Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1894)
- Date
- 1894-11-15
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448492--39627-2487784- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1670 \ Verein erhält darauf den in jder Ueberschrift genannten Namen. ES folgt die Wahl des Vorstandes. Auf Antrag Fr ank en sie ins findet eine Wiederwahl statt. Die Kollegen Levy-Norden, Selig-Emden und Wolff-Aurich nehmen dieselbe mit Dank an. Der Vorsitzende stellt nun in den „freien Besprechungen" die Thätigkeit der nächstjährigen Konferenz zur Diskussion. Cs wird dabei Folgendes bestimmt: Die nächste Versammlung findet im Jahre 1895 wieder in Emden statt und zwar in der Zeit zwischen den Sommerferien und den Herbstfeiertagen. Weinberg- Delmenhorst übernimmt eine Lehrprobe, Bernheim-Varel einen Vortrag über das Thema: „Die Pflege des liturgischen Gesanges in der jüd. Volksschule". Ludwig-Meppen erhält das Referat: „Ueber die Fibelfrage", Strauß- Papenburg das Korreferat. Wegen vorgerückter Stunde schließt der Vorsitzende gegen 8V, Uhr die heutige Sitzung, worauf die meisten Kollegen den Rest des Abends im gemüthlichen Zusammensein verbringen. Zweite Sitzung am 12. September 1894, Morgens 8 Uhr. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung und beantragt die Genehmigung der Zusätze zum Vereinsstatut. Diese erfolgt einstimmig. Die Rechnung ist unterdes von zwei Mitgliedern geprüft und für richtig befunden worden, worauf dem Vorsitzenden Entlastung ertheilt wird. Kollege Se li g-Emden erhält nun das Wort zu seinem Vortrage: „Konzentration im jüd. Religionsunterrichte." Nach einigen einleitenden Worten über die Entstehung der jüd. Religionsschulen erörtert der Ref. die Aufgabe derselben; diese bestehe in der Unterweisung der Kinder in den religiösen Lehrgegenständen und in der Erziehung derselben zu lebendigen Gliedern der Gemeinde. Die heutige Religionsschule aber habe ihr Ziel nicht erreichen können. Die Gründe dafür seien in der Gleichgiltigkeit vieler Eltern gegen alles Jüdische, sowie in dem Mangel an Zeit und der Menge der Unterrichtsfächer zu suchen. Um aber dem Ziele näher zu kommen, empfehle es sich die einzelnen Gegenstände zu konzentrieren. Nachdem dann der Begriff Konzentration entwickelt und festgelegt worden, wird bewiesen: 1. Die Konzentration sei ein geeignetes Mittel gegen Ueberbürdung; denn sie betrachte das Kind als Mittelpunkt der Schule und ordne die Stoffe nach dem Auffaffungsvermögen desselben an. Darum sei vor allen Dingen nothig, den Stoff vorher richtig auszuwählen und aus die einzelnen Schulwochen zu vertheilen. Ref. geht nun die gesamten Religiousfächrr durch und zeigt, wie dieselben miteinander in Verbindung zu bringen feien. 2. Die Konzentration sei ein Mittel gegen Zersplitterung der Geisteskräfte. Unterricht und Erziehung seien auch in der Religionsschule nicht zu trennen, die Hauptsache bleibe immerhin, rel.-stttliche Charaktere zu bilden. In die einzelnen Disziplinen sei Einheit zu bringen, so daß aus dem einen Gegenstände der andere sich ergebe, diesen ergänze und belebe. Doch sei der sog. Einschachtelung der Unterrichtszweige, wie sieCurtmonn und Schnell wollen, das Wort nicht zu reden, ebensowenig fei di« Methode der Verschmelzung, wie sie vor etwa 8 Jahren durch Dr. Goldschmidt im ..Litteraturblatt" der „isr. Wochenschrift" angeregt wurde, zu empfehlen, da es nicht durchführbar sei. den gesamten Religionsunterricht in bloßen ^"^-Unterricht zu verwandeln. 