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Der Israelit · 1894-11-19 · Heft 90 (19.11.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 90 (19.11.1894)
Date
1894-11-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1687 nern, die selbst so erregt waren durch die Worte, die da gesprochen wurden, war Eltscha nicht beachtet worden. Er stand dicht bei Jehoschua und Esther, als der Brand erfolgte und die Flamme hoch empor schlug. Esther, von dem Rauch geblendet und fast erstickt, war ihm halb ohnmächtig in die Arme gesunken. er hatte sie an sich gerissen und hatte sie durch dieselbe Thüre, durch die er vorher den Knaben hatte schleichen sehen, der den Funken an die Brandmasse gelegt, davon getragen, und wie von Furien gehetzt, war er die Stufen des Schlosses hinab geeilt und hatte bereits das Freie erreicht, ehe man im Innern wußte, was vorgegangen war. Als der König den Befehl erlassen hatte, daß Niemand aus dem Schlosse dürfe, wer es auch sei, war Elischa schon längst im Freien, und hatte sich mit seiner Beute in einem der Häuser der Juden verborgen, dessen Besitzer mit ihm befreundet war. Hier Lebte Esther die nächsten Tage abgeschlossen von aller Welt, während der König immer wieder und wieder darüber nachdachte, wie es denn möglich gewesen sei, daß sie so ganz spurlos verschwunden, daß gar kein Rest von ihr zurückgeblieben wäre. Wieder und wieder ließ der König den Krönungssaal untersuchen. Die Leiche Rabbi Jehoschua'swar bestattet worden; da man gesehen hatte, daß auch die Leiche des Greises kaum von der Flamme versehrt war. die nur einen Moment hoch empor gelodert, und dann sofort wieder erloschen war, einen dichten Rauch verbreitend, als man gesehen, daß Rabbi Jehoschua hierdurch unmöglich das Leben verloren haben konnte, da mußten alle seine Diener mit der Ansicht des Königs übereinstimmen, daß auch Esther nicht in dem Feuer umgekommen wäre, sondern daß sie von irgend Jemanden auf unbegreifliche Weise hin.reg gebracht worden sei. Es war natürlich, daß Jeder diejenigen in Verdacht hatte, die jene meuschlerische und feige Verschwörung angezettelt hatten. Der noch übrig gebliebene kleine Theil des Schlosses des Pan von Wola wurde von dem obersten Kammerchen bis in das tiefste Burgverließ untersucht, aber keine Spur von Esther konnte entdeckt werden. Auch das an dasselbe anstoßende Kloster, in welchem Pater Franziskus gehaust, wurde wieder und wieder durchsucht und dem alten Abt des Klosters wurde nicht geglaubt, daß Esther sich nicht in demselben befinde; doch auch hier konnte keine Spur von ihr entdeckt werden. Da ließ der König nochmals Boten umhersenden in seinem weiten Reiche und ließ einen hohen Preis aussetzen für Jeden, der ihm Nachricht gäbe von seinem Weibe. Die ungebildete Volksmenge und die Mönche aber lachten darüber, denn sie waren überzeugt, daß von der Hölle herauf keine Nachricht gelangen könnte, selbst wenn der König es verlangte und nichts konnte sie in dem Glauben beirren, daß der Teufel selbst es gewesen, der die Jüdin zu sich geholt.- Als Elischa mit Esther in das Haus des Juden gekommen war, da war es zuerst seine Absicht gewesen, die härteste Strafe an der Abtrünnigen zu vollziehen, Als er sie mit ihrem lieblichen Angesicht in ihrer noch fast kindlichen Unschuld vor sich sah, als sie ihm wieder und wieder betheuerte, daß sie unschuldig sei, daß sie niemals ihren Glaub n verleugnete, und daß Alles nur Schein gewesen, da beschloß Eltscha sie auf die Probe zu stellen. „Nun, wohlan denn," sagte er zu ihr, „ein Jeder spricht davon, wie sehr der König feinen Verlust bedauert, so will ich Dich zurück bringen zum König Kasimir, und Du magst wieder Königin werden, und mich wird er reich belohnen." „Nein, nein" rief Esther, „lieber tödte mich, Elischa, ehe Du das thust. Es ist wahr, ich liebe den König, ich liebe ihn mit jeder Faser meines Herzens, aber eben darum, weil ich ihn so sehr liebe, darf ich niemals zu ihm zurücktehren. „Ich habe eS etngeiehen, daß es auch für einen mächtigen König, wie Kasimir es ist, Grenzen gibt, über die seine Macht nicht hinausretcht. daß er nicht im Stande ist, der fanatischen Wuth des Volkes sich zu widersetzen. Niemals will ich es verschulden, daß er sich um meinetwillen so großem Leid und Gefahren aussetzt, und meinst Du denn, Elischa, daß ich es vergessen könnte, daß zwischen ihm und mir die Gestalt meines Vaters steht, der gestorben ist aus Schmerz über mich, wenn ich auch unschuldig war, wenn er sich auch im Jrrthum befand. O laß mich sterben, Eltscha, weiter verlange ich nichts, es ist das Einzige, wonach ich mich sehne." Als nun Elischa wieder und wieder mit ihr redete und sie stets fest blieb, da glaubte er selbst, daß sie nicht jenes Verbrechen begangen, dessen er sie beschuldigte und nach und nach begann die alte Liebe für sie wieder in seinem Herzen zu erwachen. Sie aber wies ihn kalt zurück; ihre Seele war ganz bet Kasimir. Tag um Tag flössen ihre Thränen und immer mehr zerfiel sie. Aber auch Eltscha war durch all das, was er erlebt, in seinem Innern ruhiger geworden, und ihm selbst erschien es jetzt als eine ungeheuere Verblendung, wenn er.damals^gemeint, gleich..einem

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