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Der Israelit · 1894-11-12 · Heft 88 (12.11.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 88 (12.11.1894)
Date
1894-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1687 Schwersenz, 24. Oktober, ßeute fand dahier der erste Bezirkstag (für Südposen) des deutschen Reichsverbands jüdischer Religtonslehrer statt. Zur Versammlung waren auch Schul- und Gemeinde-Vorstand nnd außerdem einige Mitglieder der hies. Gemeinde geladen und erschienen. Um 2 Uhr Nachmittags begann die Conferenz mit einer Begrüßungsrede des Herrn Lehrers Grünfeld- Schwersenz. Hierauf folgte der Bericht des Bezirks- Vorstehers Herrn Rabb. Dr. Wreschner-Samter über den konstituirenden Breslauer Verbandstag vom 16. Juli, an welchen sich verschiedene Debatten über die Art und Weise der Wirksamkeit des Verbandes anschlossen. Von den Herren Rabbiner Dr. Rosenthal-Rogasen und Dr. Bamberger- Schrtmm wurde in Vorschlag gebracht, eine Art '"pn dv mit dem Vereine zu verbinden und an den jedesmaligen Bezirkstagen die in der Zwischenzeit vorgekommenen schwierigen rituellen Anfragen zu besprechen, über welchen Punkt jedoch wegen der Kürze der Zeit noch kein Beschluß gefaßt werden konnte. Hierauf folgte eine Pentateuchs Lehrprobe seitens des Herrn Lehrers B r o h - Schwersenz, welche im Ganzen und Großen als gelungen bezeichnet werden konnte und an welche sich eine längere, sehr interessante Diskussion anschloß. Nach dem nmO-Gotttsdieriste folgte ein sehr gelungener Vortrag des Herrn Rabb. Dr. R o s e n t h a l - Rogasen über „Rascht und Rabbinisches in der Schule", dessen Forderung jedoch, Raschiunterricht unter jeder Bedingung als Lehrgegenstand in den Stundenplan aufzunehmen, nur für größere Schulen zugestimmt wurde; für gewöhnliche Schulen hingegen wurde der Unterricht der rvx’x »jh in hebr. Sprache als wichtiger und dringender empfohlen. Als nächster Bezirkstag wurde der i. Januar, als Ort Samter bestimmt. Herr Dr. Wreschner wurde durch Acclamation als Bezirksvorsteher wiedergewählt. Die Conferenz dauerte bis sieben Uhr, an welche sich ein von der Gemeinde Schwersenz gegebenes Abendbrot anschloß. B. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 5. November. In der heutigen Fortsetzung der General-Debatte des Abgeordnetenhauses über den Strafgesetz-Entwurf, sprach Abgeordneter Dr. Bloch gegen das vom Abgeordneten Pattai beantragte Schächtverbot und betonte, daß die jüdische Religion einen weitgehenden Thierschutz gebiete. Wir Juden, sagt Redner, haben für die Arbeitsthiere den wöchentlichen Ruhetag eingeführt. Abg. Dr. Scheich er: Die Juden nicht, das ist Gottes Gesetz! Die Juden sind doch nicht Gott! Abg. Dr. Bloch: Es ist ganz richtig, es ist bei uns Gottes Gesetz. Wir Juden haben dieses Gesetz bis heute erhalten und haben uns danach gerichtet. Unsere religiösen Vorschriften enthalten den Schutz der Thiere gegen Rohheit und Mißhandlung. Jede Thierquälerei ist den Juden eine Sünde geger^ Gottes Gesetz. Als Gebot des Thierschutzes wurde das jüdisch-rituelle Schächten eingeführt. Das war ' zunächst ein Schutz gegen die Jagd mit ihren Thierquälereien und Grausamkeiten. Der Abg. Pattai hat bestritten, daß religiöse Toleranz hiebei im Spiele wäre. Redner erinnert an die im April dieses Jahres vom Wiener israelitischen Cultusvorstande dem Ministerium überreichte, von 290 israelitischen Cultusgemeinden Oesterreichs unterschriebene Resolution, in welcher erklärt wird, daß alle strenggläubigen Israeliten die im jüdischen Ritus begründete