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Der Israelit · 1894-11-19 · Heft 90 (19.11.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 90 (19.11.1894)
Date
1894-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1682 nennen, die ihren Nebenmenschen verleumden, '.die, um ihn zu verderben, im Namen des Herrn falsch schwören; (Das. K. 48 V. 7.) Priester, die das Gotteshaus täglich aufsuchen, sich gerecht und unschuldig stellen, sich kasteien und fasten, Demuth und Bescheidenheit heucheln, in Wahrheit aber eigennützige Zwecke verfolgen, das Volk verhetzen, Zank und Streit und Hader stiften, Unrecht und Gewaltthat üben, den Schwachen bedrücken, den Hilflosen bedrängen, den Wehrlosen verfolgen. Kann das Gott wohlgefällig sein? (Das. 58.) (Sind das nicht die „Priester" unter den Antisemiten? Hören wir weiter, wie sie der Prophet so treffend charakterisirt.) ES stehet greulich und scheußlich im Lande. Die Propheten lehren falsch, und die Priester sind gewaltthätig, und das Volk hält es so für gut. Was für Ende ist darob zu erwarten?! Klein und groß jagt nach Gewinn, Priester und Propheten lehren falschen Gottesdienst, sie führm den Frieden im Munde und stiften Unfrieden; sie mögen sich schämen ob solcher Greuelthaten. aber sie sind schamlos, haben kein Erröthen. Darum sollen sie fallen, wenn Ich sie heimsuchen werde, und schmählich straucheln, spricht der Herr. So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Verlaffet Euch nicht auf ihre Lügen, wenn sie Euch sagen: Hier ist des Herrn Tempel. Sondern beffert Euern Wandel und Euere Thaten, daß Ihr Recht übet Einer gegen den Andern, den Fremdlingen, Waisen und Wittwen keine Gewalt thuet und nicht unschuldig Blut vergießet und folget nicht fremden Göttern (falschen Lehren) zu Euerem eigenen Schaden und Unheil. Wie könnt Ihr nur sprechen: Wir wissen was Reckt ist. wir haben die heilige Schrift vor uns? Ist es dock eitel Lüae, was die Schriftgelehrten setzen. Darum müssen solche Weisen zu Schanden ergriffen und erschreckt werden; denn was können die Gutes lehren, wenn sie des Herrn Wort verwerfen? (Jeremias K. 5, K. 6. 7, 8.) Es ist kein Wunder, wenn ob solcher Volksverleitung und ob solcher Zerrüttung jeder Vernünftige und Billigdenkende allen Muth verliert, an die Zukunft verzweifelt, sich trauernd vom öffentlichen Leben in die Einsamkeit zurückzieht (wie dies auch heutzutage vielfach der Fall ist), pessimistisch wird und Mißtrauen hegt gegen seine Stammesgenossen, gegen die Brüder seiner Nation, seines eigenen Volkes. Ach, daß ich eine Herberge hätte in der Wüste; so wollte ich mein Volk verlassen, und von ihnen wegziehen; denn sie sind eitel Verbrecher, eine Rotte von Treulosen. Sie schießen mit ihren Zungen eitel Lügen und keine Wahrheit, treiben Gewalt im Lande, gehen von einer Bosheit zur andern, und achten mich nicht, spricht der Herr. Ein Jeglicher büte sich vor seinem Freunde und traue auch seinem Bruder nicht; denn ein Bruder unterdrückt den andern und jeder Freund verleumdet den andern. Ein Freund täuscht den andern und redet kein wahres Wort; sie üben ihre Zungen in lügenhaften Worten, und es ist ihnen leid, daß sie es nicht ärger machen können. Es herrscht allgemein Betrug unter ihnen, und voll des Truges wollen sie mich nicht kennen, spricht der Herr. Ihre falschen Zungen sind mörderische Pfeile,- mit dem Munde reden sie freundlich mit dem Nächsten, aber im Herzen legen sie ihm Fallen. Sollte ich nun solches nicht heimsuchen an ihnen, spricht der Herr, sollte ich nicht Rache nehmen an einem Volke wie dieses? So spricht der Herr: Es rühme sich nicht der Weise seiner Weisheit, nicht der Starke seiner Stärke, nicht der Reiche seines Retchthums; sondern wer sich rühmen will, der rühme sich deß. daß er mich begreifet, mich kennt, daß Ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn an solchem finde ich Wohlgefallen, spricht der Herr. (Das. Kap. 9.) Das alles wissen die falschen Priester sehr wohl, aber diese Hirten hören dennoch nicht auf, den Weinberg des Herrn zu verheeren und Seinen Acker zu zertreten; sie machen ihn zur Einöde, zur Wüstenei (Das. K. 12, 10.) Die falschen Propheten sind wie die reißenden Löwen, sie reißen an sich die Seelen, sie reißen an sich Gut und Vermögen der Verlassenen und Schwachen, verkehren frevelhaft das Gesetz Gottes, entweihen Seine Heiltgthümer, und machen zwischen dem Erlaubten und Unerlaubten keinen Unterschied. Und was thut nun das Volk?! Es übet Gewalt im Lande, raubt getrost und schindet die unschuldigen Armen und thun den Fremdlingen Gewalt und Unrecht. Wohl sucht man unter ihnen, ob Jemand dem Einhalt gebieten und in den Riß sich stellen würde, der für sein Land einstehen und es vor Verderben bewahren möchte, aber es findet sich keiner. (Jecheskel 22.) Wie in der Bibel, so wird auch im Talmud strengste Gewissenhaftigkeit und Wahrhaftigkeit von den Organen der Staatsgewalt gefordert und soll hiervon im nächsten Kapitel s. G. w. die Rede sein. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfporrderrzen. Deutschland. Berlin, 15. November. Schon seit längerer Zeit ist hier in den Kreisen, die sich noch für jüdische Dinge interessiren, ein Institut vermißt worden, das die Einrichtungen einer Lesehalle und Volks-

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