Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1894)
- Date
- 1894-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1656 Sofort ließ er genau in den Trümmern Nachsehen, und da fand sich, daß die ganze Höhlung unter dem Thron mit Kohle, Schwefel und Branntwein angefüllt war und so wurde die Vermuthung des Königs zur Gewißheit. Er ließ alle Ausgänge des Palastes besetzen, und befahl, daß Niemand das Schloß verlasse, bevor er sich gerechtfertigt habe über das, was geschehen war. Nach kurzer Zeit war es den Dienern im Palaste gelungen, einen jungen Burschen aufzufinden, der sich in der Verwirrung, die durch die Anordnungen zum Feste entstanden war, unbemerkt in die Nähe des Thrones geschlichen hatte. Dieser hatte einen Faden, der mit Pech und anderen leicht brennbaren Substanzen getränkt war, hervor geleitet bis außerhalb des Thronsessels. König Kasimir, dessen Wuth keine Grenzen mehr kannte, dessen Langmuth in den höchsten Jähzorn übergegangen war, befahl, daß man den Jungen auf die Folter spanne, wenn er nicht freiwillig bekennen wolle, wer ihn zu dieser Unthat angestiftet. Und es geschah, wie der König befohlen, in seinem Schmerze sagte der Junge aus, daß er weiter nichts gethan, als jene Schnur gelegt, daß aber die Kohle und der Schwefel von einigen Männern in den Hohlraum unter dem Thron gelegt worden sei. Der Knabe bezeichncte die Männer, und man konnte sie verhaften, ehe es ihnen gelungen war, zu flüchten, und auch sie wurden auf die Folter gespannt und da gestanden sie Alle, daß der Pan von Wola sie angestiftet, um so das Leben des Königs und der Königin zu vernichten. Die Flammen seien zu spät emporgelodert. Nach dem Befehl den der Pan seinen Leuten gegeben, sollten die Flammen in dem Augenblicke emporschlagen, da Esther die Krone auf das Haupt gesetzt erhielt. So gedachte der Pan, daß er auch ohne die schwerfällige und zaudernde Maffe der Verschwörer zu dem ersehnten Ziele gelangen würde. Wie mußte man ihn ehren, wenn er allein vollbrachte, was die ganze große Maffe der Verschworenen noch nicht zu unternehmen sich getraut. Doch sein verbrecherischer Plan war nur zum Thetle gelungen. Das Krönungsfest verwandelte sich in ein Gericht und alle die hohen Herrn nahmen an dem Gerichte Theil. Es paßte ihnen vortrefflich jede Schuld auf den einen Mann abwälzen zu können und sie Alle fällten einstimmig das Urtheil, daß der Pan von Wola, so wce der an der Verschwörung betheiligte Pater Franziskus des Todes schuldig seien. Die Strafe an ihnen wurde sofort vollzogen. Esther aber war und blieb verschwunden. Man glaubte, daß sie in der auflodernden Flamme vollständig verbrannt wäre, uno die aufgeregten Gemüther beruhigten sich. Nachdem die Todesstrafe an dem Pan von Wola und dem Pater Franziskus vollzogen worden war, zerstreute sich die Menge, und sowohl die Geistlichen als die Adeligen waren im Innern froh, daß es diesen Ausgang genommen, und auf diese Weise ein Konfl ct zwischen dem großen König und dem Volke vermieden worden sei. Nur König Kasimir trauerte schwer, und es schien, als ob er sich nicht mehr erholen könne von dem furchtbaren Schmerze, der ihn getroffen. (Fortsetzung folgt.) Der „Slradit" erscheint wöchentlich zwei««!, MontagS und Do«»erfiag», jrkeSmal in mindest«» -wei v»g«n. Pret» de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Mau adaanirt ganzjährig. halbjährig »der vierteljährig, «lle Buchhandlung« und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch d« Onchhandrl M drsirh« dei G. /. Strivackrr, Lrt-lig. DtßPlatz 16. — Inserate SS Pfennig die vtrrgefpaltene Petitzrile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cour». — Directe Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deurschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. ötzerr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. 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