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Der Israelit · 1894-11-26 · Heft 92 (26.11.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 92 (26.11.1894)
Date
1894-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1723 bette Frater's und fragte diesen, ob er es gestatte, daß er für seine, Frater's, Genesung in der Synagoge Gebete verrichte. Auf die Bemerkung Frater's daß er doch wohl noch nicht so gefährlich krank sei, daß Bittgebete in Gotteshäusern nothwendig wären, bemerkte der Rabbi, die Gemeinde wollte hiedurch blos ihre Anhänglichkeit und Verehruug für den verdienten Kämpen des Liberalismus dokumentiren; Frater willigte ein, worauf der Rabbi sofort an dem Krankenbette ein hebräisches Gebet sprach und dann in der Synagoge die üblichen Gebete verrichtete. Interessant ist jedenfalls die von unserem Gewährsmanne hervorgehobene Thatsache, daß Frater's Zastand sich bereits wesentlich gebessert hat und daß der Kranke inzwischen auch bereits nach Debreczin befördert werden konnte, wo er sich nun langsam erholt. > Vermischtes. «$• A. F. Wieu, 30. Okt. Die „N. fr. Pr." brachte jüngst die Nachricht, daß der Präsident der französts. Akademie der Wissenschaften, Astronom Maurice Löwy, ein Wiener sei. Nun theilt ein Verwandter des neuen Präsidenten dem Blatte mit, daß Löwy nicht in Wien, sondern zu Bösing in Ungarn geboren ist, dort die israelitische Elementarschule besuchte und erst in seinem zwölften Lebensjahre mit seinen Eltern nach Wien übersiedelte, wo seine Verwandten noch heute wohnen. Fe u i l l e t o «. Estrrlra, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 45.) (Nachdruck verboten.) Wie er sich jetzt nach ihr sehnen möchte, der edle Dulder auf dem Throne Polens. „D, mein Kasimir, Kasimir," seufzte sie leise, niemand hörbar als sich selbst, „ertrage auch Du mein Freund, wie tch ertrage. Es hat nicht sein dürfen, nicht sein können, so himmlich schön es auch gewesen war. Aber auch Deinetwegen mußte ich entsagen, Kasimir. Ich wäre ein Hemmschuh geworden an Deinen Füßen und hätte Dich verhindert, den hohen Platz etnzunehmen, der Dir gebührt, Du ein König unter Königen, wie der Adler unter den Vögeln." Alles was Fürst Saphteja ihr dazumal gesagt hatte von jener schrecklichen Stunde, von der sie dachte, daß sie ihr die Krone Polens bringen sollte und die ihr statt dessen Elend und Jammer gebracht hatte: „der große Kasimir ist verloren, durch Dich Esther, die Du ihn liebst." kam ihr in Erinnerung. *1i Mein,^durch sie sollte er nicht verloren sein, durch^ste sollte er nicht zu Grunde gehen; er sollte frei werden von der Last und der Bürde ihrer Liebe, und sich wie ein königlicher Adler auf zu der Sonne seines Ruhmes und seines Glückes erheben. „Esther geht hinweg, mein Kasimir," flüsterte sie wiederum leise vor sich hin. „Sei glücklich, sei groß und wenn ich in der Ferne reden höre von Deinem Ruhme und Deinem Glanze, so werde ich zufrieden sein in dem Gedanken, daß ich um Deines Wohles willen all mein Glück dahin gegeben. Lebe wohl mein Kasimir, lebe wohl." Mit diesen Gedanken, die ihr immer wieder und wieder kehrten, waren sie viele Stunden weit dahin geschritten, und die finstre Nacht begann sich allmählich zu lichten. Eine leichte Röthe zeigte sich im Osten, die sich immer tiefer und tiefer färbte, und da, als der Morgen vollständig herauf zu dämmern begann, gelangten sie auch zu einer jüdischen Herberge, gerade so wie es Eltscha voraus berechnet hatte. In ihr, gedachte Elischa, würden sie den Tag verbringen, um dann mit Antritt der Nacht wieder weiter zu wandern bis gegen die Grenze hin. Die Schenke, eine elende schmutzige Bretterbude war schon geöffnet. Ein Lastwagen stand vor der Thüre, und ein Fuhrknecht saß im Innern derselben und verzehrte sein Frühstück, das aus Brot und Branntwein bestand. Der Wirth aber lag noch schlafend im Bette und nur eine einzige Magd war bereits von ihrem Lager aufgestanden und besorgte die Geschäfte des Hauses. Das war anders, als Elischa es gewünscht hatte. Er hatte gehofft, den Wirth sofort sprechen zu können, denn es war sein Plan, daß sich Esther sogleich in ihr Schlafgemach begeben möge, damit sie nicht nöthig hätte, die Wirthsstube zu betreten, denn es wäre immerhin gefährlich gewesen, da gelegentlich deS Krönungsaktes viel Volk in dem Saale vorhanden war, und leicht Jemand in der Schenke hätte sein können, der sie wieder erkannt hätte. So trug denn Elischa der Magd auf, den Wirth sofort zu wecken, da jene erklärte, sie könne selbstständig keines der Schlafzimmer an einen Gast vergeben. Lange blieb die Magd aus. Der Wirth war am Abend zuvor erst spät zu Bette gegangen und lag im tiefsten Schlafe, und es war der Magd kaum möglich, ihn zu erwecken. Elischa und Esther standen unten in dem feuchten, dumpfigen Hausflur und warteten. Es war bereits recht empfindlich kalt in der Frühe des Morgens und Esther, krank von Gram und Sehnsucht, ermattet durch den weiten anstrengenden Weg, vermochte kaum mehr sich aufrecht zu hallen, und ihre Kräfte begannen zu schwinden. Sie fing an

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