Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 90 (19.11.1894)
- Date
- 1894-11-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. M 00 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe ZudentHum. Begründet von - Dr. Lehmann in Wtain$. Montag, den 19. Nov emb er SS5S (1894). Leitender Artikel. Die Wahrhaftigkeit und die Ethik des Jildenthums. Von Rabb. Heinrich Galnndauer in Soborten (Böhmen). IX. Auch Salomoh hält den Bestand eines Staates von der Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit seines Herrschers abhängig, während ein gewissenloser Fürst den Rain seines Landes bewirkt (Sprüche 29. 9.) Neigt der Herrscher sein Ohr lügenhaften Worten, so ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß auch seine Diener gottlos sind; ein König aber, der die Armen mit Wahrhaftigkeit richtet, deß Thron wird ewiglich Bestand haben (Das. V. 12. 14,). Wie von den Herrschern Rechtschaffenheit und Wahrhaftigkeit verlangt wird, so wird auch von den Richtern und Beamten die strengste Objektivität und Redlichkeit gefordert. „Beuge nicht das Recht, hüte dich vor Bestechung, sei gerecht gegen die, welche hilflos ohne Annehmer, ohne Stütze allein und verlassen in der Welt dastehen, gegen Fremdlinge, Waisen und Witwen, gegen Sklaven, Arme und Dürftige (Exodus Kap. 23.) Die Richter und Vorgesetzten sollen das Volk nach Gerechtigkeit richten, kein Ansehen achten, und ganz so thnn, wie es das Gesetz fordert, ohne davon abzuweichen rechts oder links (Deutronom. K. 16 u. 17.) Wie flammt der gottbegnadete Jesaias in heiliger Entrüstung auf, wenn er die Unwahrhaftigkeit und Bestechlichkeit der Richter geißelt, wie Schwerthiebe sausen seine Strafreden auf die ungerechten Machthaber nieder! Deine Fürsten sind Abtrünnige, Diebesgesellen, sie nehmen alle gerne Geschenke, streben nach Gewinn, dem Waisen schaffen sie nicht Recht und der Wittwen Streitsache kommt nicht vor sie. Darum spricht der Herr Zebaoth, der Mächtige Israels: O wehet Ich werde mich kühlen durch meine Widersacher, und mich rächen durch meine Feinde, Ich muß meine Hand wider Dich kehren, und Dich läutern von Schlacken, und alles Unedle von Dir wegschaffen, und Dir wieder Richter geben wie zuvor und Rathsherrn wie ehedem. Alsdann wirst Du eine Stadt der Gerechtigkeit, eine Residenz der Wahrhaftigkeit genannt werden. Zion muß durch Recht erlöst werden und ihre Gefangene durch Gerechtigkeit. (Jesaias 1.) Wehe denen, die Bestechung nehmen und den Schuldigen freisprechen, und das Recht der Gerechten von ihnen wenden. Darum wie des Feuers Flamme Stroh verzehret und die Lohe Stoppeln htnnimmt, also wird ihre Wurzel verfaulen und ihre Sprossen auffahren wie Staub, denn sie verachten oas Gesetz des Herrn Zebaoth und lästern die Worte des heiligen Israels (Das. K. 5, 23 24.) Noch schlimmer ist es aber wenn das Unrecht und die Gewalt zum Gesetz erhoben werden und so jede Willkür den Schein der Gesetzlichkeit erhält. (Stehe Rußland.) Wehe denen, die ungerechte Gesetze aushecken und unheilvolle Verordnungen schreiben, auf daß sie das Recht der Armen beugen dürfen, und Gewalt üben können unter den Dürftigen des Volkes, daß sie die Wittwen berauben und die Waisen ausplündern. (Das. K. 10.) Am verwerflichsten aber sind die geistigen Führer des Volkes, die das Wort Gottes im Munde führen, die Priester des Herrn, welche Tugend lehren sollten, und ihr heiliges Amt durch Verhetzung, durch Heuchelei und Trug entweihen, die Schlechtes gut und Gutes schlecht nennen, die aus Finsterniß Licht und aus Licht Finsterniß machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen (Das. K. 5, 20.) Die durch falsche Lehren das Volk irre leiten, zum Laster führen, es zum Verderben bringen und Unheil stifte». Da giebt es Frömmler, die sich Priester Gottes