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Der Israelit · 1894-11-22 · Heft 91 (22.11.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 91 (22.11.1894)
Date
1894-11-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1704 Nein, das war unmöglich; das wagte Elischa nicht zu hoffen, auch in seinen kühnsten Träumen nicht, und längst hatte er auch beschlossen, dieses Ziel nicht zu erstreben. Er dachte nur daran für sie, die so Schweres erduldet, eine Ruhestätte zu finden, in der sie in Frieden ihre Tage verbringen könnte. Wie aber sollte sich die Zukunft gestalten? Er wollte mit ihr in ein anderes fernes Land wandern. Er wollte ihr Diener werden und jeden ihrer Wünsche erfüllen, den er ihr nur von den Augen ablesen könnte. Er hatte einen Oheim, der ihn erzogen, und der wohnte in weiter Ferne, in Italien, wo golden und herrlich die Sonne scheint, und die Orangen blühen in so herrlicher Pracht, wie das Auge des Nordländers es nicht zu ahnen vermag. Dahin in dieses schöne, herrliche Land wollte er sie bringen. Dort wollte er ihr ein friedliches und behagliches Heim einrtchten und vielleicht, daß dann noch im Lause der Zeit- Wer konnte es wissen, des Weibes Herz ist weich, wie der Thon des Bildners, und die Gestalt, die ihm die Hand des geliebten Mannes giebt, die strahlt wieder. — Doch nein —, nein, er wollte nicht daran denken, keine Regung sollte in ihm aufkommen. Hätte er ahnen können, was die neben ihm schreitende Esther fühlte, er würde selbst für die ferne Zukunft keinerlei Hoffnung für sich mehr gehegt haben. So mag es den Kindern Israel zu Muthe gewesen sein, da Gott sie forttrieb aus ihrer Heimath in ein fernes, unbekanntes Land, aus der Freiheit in die Knechtschaft. Das Herz Esthers war in dem Königsschloffe zurückgeblieben, bet jenem edlen, großen herzigen Menschen, der auf dem Throne von Polen saß. Wohl war sie sich der Sträflichkeit ihrer Liebe bewußt, wohl war auch sie in ihrem Innersten überzeugt, daß für sie kein anderer Weg zu dem Könige führte, als der Abfall von dem heiligen Glauben, der ihr mehr galt, als Glück und Leben, daß kein anderer Pfad in Ehren vorhanden war, der sie dessen theilhaftig werden lassen konnte, wonach ihre Seele sich sehnte. Aber, wenn sie auch empfand, wie so sehr sündhaft solche Gefühle und Gedanken waren, dessen war sie überzeugt, daß sie von nun ab auch nicht einmal zum Scheine mehr jene schwere Sünde begehen würde, wie sie es dadurch gethan, daß sie vor allem Volke bekannt hatte, der Glaube König Kasimirs sei auch der ihre, statt den Namen Gottes zu heiligen. Ihr Herz hatte ausgerungen und sich überwunden. Waren es Sünden, was sie empfunden und was sie gethan hatte, so vollbrachte sie auch jetzt eine Buße, wie sie nicht härter und schwerer sein konnte. Freiwillig verließ sie alle die Herrlichkeit, die sich ihr in so reicher Fülle in dem Königsschlosse geboten hatte. Freiwillig verließ sie jenen edlen Menschen, den sie liebte; freiwillig zog sie fort in Kummer, Elend und Schmach, und hatte sie vorher, um sich zu retten, wenn auch nur einen Augenblick ihren wahren Glauben verläugnet, so war sie jetzt zu einer Märtyrerin geworden. ("Fortsetzung folgt.) Der « r a e I t t" erscheint wöchentlich zwei««!, Montag» and Donnerstag», jedermal in mindest«»» zwei Vogen. Preis de» Jahrgangfür Deutschland und Oesterreich IS Reich« Mark, für'« Ausland 1« Reichs-Mark. Man abeemirt ganzjährig. halbjährig »der vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de» Kuchhaudri M bestehe« de! E. /. K1et««ckrr, Lripstg, Doßptah IS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petttzeile oder deren »«um. — Ocsterretchische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fi. ästerr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an dir Expedition franco einzusrndrn. Et»e Nstttferrb»»» p»n «» die Redactio« ei«gcfa»dte« Mannscripte» findet nicht statt, «an bittet be»halb stch vo» alle« Einse»dnnge« eine Lopie zneÄSznbehatte«. Inhalt <Hanptblatt): Leitender Artikel: Die Wahrhaftigkeit und die Ethik des JudenthumS. Bon Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen r Deutschland: Frankfurt a. Main. Berlin. — Schweiz: Bern. — Rußland. — Griechenland: Syra. — Italien: Ferrara — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin v. Polen. Historische Erzählung v. Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Zum Jahrzeitstage eines bedeutenden Menschen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hannover. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Rußland: Petersburg. Krakau. — Briefkasten. — Räthsel. Inhalt der zweite« Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ung. Monarchie: Stampfen. — Palästina: Hebron. — Vermischtes. Verantwortliche Red actton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstrahe Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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