Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 91 (22.11.1894)
- Date
- 1894-11-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1701 Es sind ungefähr 80 Familien ausgewiesen worden. — Von den 6OO Juden, welche für Rechnung des Baron H!rsch nach Argentinien befördert werden sollen, ist die erste Partie (96 Männer und 381 Knaben, 77 Frauen und 41 Mädchen) per Dampfer „Curonia" von Libau nach Stettin abgefertigt. Dieselben sind sämmtlich aus dem Grodnoschen Gouvernement, und alle Emigranten sind genügend mit Geldmitteln versehen. Ein Theil der Emigranten hat Ackerbau betrieben, die anderen sind Handwerker. Da sie durchweg auf dem Lande gewohnt haben, ist ihnen allen die Landwirthschaft bekannt. — Griechenland. Syra, im Nov. Vor Kurzem hat der Dampfer „Bosforo" der „Navigazione Generale" unsere Insel verlassen, um mit 170 jüd. Auswanderern aus Rußland nach Genua zu gehen. Der Dampfer kam aus Odessa, wo die Auswanderer sich eingeschifft haben. Da dieselben wußten, daß sie den jüd. Neujahrstag auf hoher See verbringen werden, so hatten sie sich mit allem Nöthigen ausgerüstet, um ihre religiösen Obliegenheiten auch auf dem Schiffe nicht vernachlässigen zu müssen. Ein Schiffsmagazin wurde ihnen vom Capitän als Betsaal eingeräumt, dem einige Oellampen das nöthige Licht gaben. Nach den Gebetstunden wurden in dem Magazine mehrere Tische aufgestellt, an denen dann die Auswanderer gemeinsam ihre Mahlzeiten bereiteten. Anläßlich des hohen Festes hatten sogar die Kinder der Auswanderer ihre Feiertags' kleider angelegt, was einen sehr guten Eindruck machte. Italien. Ferrara. Die hiesige spaniolische (iidd imo) Synagoge, welche die älteste unserer Stadt ist und deren Hechal (Bundesladc) ein besonderes Stück Kunstarbeit genannt werden darf, benöthigte schon seit Langem einer Renovirung, nur fehlte es dazu an Geld, da die sephardische Gemeinde hier jetzt nicht mehr so zahlreich und so wohlhabend wie ehedem ist. Endlich entschloß sich eines ihrer Mitglieder, Herr Moise Fano, die Kosten der Reno virung gänzlich aus Eigenem zu bestreiten, und er ließ auch sogleich mit den nöthigen Arbeiten beginnen. Anläßlich der Wiedereröffnung dieses Gotteshauses, die vor den Feiertagen vor sich ging, fand daselbst ein kleiner *]irn (Einweihung) statt, der zu einem Feste für die dortige spaniolische Gemeinde ward. Die Thorarollen, die während der Renovirung in einem anderen Gotteshause untergebracht waren, wurden mit großer Feierlichkeit in ihr altes Heim zurückgebracht und daselbst vom Oberrabbiner und den Vorstandsmitgliedern empfangen. > Vermischtes. 4- Berlin. Der Vorstand des Hebräischen Litteratur- Vereins ..Mekize Nirdamim" (n’a'T’U mun> »crfenbct den Abschluß der Jahresrechnung für das neunte BereinSjahr (1893), welcher von drei Berliner Mitgliedern geprüft und für richtig befunden worden ist. Die Verspätung im Abschluß dieser Rechnung ist dem Umstande zuzuschreiben, daß der Vorstand noch immer hoffte, Mittel und Wege zu finden, die Vereinsschriften nach Rußland einzuführen. Leider ist dies nicht gelungen, wenn auch, wie anzunehmcn ist, die beiden Comite-Mitglieder in Petersburg die geeigneten Schritte nicht unterlaffen haben. Hierdurch aber wird dem Vorstand die Nothwendigkeit aufgedrängt, sich streng nach den vorhandenen Mitteln zu richten und nur soviel drucken zu laffen, als diese erlauben. Es wäre sehr zu wünschen, daß, nachdem mit dem gegenwärtigen zehnten Jahrgang eine neue Serie von Schriften beginnt, dem Vereine neue Mitglieder zugeführt und somit die Einnahmen sich steigern werden. In jedem Falle erscheinen im zehnten Jahrgange: i) Das Wörterbuch des Jona ibn Ganach, von Prof. W. Bacher, nach Handschriften in Rom u. Madrid. Ir. Lieferung. (Neueintretende Mitglieder können die erste Lieferung dieses Buches gratis erhalten). 2) Einleitung u. Register zum Machsor Vitry nebst einer Sammlung von Pimim, welche als znn Machsor Vitry gehörig bereits von Luzzatto erwähnt wurden, jetzt aber erst von Heinrich Brody im British-Museum aufgesunden worden sind. Diese Schrift wird ein selbstständiges Heft bilden, unabhängig von den bereits vorangegangenen fünf Lieferungen des Machsor Vitry. 3) Der Divan Jehuda-ha-Levi's, enthaltend sämmtliche Dichtungen desselben, unter Vergleichung mit Handschriften und seltenen Ritual-Ausgaben, in splendider Ausstattung, dieses elasstschen Werkes würdig, erste Lieferung. Es ist dem Vorstand gelungen, ohne die Vereinskaffe in Anspruch zu nehmen, Herrn H. Brody auf mehrere Wochen nach London u. Oxford zu entsenden, um durch denselben zuverlässige Abschriften von den Manuscripten zunehmen. Die kritische Bearbeitung erfolgt durch denselben, zugleich unter Mitwirkung namhafter Sachkenner. Es sollte ein Jeder, der das Verständnis, oder auch das Gefühl für die Dichtungen eines Jehuda Ha-Lewi sich bewahrt hat, dieses neue Unternehmen durch seinen Eintritt in den Verein unterstützen. Bei gesteigerter Theilnahme sind noch andere bedeutende Schriften für die Drucklegung in's Auge gefaßt;!t. A. eine nach Handschriften von Rabbiner Dr. Rosenthal in Breslau kritisch bearbeitete Ausgabe des 1&771 "0D des R. Tam, deren Notwendigkeit schon lange vielseitig anerkannt ist. Der Vorstand bittet um die schleunigste Einzahlung des Jahresbeitrages von zehn Mark u. zwar nicht an den Vorsitzenden Dr. A. Berliner, sondern an den Rendanten Julius Kalmus, Genthinerstr. 29, Berlin- Die Einnahme von 3562 Mk. wurden bis auf 2 Mk. verausgabt. Berlin. 5. Nov. Die Gesellschaft Itagine Reim ist am 4. Nov- 1804 gestiftet worden, konnte also am vorigen Sonntag auf eine neunzigjährige Wirksamkeit zum Heile der Bedürftigen zurückblicken Während der 50. der 75. und einige andere StiftungStage durch große Festmahle gefeiert worden waren, war es diesmal beliebt worden, von einem solchen abzusehen und nur in einer größeren Arbeitssitzung des Tages zu gedenken — entsprechend der geräuschlosen Thätigkeit des Vereins. Doch glaubten die statutenmäßig berufenen Organe dem Tage eine besondere Weihe dadurch verleihen zu sollen, daß sie den Vorsitzenden des Vorstandes, den als Wohlthater der Armen bekannten Herrn Moritz Mannheimer, zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannte. Die Auszeichnung ist um so größer, als der Verein, dem von seiner Gründung an stets die Mitglieder der hervorragendsten und angesehensten Familien der jüdischen Ge-