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Der Israelit · 1894-11-12 · Heft 88 (12.11.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 88 (12.11.1894)
Date
1894-11-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1685 Du König hast nur dann Wohlgefallen am Leben, wenn um Deinetwillen das Leben gelebt wird. Wir sind nicht für uns, sondern für Gott auf Erden, und seine Aufgaben sind für uns nicht zu schwer, wenn wir den festen Willen haben, sie auszuführen. Aber wenn wir bet so vielen Eltern auch diesen festen Willen erkennen, das Werk wird von den Eltern allein nicht vollbracht, die Kinder müssen es weiterführen und vollenden. Und an diesem Punkte leidet unsere heutige Zeit, die Alten sterben allmählich und die Heranwachsende Generation nimmt es leichter, weil der wahre opferfreudige Sinn fehlt, sie lassen so häufig das von den Eltern begonnene Werk liegen- So viel Juden, so viele Schulchan-Aruch. Jeder hat seinen eignen, jeder leget sich das Gesetz aus, wie es ihm am bequemsten scheinet, das eine Gesetz „leuchtet ihm ein," das andere scheint ihm nicht „zeitgemäß" und wenn erst begonnen ist, einzelne Bausteine aus dem Tempel des Heiltgthums zu entfernen, so wird der Bau wankend, das feste Gefüge wird locker. Darum mahnt uns das Bild von Bater und Sohn dieses Wochenabschnittes, daß es Pflicht der Eltern ist mit inniger Liebe ihre Kinder Hand in Hand den Berg Morijah emporzuführen. „Sie müssen zusammen gehen" wie Abraham und Isaak, der Vater muß willig das Opfer bringen, der Sohn sich freudig beugen, beide müssen sie die Prüfung bestehen. Dann wird auch Gottes Stimme vom Himmel erschallen. „AlterVater, habe keine Furcht, Du streckest Deine Hand nicht aus nach dem Knaben, Du thmst ihm nicht das Geringste, jetzt weiß ich, daß Du gottesfürchtig bist. Siehe, ich werde Dich und Deine Nachkommen segnen." Wer Opfer bringet für seinen Glauben, der ist wahrhaft fromm und Gottes Vergeltung wird nicht ausbleiben. ZeitrmgSuachrichten tutb Corresporrdeuzeu. Deutschland. F. Berlin, 8. Nov. Die Generalsynode beschloß, an den evangelischen Oberkirchenrath die drängende Bitte zu richten, dahin zu wirken, daß mit allen der Kirche zu Gebote siebenden Mitteln das Gewissen des evangelischen Volkes betreffs der Bedeutung und Hetlighaltung des Eides überall geschärft und gestärkt werde; ferner bei den Reichs¬ und Staatsbehörden vorstellig zu werden, daß die Zahl der Eidesleistungen möglichst beschränkt, die seelsorgerische Eidesbelehrung im Laufe des Prozesses ermöglicht, die konfessionellen Eidesformeln gesetzlich wieder hergestellt, die Vereidigung von Christen nur den christlichen Richtern auf dem Verwaltungswege ermöglicht und der Eidesleistung vor Gericht eine der Heiligkeit der Sache entsprechende Feierlichkeit gegeben werde. — (Gegen Punkt 5 (Vereidigung von Christen rc.) nahm Syn.-Prof. Dc. K a h l-Bonn entschieden Stellung; was derselbe sagte, werden wir in unserer Donnerstaqsnummer mittheilen. Red.) B. Ratibor, 6. Nov. In Schillersdorf im Kreise Ratibor in Preußisch-Schlesten hat Sonntag die Einweihung eines vom Schlotzherrn Baron Nathaniel v. Rothschild begründeten Versorgungshauses für Veteranen der Arbeit, welchem der Erbauer zum Andenken an seinen Vater den Namen „Anselm- Stift" gegeben, in feierlicher Weise stattgefunden. Nach einer Ansprache, welche Wirthschaftsrath Obratschky in Gegenwart des Schloßherrn und zahlreicher Gäste an die Arbeiter gerichtet, nahm Pfarrer Himmel, der die Benediction vollzogen hatte, das Wort. Er dankte dem Freiherrn v. Rothschild namens der Pfründner für das große Werk, durch das er sich ein Nonumsntum aere p6r6nmn8 gesetzt habe, und schloß mit einem Segenswunsche für das Werk. Das „Anselm- Stift" kann sechzig Personen aufnehmen. Hanau, 6. Nov. DaS vor Kurzem gefeierte I. Stiftungsfest unseres Kaufmännischen Vereins „Merkur" gibt mir Veranlassung, Ihnen einige Mittheilungen über denselben zugehen zu lassen, die wohl für Ihr geschätztes Blatt von Interesse sind. Ich glaube dieses umso eher annehmen zu dürfen, als dasselbe von jeher seine llnterstützung den Bestrebungen angedeihen ließ, welche wie unser Verein wahre echte Bildung in jüdischen Kreisen zu verbreiten suchen und deren höchstes Ziel es ist, dem Judenthum in den Augen Andersgläubiger Achtung und Ansehen zu verschaffen. Die in hiesiger Gegend verbreitetste Zeitung, der amtliche „Hanauer Anzeiger" berichtete über das Fest in ausführlichster Weise und im allergünstigsten Sinne. Der Verein „Merkur" wurde vergangenes Jahr neu rcconstituirt und ist seine Wirksamkeit eine ganz hervorragende. Die Rede des Präsidenten Herrn S. Greif, die in dem genannten Blatt wiedergegtben ist, gibt in großen Umrissen davon Kunde. Im Laufe vorigen Winters wurden eine größere Anzahl von Vorträgen in unseren Vereinsräumen abgehalten, von Herrn Rabb. Dr. Koref hier über Berthold Auerbach, von Dr. Munk aus Marburg über Ackerbau und Handwerk bei den Juden, von Rabb. Strauß aus Rotenburg über Aberglauben und seiner Stellung zum Judenthum u. s. f.; speciell dem erstgenannten Herrn sind wir für sein uneigennütziges Wirken im Interesse des Vereins sehr zu Dank verpflichtet. Die Vorträge wurden theilweise stark von Nichtiuden besucht, und verfolgen vor allem den Zwcck irrthümliche Anschauungen über Juden und Judenthum zu beseitigen und Ausgleich der Gegensätze herbeizuführen. Möge der Verein blühen und! gedeihen! H. S.

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