Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 89 (15.11.1894)
- Date
- 1894-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1651 wort, wenn wir uns nicht auf das Energischste aufzuraffen verstehen, leider lauten: „Nichts Gutes." Literarische Berichte. Die Jüdin. Politisches Familiendrama von Thorolf Wi nter-Hjelm. Nach Henrik Vergelands Epos. Leipzig Oswald Mutze. Bodo von Allenftein, Gutsherr in der Nähe der russischen Grenze, ist antisemitischer Reichstagsabgeordneter und wüthender Judenfresser. Seine Ehe, früher „dumpf und öd" strahltim hellsten Glücke, seitdem die Gatten, nach zehnjähriger Ehe endlich ein Kind bekommen. Eine halberfrorene, aus Rußland vertriebene Jüdin, mit einem kleinen Kinde pocht ans Thor. Weniger aus Hartherzigkeit als aus antisemitischer Konsequenz jagt sie der Gutsherr in die kalte Nacht, in den sicheren Tod. Als man die beiden Leichen später auffindet, stellt es sich heraus, daß es des Gutsherrn eigenes Kind war, das er in den Tod getrieben. Es war auf dem Wege verloren und von der Jüdin mitleidig ausgenommen worden. — Das Drama ist nicht ohne Spannung und in manchen Einzelheiten vortrefflich. Leider ist der Verfasser der deutschen Sprache nicht genügend mächtig und begeht manchen Schnitzer. Wenn auch zur Bühnen - Darstellung ungeeignet, wird das Drama doch eine interessante und angenehme Lektüre bilden. Ben Hur, Erzähl, von Lew. Wall ac e.Jllust r. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. Das Werk liegt nun in 19 prächtigen Lieferungen vollendet vor. Die Illustrationen sind durchweg mit Fleiß, Sorgfalt und künstlerischem Geschicke durchgeführt. Der Inhalt des Werkes ist früher schon besprochen worden. So liebevoll auch der Verfasser über Juden und Judenthum urtheilt, er sucht seinen Helden dadurch zu krönen, daß er ihn vom Judenthume zum Christenthum sich bekehren läßt. Das Werk klingt in eine Verherrlichung der staatsbeherrschendrn Religion aus, auf Kosten der jüdischen. Zeituugsuachrichteu «uv Corresporrdeuzerr. Deutschland. Berlin, 9. November. Die schwarzen Juden von Ernakulum schildert eine Studie der „K. Z." Als Stätte verschiedener Religionen ist Kochin, das alte, für die Ausfuhr seines Pseffers berühmte Kothinara, gewiß einer der interessantesten' Plätze Indiens. Es ist der Hauptsitz der katholischen Syrianer sowie einer kleinen Gemeinde von Nestortanern, die wieder in mehrere Sekten zerfallen. Außerdem lebt auf dem Festlande, d. h. in Ernakulum, eine Colonte schwarzer Juden. Es ist nicht genau festzustellen, auf welche Weise sie dorthin kamen, und wenn man auch die Ansicht, daß sie die Nachkommen der Eingeborenen sind, die von Hiram und Tarschisch bekehrt wurden und Ernakulum selbst das Ophir König Salomons ist, als Mythe betrachten muß, so deutet doch Vieles auf einen uralten Ursprung hin, und man wird kaum fehlgehen, wenn man die Gründung der Kolonie in die Zeit kurz nach der Freilassung der Juden unter Cyrus verlegt. Das Judenviertel Ernakulum zeichnet sich wenig vor anderen orientalischen Städten aus. Die Straßen sind eng und stets von einer großen Menschenmenge, in der man sofort die charakteristischen, obwohl dunkeln, jüdischen Zügen erkennt, belebt. Die Männer fallen sofort durch die vor die Ohren herabhängenden Locken und den langen Kaftan auf. Bet der weiblichen Bevölkerung,dieunbeeinflußt von der einheimischenPurdahsitte ist, findet man, besonders im Mädchcnalter, wirkliche Schönheiten, die sofort durch die großen, geistvollen Augen gegenüber dem stumpfen, sinnlichen Gestchtsausdrucke der übrigen Jndiertnnen auffallen. Die Synagoge, die mit prachtvollen alten Delft- Porzellanplatten gepflastert ist, entzückt jeden Kunstliebhaber. Man zeigt da werthvolle, mit Edelsteinen besetzte Mitren und andere beim Gottesdienste gebrauchte Stücke. Bemerkenswerth sind ferner noch gewisse, der Entzifferung harrende, mit wunderbaren Zeichen bedeckte Kupferplatten, die angeblich eine königliche Urkunde oder Shasanam zu Gunsten der schwarzen Juden enthalten. Besondere Beachtung verdienen auch die prachtvollen, in kostbare Seide eingewickelten alten Handschriften der mosaischen Gesetzbücher. Die schwarzen Juden leben streng allen Vorschriften ihrer Religion nach, und obwohl sie, wie ihre weiße« Brüder, selbst den kleinsten Gewinn nicht verachten, so enthalten sie sich am Sabbat jeden Handels. Sie sind hauptsächlich Fisch- und Geflügelhändler, leihen jedoch auch auf Zinsen und treiben Handwerk. Während der Zeit der Besetzung Kochins durch die Niederländer (1663 bis 1795) waren sie die Helden der nachfolgenden, noch heute mit Stolz erzählten Begebenheiten. Der alte, ehrwürdige Radscha von Ernakulum war tödtlich von den Niederländern beleidigt worden. Er schwur, fürchterliche Rache zu nehmen und nicht eher zu ruhen, als bis er die lästerhaften Zungen der weißen Eroberer ausgeschnitten habe. Die weißen Männer jedoch spotteten seiner in ihrer starken Festung' fie besaßen Schiffe und Kanonen, waren wohlbewaffnet und viel mächtiger, als seine eignen treuen Nayars.