Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1894)
- Date
- 1894-11-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1667 Vecmho, dem Mathematiker und königlichen Leibarzt, und anderen gelehrten Juden Lissabons in persönlichem Verkehr. Josef schenkte Columbus die von ihm besorgte lateinische Uebersetzung der astronomischen Tabellen Zacuto's, welche sich in seiner Bibliothek befanden, jvelche ihn beständig auf seinen Reisen begleiteten und denen er außerordentlich viel zu verdanken hatte. Außer den mehrerwähnten Tabellen Zacuto's besaß Columbus auch einige Schriften, welche von Abraham Jbn Esra, jenem großen, von Christen und Juden gefeierten Gelehrten aus Toledo, verfaßt oder ihm zugeschrieben worden sind, so das Buch über die kritischen Tage oder ..Liber de lummaribus et diebus critieis", und das im Jahre 1485 in Venedig gedrückte „Le Xativitatibus“, worauf er zweifelsohne während seines Aufenthaltes in Salamanca von Zacuto aufmerksam gemacht wurde und das er, wie aus seiner eigenhändigen Notiz hervorgcht, in Salamanca für vierundvierzig Maravedis kaufte. In seinem religiösen Eifer las er, allerdings erst in Spanien, die Bekehrungsschrift des Renegaten Samuel Jbn Abbas aus Marokko an R. Isaak aus Sujurmente über den Messias, welche, ursprünglich arabisch geschrieben, schon 1339 in spanischer und hundert Jahre später in lateinischer Uebersetzung erschienen war. Diese Schrift erregte sein Interesse in solchem Maße, daß er drei ganze Kapitel derselben vollständig exzerpirt hat. Mit besonderer Vorliebe las er die Bibel und das, wahrscheinlich von einem außerhalb Palästinas lebenden Juden verfaßte vierte Buch Esra. Nicht die Wissenschaft, sondern seine Interpretationen der Prophezeihung des Jesaias boten nach der eigenen Behausung des schwärmerischen Columbus den ersten Impuls zu dem Plane seiner Entdeckungen. Columbus legte seine ersten Pläne, längs der afrikanischen Küste in das Wunderland Marco Polo's zu gelangen, dem portugiesischen König Joao vor. Der König wies ihn ab. Columbus war hierüber indignirt und schrieb seine Zurückweisung dem königlichen Leibarzt, dem „Juden Josef" zu. Von dem König Joao abgewiesen, war Columbus fest entschlossen, Portugal zu verlassen. Seine Lage war die denkbar traurigste; er hatte seine Frau verloren, war arm und wurde durch seine Gläubiger täglich gedrängt, so daß er mit seinem Söhnchen Diego heimlich bei Nacht Lissabon verließ. Er schlug den Weg nach Huelva ein. Nach vergeblichem Bemühen Enrique de Guzman, den Herzog von Medina-Sidonia, für seinen Entdeckungsplan zu gewinnen, wandte er sich an D. Luis de la Cerda, den ersten Herzog von Medina-Celi, einen der reichsten Fürsten Andalusiens. Der Herzog, in dessen Adern jüdisches Blut rann — seine Großmutter war von jüdischem Stamme, — nahm ihn gastfreundlich auf, beherbergte ihn längere Zeit in seinem Palaste und zeigte sich geneigt, die Expedition auf eigene Kosten zu unternehmen, umso mehr als Columbus nur drei- bis viertausend Dukaten zur Beschaffung zweier Karavelen forderte. Zur Ausrüstung von Schiffen bedurfte er jedoch der königlichen Erlaubniß und diese wurde ihm nicht ertheilt. Daraufhin schrieb der Herzog von Rota aus an die Königin und auf seine Empfehlung fand Columbus Zutritt zu dem spanischen Königspaare, zu Jsabella von Kastilien und Ferdinand von Aragonien, allerdings nach langem Harren. Als Columbus in Spanien einzog, war die kriegerische Aera noch nicht lange beendet. König Juan von Aragonien hatte als Fünfzigjähriger, nach dem Tode seiner ersten Gemahlin, Juana Enriquez, die Enkelin einer Jüdin geheirathet und verdankte ihr den Sohn Fernando, nachmals als Ferdinand der Katholische bekannt. Die treuesten Anhänger König Juan's waren die Juden, welche ihm beträchtliche Dienste geleistet — erhielt er doch durch die Geschicklichkeit des D. Abiatar den Crescas, seines Leibarztes und