Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1894)
- Date
- 1894-11-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1721 hin schön erscheinendes Denkmal des wohlthätigen Sinnes seiner jüd. Bewohner reicher; für jeden fühlenden Menschen wird diese Suppenanstalt eine der prächtigsten Sehenswürdigkeiten der Mainstadt sein. ZeitrrugSrrachrichte« nud Gorrefporrderrzerr. Deutschland. Mainz. Es liegt uns eine größere Zahl Zeitungen vor, welche.tendenziös entstellte Einsendungen enthalten, die alle daraus berechnet sind, die öffentliche Meinung gegen das Schächten aufzuwiegeln. Wir haben bereits früher an dieser Stelle darauf hingewtesen, daß in Berlin ein von Thierschützern unterhaltenes Prcßbureau existirt, von welchem diese und ähnliche Kundgebungen in Millionen von Flugblättern, Zeitungsberichten ausgehen. An der Spitze derselben steht ein Herr Bertnger, der sich den Kampf gegen das Schächten als Lebensaufgabe gestellt hat. Die Anklagen, welche in diesen Zeitungsartikeln gegen das Schächten erhoben werden, sind die allbekannten, unzähligemale widerlegten Parade- Cttate der schächt- und judenfeindlichen Thierschützer. Wir finden in denselben auch nicht ein einziges neues Moment, das nicht z. B. schon in der Schrift Thier schütz und Menschentrutz von Dr. Ehrmann (Verlag I. Kauffniann'sche Buchhandlung. Frankfurt a. M.) glänzend abgefertigt worden wäre. Eine eingehende Widerlegung dieser Tiraden im „Jsraeiit" würde wenig Erfolg haben, da dessen Leser über die Grundlosigkeit aller dieser Angriffe genügend aufgeklärt sind. Dagegen wäre es Pflicht der Herren Rabbiner, Lehrer, Vorsteher und füglich jedes einzeln jüdischen Mannes, der sich die Confiquenzen dieser systematisch betriebenen Fälschung der öffentlichen Meinung klar macht, diesen tendenziösen Entstellungen sofort an Ort und Stelle in derselben Zeitung, in der sie erschienen sind, entgegenzutreten. Die oben genannte Broschüre und eine große Reihe anderer seither erschienenen Schriften und Gutachten der ersten Autoritäten von Fach, setzen jeden in den Stand die Nichtigkeit dieser Angaben darzuthun. — Da liegt uns z. B. die „Berliner Deutsche Fleischerzeitung," das amtliche Organ des deutschen Fleischerverbandes vor, welche einen Artikel der Halle'schen Zeitung „Zur Schächtfrage" reproduzirt, in dem es von Verdrehungen, Verdächtigungen und offenkundigen Unwahrheiten wimmelt. Wir wissen nicht ob von Halle oder Berlin eine Entgegnung bercits erfolgt ist. Jedenfalls fehlt es in beiden Städten nicht an Männern, welche sich dazu qualifictcen, falls diese Hetzereien bis jetzt nicht die verdiente Abfertigung sollten erfahren haben. Wir glauben, wenn z. B. das Preßbüreau „des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" sp.ciell diesem Treiben seine Aufmerksamkeit widmen wollte, daß dies ein viel dankbareres und weniger anfechtbares Unternehmen wäre, als die Gehässtgkeiten antisemitischer Hetzblätter auf ihre Strafbarkeit zu studiren. Ob Berichtigungen und Bestrafungen antisemitischer Zeitungsschreiber immer den erwünschten Erfolg haben, ist mindestens fraglich. Sachgemäße Aufklärung und ruhige Zurückweisung ungerechter Angriffe in neutralen und gar philosemitischen Zeitschriften ist dagegen das einzige, was unsererseits geschehen kann, um wenigstens die Besfergestnnten aufzuklären. Diese Pflicht sollte viel häufiger und nachdrücklicher erfüllt werden, als es bis jetzt geschieht. Berlin. Das allerneueste ist, daß wir Juden gar nicht die Juden sind, für die man uns seit einigen tausend Jährchen hielt. Die Juden sind Herr Arthur Maria Baron von Lüttwitz und seine Stammes- und Gesinnungsgenossen, wie uns dieser merkwürdige Herr in einer soeben von ihm erschienenen Broschüre mi'theilt, welche den Titel führt: „Wir sind die Juden." Wer dem häßlichen Judenhaß einmal eine lustige, Zwergfell erschütternde Seite abgewinnen will, dem sei die Lcctüre dieser Schrift empfohlen. Da aber der praktische Sinn der einstweilen noch sogenannten Juden sie abhalten wird, für diesen Blödsinn eine Reichsmark auszugeben, und die nun durch einen Federstrich sammt und sonders verjudeten Christen für diesen Beweis ihrer Berjudung auch nicht viel klingende Sympathien übrig haben werden, so mögen hier einige Kraftstellen folgen, damit wenigstens das Köstlichste dieses blühenden Unsinns nicht unserem Jahrhundert verloren gehe. Nachdem der Herr Baron die schwere Judennoth ganz nach den gewöhnlichen antisemitischen Mustern geschildert und die Juden für alles Böse in der Welt und auf dem Monde verantwortlich gemacht hat, fährt er fort: „Wir können die Judenfrage nur mit der Bibel in der Hand Har legen und lösen. Die Bibel ist, so zu sagen, daS von höherer Hand geschriebene Tagebuch der Juden, in dem allein wir finden können, was wir wiffen müffen, um das richtige Rezept komponieren zu können für diese Epidemie, die dar Vaterland, die alle Länder, wo Juden hinkommen, verwüstet. — In diesem Tagebuche habe ich mit Vorliebe Jahrelang geblättert, und ich habe etwas gefunden, was die Welt nicht weiß. — Ich bitte den gütigen Leser, mir mit Aufmerksamkeit und Geduld zu folgen ... es verlohnt die Mühe, denn eS gilt, die christliche Welt von einer tödtlichen Seuche zu befreien ..." Nachdem der bibelfeste Herr dann einige Sätze aus den Verheißungen Abrahams und dem Segen,