geworfen. Die Juden werden zu den Soldaten genommen wie die Anderen, es werden von ihnen auch dieselben Dienste verlangt; man möge endlich die Leute ohne Rücksicht auf Confessio» und Nationalität behandeln. Der Kriegsmtnister wies diese Anschuldigungen zurück; die Kriegsverwaltung kenne keinen Unterschied in den verschiedenen Religionsbekenntnissen. Pesth, 9. November. (Das Gebet des orthodoxen Rabbiners.) Seit Wochen liegt der ehemalige Abgeordnete und Präsident der Debrecziner liberalen Partei Emerich Frater, der Kurator des Emelleker reformirten Kirchendistrikts, auf seiner Almosder Besitzung (Biharer Komitat) krank darnieder. Vorigen Samstag erschien nun — wie man uns auS Debreezin schreibt — der Rabbiner der Almosder israelitischen orthodoxen Gemeinde beim Kranken-