Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1894)
- Date
- 1894-11-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Z»as neue Heöäude der Suppenanstatt für israek. Arme in Frankfurt am Main. 8. Am ersten November wurde das neue Gebäude der Suppenanstalt für israelitische Arme in unserer Stadt eröffnet. Eine öffentliche Feier wurde nicht beliebt; wie dieses Institut segensreich in der Stille schon seit 14 Jahren wirkt, so sollte auch ohne feierliche Ansprachen und festlichen Pomp das neue Haus seiner Bestimmung übergeben werden; das Wirken dieser Anstalt ist die schönste Feier, die ihr ihren Glanz verleiht. Als vor 14 Jahren einige Wohlthäter das Bedürfniß erkannten, Armen kräftige Mittagskost unentgeltlich zu verabreichen, muhte man sich durch die Ermiethung einer Privatwobnung zu helfen suchen, dem Bedürfnitz zu genügen. Allein die Zahl der Wohlthatsuchenden wurde immer größer, so daß die bisherigen Räume nicht ausreichten, und man sich nach einer grötzern Lokalität umsehen mußte. Mehrten sich auch mit den steigenden Ansprüchen die Zahl der Wohlthäter, und hatte man auch eine hochstehende edle Dame dafür gewonnen, alljährlich den nicht unbedeutenden Unterschied zwischen Einnahmen und Ausgaben auszugleichen, so war man doch nicht in der Lage, dieser Anstalt ein eigenes Heim zu erbauen, und man mußte sich begnügen, einen Speicher zu ermiethen, der für die Zwecke der Anstalt hergertchtet wurde. Aber bei dem Andrang, es wurden den Winter über ungefähr 100 Personen durchschnittlich jeden Mittag gespeist, reichten auch diese Räume nicht aus, und da war es denn jene Dame, die in Gemeinschaft mit ihrem Gemahl, dem Vereine ein prächtiges 4stöckiges Haus mit daranstoßendem großen Garten schenkte. Der größere Theil des Gartens wurde als Bauplatz für den Neubau, für welchen ebenfalls die Mittel bereit gestellt wurden, verwendet, während die Jntraden des Wohnhauses mit dazu bettragen sollen, die Kosten der Speisung zu decken. Die Hochherzigkeit der oder des Spenders zeigt sich um so deutlicher, als sie die möglichste Geheimhaltung ihres Namens zur Bedingung gemacht und eine öffentliche Nennung ihres Namens streng untersagt haben. Das Haus macht von außen einen recht angenehmen und schönen Eindruck, bereitet uns abir nicht auf die Ucberraschung vor, die uns das Betreten seiner Räume bereitet. Nicht nur jede Hausfrau, die für dergleichen empfänglich ist, sondern jeden Mann wird der Anblick der riesigen Küche im Erdgeschoß in ein freudiges Erstaunen setzen. Die zwei/gewalttgen Kochherde in der Mitte des Raumes reichen aus eine mehrhundertköpstge Gesellschaft mit Mittagessen zu versorgen; alle Vortheile, welche die Neuzeit betreffs der Kücheneinrichtung erfunden, sind hier zur Geltung gebracht; so wird der Rauch des Herdfeuers durch unter dem Boden hinlaufende Kanäle abgeleitet, und von den Herden aus werden verschiedene Räumlichkeiten des Hauses: Spülküche, Waschkabinet u. s. w. mit warmem Wasser versorgt. Ein großer Wandschrank mit eisernen Thüren zieht hier unsere Aufmerksamkeit auf sich, es ist ein mit Gasheizung versehener rot? Ofen. Neben der Küche ist das Empfangsbureau, wo die Maaren der Lieferanten entgegengenommen, gewogen und gebucht werden. Da die Anstalt das ganze Jahr über auch Kranke in der Stadt mit Krankenkost versorgt, so ist auch hier ein Wartezimmer eingerichtet, in welchem abholenden Personen diese Kost vertheilt wird. Eine geräumige Speisekammer schließt sich an die Küche an. Der Küche gegenüber befindet sich die große Spülküche, eine Waschküche nebst Bügelzimmer, sowie ein großer besonderer Raum mit Marmortrog für 102-machen des Fleisches. Im ersten Stock befindet sich der große 300 Personen fassende Saal, in dem auf der einen Seite die Männer, auf der andern Seite die Frauen und im Mittelschiff die Kinder, die das größte Kontingent bilden, gespeist werden. Das Essen wird durch einen Aufzug aus der Küche in den Saal befördert, und durch eine Gaseinrichtung auf dem Büffet ist dafür Sorge getragen, daß während der Vertheilung oben die Speisen nicht erkalten. Ungefähr 6 bis 8 Damen, verheirathete und junge Mädchen, sorgen täglich für die Vertheilung der Speisen. Die Kost ist gesund und kräftig, und es ist eine Freute zu sehen, wie hier die Hungrigen gelabt und gesättigt weiden. An beiden Seiten des Saals befindet sich je ein Zimmer mit besonderm Eingang, die für verschämte Arme, eines für Männer und eines für Frauen bestimmt sind, welche die Wohlthat der Anstalt nicht unenlgeltlich genießen wollen, und so haben alle junge unbemittelte Leute, wie Studenten, Kausteute, Handarbeiterinnen Gelegenheit für 20 Pfg. eine kräftige Kost zu erhalten, jedoch dieselbe, die im Saale unentgeltlich verabreicht wird. Die Zimmer sind so gebaut, daß die Insassen vom Publikum im Saale nicht gesehen werden können, so daß keiner dort genirt ist. In den Saal führen zwei Eingänge ganz von einander gesondert, so daß bei den Aufgängen eine strenge Sonderung der Männer von den Frauen durchgeführt ist. Dem Saale gegenüber ist das An- und Auskleidezimmer der bedienenden Damen. — Im zweiten Stock befindet sich die Wohnung des Verwalters. Daß alles in streng ritueller Weise geführt wird, soll hier noch gesagt sein, obwohl es für den selbstverständlich ist, der die Frankfurter jüdischen Wohlthätigkeitseinrichtungen kennt. So ist Frankfurt um ein auch nach außen