Schächtungsweise als ein wichtiges religiöses Gebot beobachten und im Verbote der Schächtung einen schweren Engriff in die staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte erblicken würden- Abg. Pattai sagt, daß er und seine Partei in Bezug auf die jüdische Religion und den jüdischen CultuS immer im Zwnfel belassen werden. Es steht ihm ja frei, irgend eines der zahlreichen israelitischen Religionsbücher der Mittel¬ oder Volksschulen zur Hand zu nehmen, und wenn dasselbe seine Zweifel vielleicht nicht löst, so wird ihm der Wiener Ober-Rabbiner gewiß auf jede Frage bereitwillig Bescheid geben. Windthorst sagte in einer Sitzung des deutschen Reichstages in Bezug auf die Schächtungsfrage: „Wenn es sich um religiöse Anschauungen handelt, die durch Jahrhunderte und Jahrtausende übernommen sind und die heilig gehalten werden von vielen unserer Mitbürger, dann gebe ich der Regierung das Recht nicht, in dieselben einzugreifen, und ich bin nicht der Meinung, daß man die religiösen Ansichten modeln soll nach angeblich modernen Ideen. Dem entgegenzutreten halte ich für meine erste Pflicht." Minister- Präsident Gras Taasfe eröffnete im Jahre 1893 in einem Erlasse an den Statthalter von Graz, daß die Erhebungen über die Schächtfrage zu dem Ergebnisse geführt haben, daß, wenn alle Bestimmungen des Rituals erfüllt werden, in der Methode des Schächtens eine thierquälerische Handlung nicht gefunden werden kann. Die königliche Militär-Konservenfabrik in Spandau sowie jene in Mainz beschlossen, die jüdische Schächtmethode in Zukunft in Anwendung zu bringen. 254 Gutachten, darunter 50 von llniversiläts-Prosessoren und Vorständen physiologischer Institute in verschiedenen Ländern Europas, lauten gleichfalls zu Gunsten der jüdischen Schächtweise. Abg. Pattai behauptete, es gebe kein staatsgrundgesetzlich gewährleistetes Recht aus die Thiermarter; das ist eine unvorsichtige Behauptung von Seite eines Juristen. Wie steht es mit der Jagd? Redner verliest eine Schilderung der Deutschen Jägerzeitung über die Qualen, denen das bei der Jagd schlecht getroffene Thier ausgesetzt ist. Er verweist weiters auf das Castriren verschiedener Thiere, auf den Sport des Taubenschießens, auf die Sauhatz u. s. f. Bei alldem können wohl religiöse Motive nicht geltend gemacht werden. Allerdings: das Jagdvergnügen der hohen Herrschaften ist sacrosanct. Abg. Dr. Per n er st o r se r: So ist es! Wie die hohen Herrschaften überhaupt sacrosanct sind. Abg. Dr. Lu eg er: Das müssen Sie dem Polen-Club sagen. Abg. Dr. Bloch: Wenn der Abg. Pattai den Muth der Ueberzeugung hat, so hätte er den Antrag stellen sollen, daß die Jagd nach dem Strafgesetz zu verfolgen sei. ES ist aber den Herren nicht um den Thierschutz zu thun, nicht um die Humanität, nicht um das Christenthum, sondern einfach darum, den Juden Eins am Zeug zu flicken, ihnen die Ausübung ihrer Religion unmöglich zu machen. Redner verweist gegenüber den Ausführungen Pattai's auf die Daten der österreichischen Statistik, wonach an der Gesammtzahl der Bevölkerung die Katholiken mit 91 Procent, die Griechen mit 2,2 Procent, die Protestanten mit 1.8 Procent und die Juden mit 4.5 Procent beiheiligt sind. An den Verurtheilungen für Verbrechen sind betheiligt: Die Katholiken mit 92 Procent, die Griechen mit 2.9 Procent, die Protestanten mit 1.5 Procent und die Juden mit 3.5 Procent, daher die Letzteren um ein ganzes Procent weniger, als nach der Bevölkerungszahl auf sie entfallen sollte. Was

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