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Der Israelit · 1894-11-19 · Heft 90 (19.11.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 90 (19.11.1894)
Date
1894-11-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1683 bibliothek für jüdische Zeitungen und Literatur vereinigte. Diesem Mangel abzuhelfen, einigten sich die hiesigen jüd. Vereine, der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur, die jüdische Hamanitätsgesellschaft und der Verein „jung Israel." Namens einer von diesen drei Vereinen gebildeten provisorischen Commission berief vor wenigen Tagen Herr Bambus eine Versammlung in Caffels Hotel, um ein neues Institut zu gründen, das die obigen Zwecke erfüllen soll. Nachdem das Präsidium dieser Versammlung durch Wahl aus den Herren Dr. Karpeles, Dr. Oppenheimer, Dr. Löwe gebildet worden war, entwickelte Herr Bambus als Referent die Geschichte der Bestrebungen in Berlin, die auf die Gründung einer jüdischen Lesehalle abzielten, und hob besonders hervor, mit welcher Opferfreudigkeit und welchem Eifer vor 2 Jabren Herr Julius Jsaac einen wenn auch leider mißglückten Versuch gemacht hatte, das Bedürfniß zu befriedigen. Nachdem die Versammlung aus Vorschlag des Herrn Dr. Hildesheimer Herrn Julius Jsaac ihren Dank ausgesprochen hatte, ging der Referent zu den Zielen über, die derneue Verein „jüdische Lesehalle", dessen Bestehen durch den Beitritt der obengenannten Vereine gesichert sei, verfolgen werde. Man wolle in erster Linie eine Lesehalle schaffen, in der die jüdischen Zeitungen den weitesten Kreisen zugängig sein würden und wohin jedermann kommen und lesen dürfe. Damit soll eine Bibliothek verbunden werden, mit besonderer Berücksichtigung der belletristischen jüdischen Literatur, und man wird sich die größte Mühe geben, diese Werke in die jüdischen Familien zu bringen. Auch für die Benutzung dieser Bibliothek soll die größte Erleichterung geschaffen werden, die sich mit einem geordneten Betrieb vereinigen läßt. Endlich ist als Ziel in das Auge gefaßt die Errichtung eines Auskunftsbureaus in der Lesehalle, bei dem die jüdischen jungen Leute, die aus der Provinz nach Berlin kommen, über alle Dinge sich Informationen holen können. Diese Einrichtung wird sich, wenn die Mittel vorhanden find, zu einem völligen, jüdischen Jünglingsheim auswachsen. In einer lebhaften Debatte, an der die Herren Dr. Karpeles, Dr. Hildesheimer, D. Wolf, L. Bergel, Spiewkowsky und andere Teilnehmer, fanden die Ziele des neuen Vereines fast allsetttge Billigung, und die anwesenden Vertreter der Bnet- Brtth-Logen erklärten, daß auch diese sich korporativ betheiligen werde. Besonders der Gedanke eines Jünglingsheims fand allgemeinen Beifall. Als Namen des neuen Vereins wurde einstimmig „Jüdische Lesehalle" festgesetzt und als Ziel der Bestrebungen wurde vorbehaltlich redaktioneller Aenderungen § 2 angenommen. Der Verein bezweckt: Die Errichtung einer jüdischen Lesehalle und Bibliothek, in der die jüdische Literatur, insbesondere auch die periodische, den weitesten Kreisen zugänglich gemacht werden soll, und die Schöpfung eines jüdischen Jünglingshetms anzustreben. Die weitere Berathung der Statuten wurde alsdann einer Commission übertragen und ein Vorstand aus 7 Mitgliedern gewählt und zwar die Herren Prof. M. Philippson erster und Julius Jsaac zweiter Vorsitzender, W. Bambus und A. L. Morkin erster und zweiter Schriftführer, M. Hey mann Schatzmeister, Dr. G. Ginsberg und D. Wolf Beisitzer. Der Vorstand wird es sich angelegen sein lasten, Lesehalle und Bibliothek baldigst zu eröffnen und darf auf eine rege Anspruchnahme der neuen Einrichtung rechnen. Hamburg, 14. November, rva v« nj? nnwDn m bt* mbn tos. Festlichkeiten und Trauerfälle y-) sind Ereignisse, die in einer großen Stadt nach den Gesetzen der Statistik fast täglich wechseln, ohne das allgemeine Interesse in Anspruch zu nehmen, wenngleich das eine wie das andere kleinere oder größere Kreise um sich versammelt, die bei diesen ihre Theilnahme bekunden, bei jenem ihre Glückwünsche darbringen. Nur wenn es Personen betrifft, die durch hervorragende Thätigkeit und Verdienste an und für sich allgemein interesfiren, dann darf auch die Außenwelt von ihnen erfahren. Wir haben heute einen Mann zu Grabe getragen, der weit über Hamburg hinaus, durch seine Frömmigkeit, Wohlthätigkeit und seine Bildung einen ihm voll gebührenden Ruf genoffen hat. Herr M. S. Ehrlich r\obv nvv n"-nno, welcher etwa vor zehn Jahren mit seiner Gattin von Kopenhagen nach hier überfiedelte, ist in seinem 72. Lebensjahre nach kurzer Unpäßlichkeit einem Schlagflusse plötzlich erlegen. Geboren in Uhlfeld, woselbst sein Vater, ein bedeutender Talmudist, sich durch seinen Kampf gegen die Umsturz-Bestrebungen des Dr. Löwy in Fürth ein großes Verdienst erwarb, kam er als junger Mann hierher und trat in das Bankgeschäft des Herrn Marburg ein. Von hier ging er nach Frankfurt und gründete später in Kopenhagen ein noch jetzt bestehendes Hopfen-Geschäft. Dort verheiratete er sich auch und lebte als strenger hi,t; die Zeit, die er vom Geschäft erübrigte, theilte er zwischen den Beschäftigungen mit nun und profanem Wissen. Vor etwa 12 Jahren zog rr hierher. Er war mit einem Worte ein hochfeiner und durchaus nobler Charakter. Bescheiden in seinem Auftreten hatte er stets ein warmes Herz und eine offene Hand für alles Gute. Sein Wohlthun war unbegrenzt, kein Hilfesuchender ging unbefriedigt von ihm und besonders erfüllte er dabei

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