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Der Israelit · 1894-11-15 · Heft 89 (15.11.1894) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 89 (15.11.1894)
Date
1894-11-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1666 lieh ihm D. Juda der Schatzmeister der Königin Maria de Molina, zu diesem Zwecke zwanzigtausend Goldmaravedis. Ohne diese Hilfe hätte der König die Expedition nicht unternehmen und die Eroberung Tarisas nicht so bald ausführen können. Der erste Regent Portugals, welcher das Flottenwesen begünstigte und forderte, war D. Sancho II. Den Juden des Königsreichs legte er die sogenannte Flottensteuer auf, die darin bestand, daß sie für jedes neue Schiff, welches der König ausrüstete, einen Anker und ein sechzig Ellen langes neues Ankertau liefern mußten; sie wurden auch in früher Zeit schon in Seedienst verwendet. D. Joao's Sohn Heinrich, der Seefahrer, auch der Geograph genannt, welcher bei der Eroberung Ceutas durch Heldenmuth sich ausgezeichnet hatte, zog nach der Einnahme der Stadt von jüdischen Reisenden Erkundigungen über die Südküste Guineas und das Innere Afrikas ein; durch ihre Mittheilungen steigerte sich seine Bermuthung zur Gewißheit, daß längs der Westküste Afrikas noch manche neue Entdeckung gemacht und ein neuer Weg nach dem vielgepriesenen Lande des sagenhaften Priesterkönigs Johannes gefunden werden konnte. Zu diesem Zwecke errichtete er in Sagres, einer kleinen, von ihm erbauten Hafenstadt in der Nähe des Caps St.-Vincent, eine nautische Akademie, an die er die berühmtesten Gelehrten der Schifffahrtkunde seiner Zeit berief und zu deren Präsidenten und Leiter er Mestre Jaime aus Mallorea ernannte. Wer war dieser Mestre Jaime? fragt Alexander von Humboldt in seinem „Kosmos". Mestre Jaime oder Jakob stand früh im Rufe eines guten Mathematikers, war mit der Schifffahrtkunde vertraut und in der Kunst, geographische Karten und nautische Instrumente zu verfertigen, sehr bewandert. Mestre Jaime oder Jafuda (Jehuda) Cresques, wie er eigentlich hieß, war der Sohn des Abraham Cresques aus Palma auf der Insel Mallorca, welche seit dem dreizehnten Jahrhundert den Hauptsitz der nautischen Wissenschaft bildete. Hier in der Heimath Raymundus Lull's, deffen „Arte de Xavegav“ noch zur Zeit des Columbus für das beste Handbuch über Schiffsahrtkunde galt, wurde die Kartographie emsig gepflegt; sie lag fast ganz in den Händen der Mallorcaner Juden. In dieser Kunst, der sich Jafuda CresqueS von früher Jugend gewidmet hatte, war er so ausgezeichnet, daß das Volk ihn nicht anders als;;1<> jueu buscoler“ oder „el judio de lass brujelas“, „den Karten- Juden" oder „den Kompaß-Juden" nannte, gleichwie sein Freund Moses Rimos oder Raymundo Barthomeu, ein Verwandter des gleichnamigen Arztes und Dichters, welcher, erst vierundzwanzig Jahre alt, in Sizilien starb, als ,.el pergaminero“, der „Pergamentmacher", allgemein bekannt war. Die Karlen des Jafuda Cresques waren nicht blos von Seefahrern, sondern auch von Fürsten und Königen sehr geschätzt. Juan I. von Aragonien erhielt von ihm eine Landkarte, welche ihm so theuer war, daß er ihr einen Platz in seinem Palaste zu Barcelona anwies, und als er dem Regenten von Frankreich ein Geschenk machen wollte, fand er nichts Kostbareres als diese Karte, welche in der National Bibliothek zu Paris noch jetzt aufbewahrt wird. Im Jahre 1387 erwarb König Juan von Jafuda Cresques eine andere mapa mnndi um den damals beträchtlichen Preis von 68 Livres. Der gefeierte Kosmograph lebte friedlich in seinem in der Monte Sion-Straße in Palma, in der unmittelbaren Nähe der Synagoge gelegenen stattlichen Hause, bis am 2. August 1391 dort ein Tumult ausbrach, der bald den Charakter einer offenen Revolte annahm. Die wilde, raublustige Menge stürzte sich auf die nichts Arges ahnenden Juden und ehe noch der