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Der Israelit · 1894-11-15 · Heft 89 (15.11.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 89 (15.11.1894)
Date
1894-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1653 hat das Recht zur Berathunq über die Handhabung derselben: 2. darf auch diese nur das gutheißen, was der Oberrath in Betreff des isr. Gottesdienstes i. I. 1824 angeordnet. Darnach wären viele §§ nimmermehr zu billigen. Ich will für heute nur 1 Punkt erwähnen. Die Fr. Syn. verlangt schwarze Kleidung, schwarzen Hut, bz. bei verheiratheten Mitgliedern Eylinder; in vorbezeichneter Verordnung steht aber ausdrücklich: „Ueberigens sollen weder Männer noch Frauen wegen ihres Anzuges, vorausgesetzt, das er anständig und das Haupt bedeckt ist, zu irgend einer Zeit zur Rede gestellt werden." Diese Bestimmung soll der Fr. Syn. und die Bezirkssynagoge wissen; denn sie steht im V. O. B. des Oberraths, das sede Gemeinde halten muß. Ebenso schreibt der Oberrath in einem Erlaß v. 1.1885 vor. daß Ausschließungen vom Gottesdienst nur ausnahmsweise und in Fällen der schwersten Art von Uebertretungen der Syn. Ord. zur Anwendung kommen dürfen. Ein solch schwerer Fall liegt aber doch hier keineswegs vor. Da sollte in ganz entschiedener Weise Aenderung geschaffen werden; denn ein solches Schalten und Walten, solche Vorkommnisse, wie sie betr. Mitglied Kahn schilderte, müssen jeden Menschen in Staunen bringen. Da sollte unsere Behörde sorgen, daß derartige Dinge nicht mehr vorkämen. Aus Württemberg. In allen jüdischen Gemeinden cirkuliert gegenwärtig eine Eingabe an die kgl. israel. Oberktrchenbehörde, zwecks Berücksichtigung der orthodoxen Richtung bei der bevorstehenden Wahl eines neu aufzunehmenden Mitgliedes dieser Behörde. Danzig. Der in dem hohen Alter von 80 Jahren verstorbene hiesige Kaufmann Aschenheim hat sein am Heumarkte belegenes großes Haus, das zu einer Art Altenheim eingerichtet ist, zu israelitischen Hospttalzwecken vermacht und gleichzeitig sein Baarvermögen, das man auf ca. 200.000 Mk. schätzt, für denselben Zweck letztwillig bestimmt. Zu Testaments-Vollstreckern sind die Herren Stadtrath Dr. Samter, Sanitätsräthe Dr. Semon und Dr. Wallenberg, Bankier Lcepmamr u. a. ernannt. Zum dauernden Gedächtniß an den wohlthätigen Erblasser soll das neue Hospital den Namen „Aschenhetm- Stiftung" erhalten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Czernorvitz. Der Antisemitismus nimmt im Osten des Reiches seit einiger Zeit geradezu erschreckende Dimensionen an. Es laufen täglich unzählige Berichte über Anttsemitenscandale ein, die in vielen Ortschaften der Bukowina theils von der Geistlichkeit, theils selbst von der Gemeindevorstehung inscenirt werden. Auch aus dem Curorte Dornawatra, welcher seit dem Falle Tarneveann dem Antisemitismus gänzlich zum Opfer fiel, werden die unglaublichsten Geschichten erzählt. So wagt cs der dortige Gemeindevorsteher im Vereine mit seinen „Getreuen", die Juden öffentlich dem Spott und Hohn preiszugeben, sie zu beschimpfen und zu besudeln. Auch der Pfarrer Georgescu, dieser Apostel deS Friedens, predigt Haß und Zwietracht gegen die Juden von der Kanzel herab, beschwört die Landbevölkerung sich des Genusses des Branntwein gänzlich zu enthalten, damit die jüd. Provtnationspächter verarmen, ja er verbietet überhaupt, in jüdischen Geschäften Einkäufe zu besorgen, damit sich dieselben auflösen und von Richtjuden geführt werden, kurzum man soll zum Ruine der jüdischen Geschäftsleute das Möglichste beitragen. Dem zufolge erschien neulich eine Deputation jüdischer Mitbürger aus dem genannten Orte beim LandeSchef, Herrn Hofrath Graf Goeß, um über diese unerhörten Zustände Beschwerde zu führen. Es ist selbstverständlich, daß Herr Graf Goeß der Deputation baldigste Abhilfe versprach; in der Thal aber ist von ihm bis nun in dieser Beziehung noch nichts veranlaßt worden. Warum? Das weiß Niemand! England. gonbott, 5. Nov. Der Vorstand des Londoner deutschen Hospitals in Dalston hat nunmehr Einrichtungen getroffen, römisch - katholische und israelitische Kranke in besonderen Sälen unterzubringen, in denen der protestantische Kaplan keinen Gottesdienst mehr abhalten wird. Auf diese Weise hofft man, den Frieden wieder hergestellt zu haben. R. London, 11. Nov. In der heute stattgehabten außerordentlichen General-Versammlung der Great-Sy nagogue (Dukes Place) wurde der Antrag des Vorstandes Mr. Rosenfeld, „das Gitter der Damengallerie zu entfernen", zur Dtscusston gebracht. Der Vorstand beabsichtigte, die Rücksitze zu erhöhen und durch Vermehrung von Sitzen eine große Einnahme zu erzielen. Der Antrag wurde Seitens des Herrn Ellis Franklin und N. L. S. Zimmer bekämpft. Ersterer betonte den ästhetischen Standpunkt, indem er die Würde des alten ehrwürdigen Gebäudes, dessen Hauptzierde dieses schöne Metallgitter bildet, durch Beseitigung dieser Zierde beeinträchtigt glaubt. Herr Zimmer hob religiöse Bedenken gegen eine derartige Veränderung hervor, die er als unzulässige Reform, im Widerspruch mit den Einrichtungen des Tempels und aller Synagogen, bezeichnete und brachte ein formelles Amendement gegen den Antrag des Vorstandes ein; bei der Abstimmung siegte Herr Zimmer und muß demnach das Gitter der Damengallerte ganz unverändert bleiben. Die fernere Mttthetlung des Vorstandes

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