3. Die Konzentration sei ein Mittel gegen Oberflächlichkeit, denn sie mache die Vertiefung zur Hauptsache. Der Geist der jüd. Religion muffe mehr als bisher gepflegt werden, dar Auswendiglernen von vielen Bibelversen und Sprüchen raube viele Zeit und führe nicht zum Ziel. Dagegen seien die Kinder häufiger zur relig. Lebensführung anzuleiten, und auch die Bildung des Geistes müsse bei allen Gegenständen in den Vordergrund des Unterrichts treten. Der Vorsitzende dankt dem Referenten für die fleißige, umfangreiche, durchdachte Arbeit und eröffnet die General- Debatte. Löwen st ein-Jever bezweifelt die Durchführbarkeit der zum Ausdruck gebrachten Ideen, sowie die sichere Erreichung des Zieles. Levy-Wittmund sagt, er sei einigermaßen über die Wendung, „das Kind sei der Mittelpunkt im Unterricht" enttäuscht gewesen, er habe erwarlet, Ref. würde als Zentrum des Unterrichts eine Disziplin erwählt haben. Strauß-Papenburg, der sich diesen Ausführungen anschließt, vermißt den Lehrplan. Dr. Mannheimer stimmt dem Ref. darin bei, daß das Kind als Centrum betrachtet werden müffe, doch könne die angedeutete Art und Weife in der Ausführung nicht überall feine volle Zustimmung finden, namentlich sei dies beim Gebet- und Pentateuchüberfetzen der Fall. Dr. Lob hebt hervor, daß der Vortrag in allen Theilen wohldurchdacht fei: über die Durchführbarkeit des Gehörten ließe sich allerdings streiten. Er halte dafür, daß die Idee des Ref. auf der Oberstufe sehr wohl sich mit Erfolg verwirklichen ließe, betont aber zugleich das elementare Verfahren auf der mittler en Stufe. Nachdem nun noch verschiedene Redner ihre Ansichten dagelegt haben, vertheidigt der Ref. im Schlußwort seine Anregung, und hebt dabei besonders die Möglichkeit der Durchführung und Gewinnung des Zieles hervor. Auf Wunsch des Herrn Dr. Löb sagt der Ref. die Veröffentlichung seiner Arbeit zu. Die ausgestellten Thesen werden verlesen und einer Komisston, bestehend aus den Herren Dr. Mann heimer, Str au ß und dem Referenten zur Durchberathung übergeben, nach welcher sie lauten: Leitsätze zu dem Vorträge. „Die Conzentration im jüd. Regilionsunterrich t." 1. Bei den vielen religiösen Unterrichtsgegenständen, welche der jüd. Religionsbezw. Elementarschule zugewiesen sind, und bei der geringen Zeit, die auf jeden einzelnen Lehrgegenstand verwandt werden kann, ist zu einer gründlichen religiösen Durchbildung des Zöglings eine Conzentration unter den einzelnen Lehrgegenständen, besonders in den oberen Abtheilungen, dringend erforderlich. 2. Durch die Conzentration sollen die Lehrstoffe der einzelnen Unternchtsgegenstände in innige Beziehung gebracht werden, ohne daß eine völlige Verschmelzung der einzelnen Disziplinen erforderlich wird. 3. Die Conzentration muß so beschaffen sein, daß durch sie sowohl die Geistes-, wie auch die Gemüthsanlagen des Kindes sich harmonisch entfallen. Insbesondere muß sie, um ein nachhaltiges, an der Sache selbst haftendes Jntereffe zu erzeugen, den Zögling a) Vor Ueberbürdung b) Vor Zersplitterung der Geisteskräfte, c) Vor Oberflächlichkeit u. Seichtheit in Wissen schützen. 4. Das Ziel der Conzentration muß dahin führen: Durch ein tiefwurzelndes religiöses Wissen und eine auf ethischer Grundlage beruhende einheitliche Idee des Gesammtunterrichtes einen relig ös sittlichen Charakter und eine im Gesetze des Juventhums gipfelnde Lebensführung des Zöglings zu begründen. Darauf referiert Strauß-Papenburg über das Thema: Inwieweit eignet sich die „Auerbach'sche Schulbibel" zum Schulgebrauch? Sein Urtheil geht kurz dahin, daß das gen. Werk ganz besonders geeignet sei, seinen Zweck zu erfüllen: Die