Gouverneur der Insel mit bewaffneter Macht einschreiten konnte, waren dreihundert erschlagen; gegen achthundert suchten Schutz in dem königlichen Kastell oder der Universität, viele beugten sich unter die Kirchenkuppeln. Jafuda Cresques nahm den Namen Jaime Rlbes an. Er verkaufte sein Haus, verließ die Insel und, geschützt durch Privilegien, welche ihm der König, in dessen Gunst er stand, ertheilt hatte, siedelte er sich in Barcelona an. Hier an dem Wohnsitze mehrerer seiner Verwandten lebte er fortan seiner Kunst, geehrt vom König Martin und anderen Fürsten, für die er Karten anserügte, bis er im Jahre 1438, nahezu sechzig Jahre alt, von Heinrich dem Seefahrer mit einem hohen Gehalt zum Leiter der neuerrichteten Akademie in Sagres ernannt wurde, derselbe Akademie, in der gewissermaßen auch Columbus den Grund zu seinen Entdeckungsreisen legte. Mestre Jaime wurde der Lehrer der Portugiesen sowohl in der Schiffsahrtkunde, wie in der Kunst der Verfertigung von nautischen Instrumenten und Karten, in der ihm keiner seiner Zeitgenossen gleichkam. Um die Verbesserung des Kompasses und um die Anwendung des astronomischen Aftrolabs in der Schifffahrt hat er sich unbestrittene Verdienste erworben. Von Heinrich dem Setfahrer hatte sein Großneffe, König Joao 11., welcher im Jahre 1481 zur Regierung gelangte, die Neigung zu Entdeckungen gewissermaßen geerbt. Das Astrolab, um das sich auch jüdische Gelehrte, wie Abraham Jbn Esra. der Arzt Jakob b. Machir, auch Don Profatius genannt, Jakob Carsour u. A. verdient gemacht haben, mußte vervollkommnet werden und darum gab D. Joao seiner astronomischen Junta den Auftrag, ein Mittel auszusinnen, welches die einzuhallende Richtung der Schiffe auf dem Meere sicher Nachweisen und welches auch fern von bekannten Küsteugegeuden leicht erkennen ließe, wo man sich befinde. Diese Junta bestand aus D. Diego Ortiz Castellano, Bischof von Ceuta, der den Vorsitz führte, aus Mestre Josef oder Josef Vecinho, der des Königs Leibarzt und, ein Schüler Abrahams Zacuto's, ein ebenso ausgezeichneter Mathemariker wie Kosmograph war, aus dem königlichen Leibarzte Rodrigo, dem Mathematiker Moses und dem Nürnberger Seefahrer und Kosmographen Martin Behaim. Die Verbesserung des Astrolabs und die Erfindung, an Bord die Mittagshöhe der Sonne über dem Horizonte zu beobachten — eine Erfindung, welche die späteren Entdeckungen erleichterte, wenn nicht ermöglichte, — war epochemachend in der Schiffsahrtkunde und, wie allgemein anerkannt wird, zum großen Theil das Verdienst portugiesischer Juden. Seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts galten die Portugiesen für die ersten Seefahrer der Welt. Der jüdische Genius hatte demnach im 14. und 15. Jahrhundert wieder einmal das Wehen des Zeitgeistes gefühlt und in den nautischen Wissenschaften Posten gefaßt, von welchen eine der größten Umwälzungen der Menschheit ausgehen sollte. Die Juden saßen an der Schwelle des Thores, welches uns Allen die neue Welt eröffnen sollte. In einem solchen Milieu wuchs der Genuese Christof Columbus auf. Den Juden in Lissabon war Columbus nicht fremd. Ob er geschäftlich mit ihnen in Verbindung stand oder ob er sich in der bedrängten Lage, in der er sich häufig befand, an einzelne von ihnen um Darlehen oder Unterstützung wandte; genug, noch in seinem Testamente verfügte er, daß „einem am Thore der Judengaffe wohnhaften Juden, oder Demjenigen, den ein Nachbar bestimmen würde, eine halbe Mark Silber ausbezahlt werde." Als Columbus sein Testament machte, da wohnten in Liffabon längst keine Juden mehr. „Ich habe beständige Beziehungen unterhalten," gesteht er selbst, „zu vielen Gelehrten, Geistlichen und Laien, Juden und Mauren und vielen Anderen." Wie mit dem im Alter ihm gleichen Martin Behaim stand er auch mit Josef

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