Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1894)
- Date
- 1894-11-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1654 von der beabsichtigten Einführung von elektrischer Beleuchtung in der Great-Synagoge wurde mit Freuden begrüßt. > vermischtes. Amsterdam, 9. November. Mittwoch Abend sprach hier im Saale der freien Gemeinde Frau Nahida Remy mit großem Beifall über das Weib im Talmud. Prag. Die hier erscheinende „Israel. Gemeindezeitung" schreibt unter der Ueberschrift: „Die Juden in der österreichischen Strafrechtspflege" folgendes: Zu dem Märchen über jüdische Verhältnisse, welche die Böswilligkeit verbreitet und die Unkenntnis glaubt, gehört auch die Annahme, daß die jüdische Bevölkerung Oesterreichs in sittlicher Beziehung den Andersgläubigen desselben Landes nicht ebenbürtig sei, insbesondere mehr Verbrechen als diese begehe. Das soeben ausgegebene dritte Heft des 39. Bandes der „Oesterreichischen Statistik" bringt folgende Zahlen, wobei zu bemerken ist, daß die ersten zwei Rubriken die amtlichen Zahlen sind, die beiden folgenden auf Grund derselben ausgerechnet wurden: Verbrecher überhaupt Procentsatz der Zahl der Sollzahl der jüd. Verbrecher jüd. Verbr. jüd. Verbr. 1881 33469 4* 1406 1606 1882 32092 4, 1316 1540 1883 30359 4 1214 1884 30592 4, 1255 1457 1885 30865 4 1235 1469 1886 29706 4- 1248 1425 1887 28745 42 1207 1380 1888 28112 3. 1096 1350 1889 28516 3, 991 1374 1890 29090 3« 1069 1392 Die jüdische Bevölkerung Oesterreichs beträgt 48/i()n/0 der Gefammtbevölkerung. Wir sehen also nicht nur, daß die Zahl der jüdischen Verbrecher immer um mehrere Hundert hinter der Zahl zurückbleibt, welche ihr nach dem Procentsatz der Bevölkerung zukäme, wir finden auch einen starken Rückgang der absoluten Zahl der jüdischen Verbrechen, der den allgemein beobachteten weit übertrifft, und daher ein starkes Sinken des Procentsatzes der jüdischen Verbrechen bezeichnet. Wie unseren Lesern bekannt ist, gehen auch in Deutschland die Procentsätze der jüdischen Verbrechen in derselben Zeit stark zurück. Diese intereffante Analogie läßt sich indeß noch weiter verfolgen. Bekanntlich sind die Juden in Deutschland nur an denjenigen Vergehen stärker, als mit dem Procentsatz der Bevölkerung, betheiligt, welche vorzugsweise von den Angehörigen des Handelsgewerbes begangen werden. Dasselbe ist in Oesterreich der Fall. Die Juden stehen nach der Statistik von 1890 außerordentlich günstig in den Verbrechen wie Mord, Todschlag rc., in den schweren SittlichkeitSvergehen (17 statt 45), in schwerer körperlicher Beschädigung (47 statt 214), Diebstahl (432 statt 685) etc., dagegen ungünstig in Betrug 369 statt 123 Verleumdung 15 „ 7 Veruntreuung 53 „ 27 Bankerott 197 tt 37 Beleidigung der Religionen 24 8 Hervorzuheben ist ferner, daß die Verbrechen und Vergehen, in denen die Juden den Procentsatz üdersteigen, diejenigen sind, welche mit den niedrigen Strafen belegt sind, während sie in allen schweren Verbrechen weit hinter dem Procentsatz Zurückbleiben. Leider ist die Benennung der einzelnen Vergehen und Verbrechen in Deutschland und Oesterreich zu verschieden, als daß sich der Vergleich noch in den weiteren Details verfolgen ließe, doch steht als beiden Staaten gemeinsam fest: 1. Der Procentsatz der überhaupt wegen Verbrechens bestraften Juden bleibt unter dem Durchschnitt, der ihnen nach ihrer Seelenzahl zufallen würde; 2. Der Procentsatz der jüdischen Vergehen ist in dem Jahrzehnt 1880—1890 in ständigem Rückgang; 3. Unter den einzelnen Arten der Verbrechen überwiegen die Juden nur bei den vorwiegend von Kaufleuten begangenen Delieten, stehen dagegen sehr günstig bei allen schweren Vergehen gegen das Leben, bei Diebstahl, Hehlerei und den schweren Sittlichkeitsvergehen; 4. Die von Juden stärker als dem Procentsatz entsprechend begangenen Verbrechen resp. Vergehen sind die vorwiegend mit Geld- oder nicht sehr schweren Gefängnis- Strafen belegten Delicte. Es lohnt sich auch, innerhalb der österreichischen Criminalität einen Blick auf die jüdische Bevölkerung Galiziens zu werfen. Dem allgemeinen Vorurtheil nach sollte man annehmen, daß die galizische Juden in moralischer Beziehung weit unter ihren Glaubensgenossen im übrigen Oesterreich stünden. Dem ist aber durchaus nicht so, wie die folgenden Zahlen lehren: Es wurden begangen: Verbrechen überhaupt : 1889 1890 in Galizien: 7102 7334 von Juden in Galizien: 656 718 Da die Juden 11.68 pCt. der Bevölkerung Galiziens bilden, so hätten entfallen müssen auf sie: 829 856 Die galizischen Juden stehen also in ihrer Criminalität günstiger da, als die christliche Bevölkerung Galiziens, wie sich dies in den Ziffern der Criminalstatistik ausdrückt. Aber sie stehen auch nicht schlechter da, als die Juden der österreichischen Monarchie überhaupt. Von 1,141.000 Juden in Oesterreich sind 772.213 in Galizien, d. h. 672/., pCt. Im Ganzen wurden begangen von 1889 1890 Juden in Oesterreich: 991 1060 Verbr. Es kämen davon auf die gal. Juden: 671 723 „ Es wurden von Juden in Galizien in Wirklichkeit begangen: 656 718 „ Man sieht also auch hierbei eine allerdings unwesentliche Differenz zu Gunsten der galizischen Juden, und man muß sagen, daß diese nicht besser, aber gewiß auch nicht schlechter sind, als die Juden der österreichischen Monarchie überhaupt. Feuilleton. Esterka, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 42.) (Nachdruck verboten.) Esther bebte am ganzen Leibe und vermochte nicht zu erwiedern. „Und glaube mir, geliebte Gattin," flüsterte er ihr wieder zu, „auch ich bin ja kein strenger Christ, wie Du weißt, auch ich glaube, daß Alle selig werden können, die gut sind, brav, fromm und edel, und daß es gleich ist, zu welchem Gotte sie beten. „Es wird Dir leicht fallen, zu sagen, daß mein Glaube auch der Deine ist.