Astrologen, sein Augenlicht wieder — und gegen die er in seiner Milde sich so wohlwollend gezeigt hatte, daß sie ihn bei seinem Hinscheiden tief betrauerten. Juan's längst gehegte Absicht, Aragonien mit Kastilien zu vereinigen, verwirklichte noch bei seinen Lebzeiten Ferdinand, sein Sohn, durch dessen eheliche Verbindung mit Jsabella, der Schwester Heiurich's von Kastilien, welche nach dem Tode ihres Bruders Alfonso als dessen Nachfolgerin anerkannt und zur Regentin ausgerufen worden war. In der Voraussetzung, daß Ferdinand wie sein Vater die Juden freundlich beoandeln würde und dies umso mehr, als er mütterlicherseits selbst dem jüdischen Stamme angehörte, wurde der Heirathsplan von Juden und Marranen (heimlichen Inden) nachdrücklichst gefördert. Don Abraham Senior, ein reicher Jude aus Segovia, welcher wegen seiner Klugheit, seines vornehmen Auftretens und seiner Stellung als königlicher Ober-Steuerpächter in großem Ansehen stand, regte bei den Granden Kastiliens die Idee an, die vielumworbene Infantin Jsabella mit dem stattlichen Ferdinand von Aragonien, der bereits zum König von Sizilien ernannt war und schon in früher Jugend Proben seiner Heldenmuthes abgelegt hatte, zu vermählen. Obgleich er bei einem Theile des kastilianischen Adels auf heftigen Widerspruch stieß, veranlaßte er dennoch den Brautwerber, heimlich nach Toledo zu kommen. Feroinand trat ohne Zögern die Reise an. Aller Mittel entblößt, lieh er sich in Monzon von seinem „geliebten Diener" Jayme Ram, welcher, der Sohn eines Rabbiners, als einer der bedeutendsten Juristen seinerzeit galt, zwanzigtausend Sueldos, überschritt verkleidet die Grenze Kastiliens und nahm seine Zuflucht zu Don Abraham Senior, der ihn Nachts in aller Stille zu der seiner harrenden Infantin begleitete. Der junge Pedro de la Caballeria, ein sebr reicher und angesehener Marrane in Saragossa, das Glied einer weitverzweigten Familie, wurde alsbald damit betraut, die dem Heirathsprojekte abgeneigten Persönlichkeiten. D. Alonso Carillo, den wankelmüthigen Erzbischof von Toledo, D. Pedro Gonzales de Mendoza, den Bischof von Siguenza und nachmaligen Kardinal von Spanien, u. A. durch seine Ueberredungskunft und durch die bedeutenden Mittel, über die er verfügte, umzustimmen und zu gewinnen; er brachte es in der That zuwege, daß Jsabella, um deren Hand der König von Portugal, der Herzog von Berri, der Köwg von England und Andere warben, Ferdinand von Aragonien vor allen Anderen den Vorzug gab. Pedro de la Caballeria wurde dann auch die besondere Ehre zutheil, der königlichen Braut ein kostbares Halsband, das einen Werth von vierzigtausend Dukaten repräsentirte, als Brautgeschenk Ferdinand's zu überreichen und ganz oder grotzentheils zu bezahlen. War doch die aragonische Krone damals so verarmt, daß bei dem Tode des Königs Juan Kleinodien der Schatzkammer verkauft werden mutzten, um das Leichenbegängnitz königlich begehen zu können. Don Abraham Senior, der intime Freund des einflußreichen Andreas de Cabrera in Segovia, blieb der treueste Anhänger Jsabella's. Bände ließen sich über den großen Einfluß der Marannen in Spanien schreiben. Die Familien Sanchez und Santangel waren an der Spitze aller Aemter zu finden. Aeußerlich dem Christcnthum huldigend, waren sie innerlich dem Judenthum treu geblieben. Ihr größtes Unglück waren ihre uncrmeffenen Reichthümer, welche, wie Kayserling annimmt, den Anstoß zur Errichtung der Inquisition gaben. Elf Jahre vor Entdeckung der „neuen Welt" rauchte der erste Scheiterhaufen in Sevilla. Hier die tiefste thierische Versunkenheit, dort die Rettung in das Morgenroth der Freiheit und Zivilisation! Welche Ironie der Weltgeschichte! Was mußte Christofero Colon empfinden, als Andreas Colom, Franca und Francisca Colom, die einen dem seinigen ähnlichen Namen trugen, als innerlich noch dem Judenthum anhängende Christen den Feuertod erlitten?