Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 90 (19.11.1894)
- Date
- 1894-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1686 > Vermischtes. «3- Burgpreppach» 80. Oft- Von verschiedenen Seiten bin ich über einen Herrn fortgesetzt befragt, der vorgibt Albin Schwarz zu heißen, in München geboren, mit Herrn Rabbiner Dr. Breuer in Frankfurt a. M-, Herrn Rektor Dr. Schwarz in Wien, und mit mir nahe verwandt zu sein. Derselbe simuliert Epilepsie und erschwindelt in den Gemeinden viel Geld. Ich bitte Sie vor diesem Lügner alsbald zu warnen. Rabbiner Dr. Deutsch. Rotterdam. Vergangenen Sonntag feierten Herr und Frau Simon van den Berg van der Wielen das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Sowohl in der Synagoge wie im Haufe fanden große Feierlichkeiten statt. America. In Rewark, N. I, starb Rabbi Jsac Schwartz, einer der bekanntesten und geachtelten Israeliten New-Bersey8. In Bayren, im Jahre 1817 geboren, kam er als junger Mann nach America und hat 48 Jahre in Newark zugebracht. Er war der Gründer zweier jetzt blühender jüdischer Vereine, sowie mehrerer geselliger und wohlthätiger Gesellschaften in jener Stadt. Rev. Osias Hochglück. Gibraltar, 16. October. Im Alter von 83 Jahren ist Herr Jomtob Bergel, welcher seit 30 Jahren der hiesigen jüdischen Gemeinde als Präsident Vorstand, gestorben. Der verdienstvolle Mann, welcher auch zahlreiche communale Aemter bekleidete, zählte zu den angesehensten Bürgern unserer Stadt. Die Beerdigung, zu welcher die Spitzen der Behörden, die Geistlichkeit, die Officiere der Garnison erschienen, gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der Liebe und Verehrung. Kerrilleton. Esterka. Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 43.) (Nachdruck verboten.) In stummem Brüten saß der König Stundenlang, unbekümmert um Alles, was sich in seiner Umgebung zutrug; nur zeitweilig bewegten sich leise feine Lippen und er flüsterte: „Esther, meine Esther, wohin btst Du mir entschwunden?" Endlich aber raffte er sich empor. Wenn sie nicht in der Flamme umgekommen, und das war fast mit Bestimmtheit anzunehmen, da man ketnerlei Ueberreste von ihr gefunden, wenn sie vielleicht von irgend einem ihrer Feinde gefangen gehalten würde, so wollte er Himmel und Erde in Bewegung setzen, um die Geliebte seines Herzens zurück zu erhalten. Jedes Schloß sollte durchsucht, jedes Gefänaniß im ganzen Lande durchforscht werden, in alle Städte, Dörfer und Schlösser sollten die Boten gehen. Sein Lebensziel sollte es von nun ab fein, die Verlorene zurück zu gewinnen, kein Mittel, keine Mühe sollte gescheut werden. Der König selbst wollte dte Nachforschungen leiten und so gewann allmählich wieder die Hoffnung in ihm Raum, daß er Esther wieder finden werde. Elischa war es, der, wie wir wissen, bis an das Lager Rabbi Jehoschua's vorgedrungen war und ihm gesagt hatte, daß seine einzige Tochter abgefallen sei vom Glauben Israels. Der alte schwerkranke Mann war in furchtbare Erregung durch die Worte Elischa's gerathen und hatte ihm nicht geglaubt. Verme nte er doch sein Kind zu gut zu kennen, als daß er dergleichen für möglich gehalten hätte. Nein, nein, es mußte Unwahrheit sein. Seine Esther, die er erzogen nach dem Herzen Gottes, die so treu dem Glauben ihrer Väter anhing, die während der Reise, die sie gemeinsam gemacht, so viele Entbehrungen freudig ertragen hatte, ohne Gottes Gebote zu verletzen, sie sollte von Ehrgeiz oder sträflicher Liebe verblendet sich so wett vergessen haben, daß sie den einzigen Gott verleugnete! Niemals! Das war unmöglich! Als nun Rabbi Jehoschua bei seiner Meinung beharrte, und es Elischa auf keine Weise gelang, ihn zu überzeugen, daß er die Wahrheit geredet, da hieß er ihn sich erheben und ankleiden und mit ihm in den Festsaal des Schlosses gehen, wo man soeben dte Krönung seiner Tochter feiere. Elischa fragte ihn noch, ob er denn thöricht genug sei, zu meinen, daß Esther Königin von Polen geworden wäre, wenn sie dem Gotte Israels treu geblieben, und wenn er das meine, so möge er nur hören auf das. was gesprochen würde. Es würde wohl schon erwähnt werden, daß Esther keine Jüdin mehr sei, sondern abgefallen wäre von dem Gotte Israels. Da hatte der alte Mann keinen Augenblick gezögert, so schwach und krank er sich fühlte, war er aufgesprungen von seinem Lager. Mit zitternder Hand hatte er sich mit Hilfe Elischa's angekleidet, und so waren sie gemeinsam in den Krönungssaal gekommen. Aber noch immer glaubte Rabbi Jehoschua, daß Elischa nicht die Wahrheit gesprochen habe, noch immer vertraute er fest auf das Herz"8 und die Treue seines Kindes und die Worte aus fremdem Munde, die er gehört, konnten ihn nicht davon überzeugen, daß seine einzige Tochter so Schlechtes begangen habe. Erst, als er aus dem eignen Munde Esthers jene Worte gehört, daß der Gott Kasimirs auch ihr Gott sei und daß sie denselben Glauben habe, wie der König, erst da war er überzeugt worden, daß Esther verloren sei für diese und jene Welt. Da war er besinnungslosMor Schmerz. und Zorn zu seiner Tochter hingestürzt, um sie Mit sich fortzuretßen, und Elischa war ihm auf dem Fuße gefolgt. In der Versammlung, dte nur Augen hatte für das Schauspiel, das sich zwischen dem alten Manne und Esther abspielte, unter allen den Män-