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Der Israelit · 1894-11-19 · Heft 90 (19.11.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 90 (19.11.1894)
Date
1894-11-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1691 verschiedenen Auswanderer -Wirthschaften untergebracht werden, werden sie mit ritueller Kost versehen. Wie es heißt, sollen 6—7000 russische Juden nach Argentinien durch den Norddeutschen Lloyd befördert werden. Magdeburg, 1. November. Am 29. Oktober fand die längst angekündigte General-Versammlung der „Ahawas Achim" statt. Die Versammlung war von circa 25 Theilnehmern aus Nah und Fern: Süddeutschland, Schlesien, Mecklenburg, Anhalt rc. besucht. Die Versammlung berührte die vorhergegangene Polemik der bisherigen Vorstandsmitglieder kaum; ihre Aufgabe bestand im Wesentlichen darin, daß die im Juli zu Breslau sehr flüchtig berathenen Statuten einer eingehenden Revision unterworfen wurden. Die Tendenz der Vereinigung und ihrer Aufgaben ist selbstredend in keinem Punkte geändert worden. Nach stattgehabter Revision der Rechnungen seitens der Herren Oberlehrer Schlesinger-Parchim, Oberkantor Senior-Halberstadt wurde von der Versammlung Decharge ertheilt. Die Wahl der Vorstandsmitglieder ergab folgendes Resultat: Als Ehrenpräsident wurde einstimmig und mit Begeisterung Herr Rabb in er Dr. Rahm er-Magdeb u r g gewählt. Zum ersten Vorsitzenden Herr H. Gelbart-Magdeburg; Stellvertreter: Herr Eich enbaum Kippenheim;Schriftführer: Wolff- Aschersleben; Rendant: Oberkantor Ehrltch- Opve ln; Beisitzer: Lehrer Goldschmidt- Que dlinburg. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Pest, 15. November. Ueber die Taufe des Baron Hermann Königswarter erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Universalerbe des Baron Moritz Königswarter, sein zweiter Sohn Hermann, gibt den Glauben seiner Väter auf und tritt mit seiner Familie zum Katholizismus über. Ein derartiger Glaubenswechsel gehört zu den Seltenheiten, und wie es scheint, hatte sein Vater bei Lebzeiten darunter viel zu leiden. Baron Hermann Königswarter war vor sechs Jahren als Einjahrig- Freiwilliger Husar in Großwardein in Garnison und verliebte sich daselbst in die entzückend schöne Tochter des Herrn von Vlasko witsch, einer der reichsten Großgrundbesitzer Ungarns. Das junge Mädchen fand auch an dem schönen Husaren Gefallen, der auf seinem feurigen Rappen vor ihren Fenstern ritt, und auf Bällen und Soireen schloß sich rasch der Bund der Herzen. Die Vereinigung für das Leben, von dem jungen Paare sehnsüchtig erstrebt, stieß jedoch auf Schwierigkeiten, welche unüberwindlich schienen. Die Ellern der betheiligten Parteien hatten zwar gegen die Wahl ihrer Kinder nichts einzuwenden; aber Baron Moritz Königswarter drohte seinem Sohne mit Enterbung und väterlichen Fluche, falls jener daran denken werde, sein Braut auf dem Wege der Taufe zu erringen, und die Familie Blaskowitsch wollte wieder die schöne Melanie verstoßen, wenn sie ihrem Erwählten in die Synagoge folge. Die Macht der Liebe und der Einfluß der Millionen trugen aber den Steg davon. Die Familie Blaskowitsch gab nach, die Glaubenstreue des alten Baron Königswarter errang einen Erfolg : Fraulein Melanie ging täglich tief verschleiert zum Oberrabbiner von Großwardein und ließ sich in die Gebräuche und Gebete des Judenthums einweihen. Vom Rabbiner eilte die junge Dame regelmäßig in die Kirche, warf sich vor dem Altar der Mutter des Stifters d. chr. Religion auf die Knie und betete lange. Eines Morgens lag Melanie von Blaskowitsch wieder vor dem Bilde mit gefalteten Händen und thränenüberströmten Antlitzes; mehrermahle erhob sie sich und kniete rasch wieder nieder und betete von neuem. Sie schien sich nicht trennen zu können von der ihr heiligen Stätte. Endlich ermannte sich die Beterin, verließ die Kirche, an der Thür noch einen langen Scheideblick zurückwerfend, bestieg den draußen harrenden Wagen und fuhr — zur Synagoge, wo der Rabbiner im festlichen Talare und die Vornehmsten der jüdischen Gemeinde ihrer harrten: Melanie von Blaskowitsch wurde Jüdin. Bald darauf fand die Vermählung statt. Der Glaubenswechsel der jungen ungarischen Aristokratin hatte in der hohen Gesellschaft nicht geringes Aufsehen erregt; der klerikale Theil der Magnatenfamilien boykottirte förmlich ihre ehemaligen Freunde, die Blaskowitze und der berühmte Name verschwand gemach von Turf und Salon. Der Schwiegerpapa erkannte das Opfer seiner Schwiegertochter in dessen voller Bedeutung an und war bemüht, ihr dasselbe mit Thaten inniger Liebe zu lohnen; er gab, ob auch mit schwerem Herzen, seine Einwilligung, daß sich sein Lteblingssohn im Wtharer Comitat ankaufe und anstedle, und er selbst kam, trotz seiner Reiseunlust und physischen Schwerfälligkeit, möglichst häufig auf das Gut der Kinder, der jungen Frau stets die kostbarsten Geschenke mttbringend. Und als gar ein kleiner Hermann in der Wiege strampelte, da war Großpapa in voller Seligkeit; er spielte ganze Tage mit dem pausbackischen Bübchen und hielt es in Wien kaum mehr vor Sehnsucht nach dem Enkel aus. Was ihm nur sehr weh that, war die vollständig ungarische Erziehung des Jungen, mit dem er sogar nicht plaudern, dessen sich regenden Verstand, dessen ganze Ktnderweisheit er nicht genießen konnte; und

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