Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1894)
- Date
- 1894-11-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448490--39570-2487725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1623 Handel unentbehrlichen Personen zu machen, in vielen Fällen sei dies auch geschehen. Die Aufentbaltserlaubnißfcheine wurden aber nur auf Widerruf oder für eine bestimmte Frist eriheilt, die russischen Unterthanen waren keinen Augenblick vor der Ausweisung sicher, und viele haben cs deshalb vorgezogen, dem preußischen Staa'sgebieL fern zu bleiben, darunter zahlreiche Personen, die als Kommissäre beim Abschluß von Geschäften mit Rußland unentbehrlich sind. Aus diesen Gesichtspunkten wird sich auch die Handelskammer Thorn der Königsberger Eingabe anschließen. Bühl, 31. Oct. Anläßlich der vor einigen Tagen erfolgten Wiederwahl unseres bisherigen Vorstehers, Herrn D. M. Werthcimer, der bereits 30 Jahre dem Synagogenrath dahier angehört, versammelten sich am rwtrü ro» behufs Beglückwünschung des Wiedergewählten eine größere Anzahl isr. Gemeindemitglteder im Gasthaus zum „König David" zu einem gemeinschaftlichen Essen. Der Jubilar wurde von einer Deputation abgeholt und beim Eintritt in das Festlokal von allen Anwesenden beglückwünscht. Nach dem Vortrag eines schönen Liedes durch Herrn Kantor Bruchsuler, hielt Herr Bez.Rabbiner Dr. Mayer eine äußerst gelungene Festrede, in welcher derselbe die Verdienste des Herrn Vorstehers und Bezirksälteften D. M. Wertheimer um die hiesige Geweinde in meisterhafter Weise schilderte und demselben zugleich den Dank der isr. Gemeinde übermittelte. In das auf den Jubilar ausgebrachte Hoch stimmten alle begeistert ein, ebenso in den von Hauptlehrer Jacob ausgebrachten Toast auf die Frau Vorsteher, welche ihren Gemahl in seinen! mühevollen Amte zu allen , Zeiten ermunterte und unterstützte. Der Jubilar. dankte für diese Kundgebung und erklärte, daß die ihm dargebrachte Ovation zum großen Theil seinen Kollegen, den früheren und jetzigen Synagogenrathsmitgliedern gebühre, die ihm seine Amtsführung durch redliche Unterstützung alle Zeit erleichtert hätten. Nach diesen und andern Trinksprüchen, die während des Mahles noch von verschiedenen Anwesenden, unter andern auch auf den Herrn Gastwirth für die vorzügliche Bewirthung ausgebracht wurden, trennte man sich mit dem Wunsche, den Herrn D. M. Wertheimer noch recht viele Jahre an der Spitze der isr. Gemeinde dahier zu sehen. Diesem Wunsche schließt sich auch der Einsender dieses vollständig an. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. sGegen die Cassirung der alten Friedhöfe.j Die Besitzer von Gräbern und Grüften auf dem allgemeinen Währinger, Schmelzer und Währinger Ortsfriedhöfe hielten vor Kurzem im Lannersaale unter dem Vorsitze des Herrn Alois Fiala eine zahlreich besuchte Versammlung ab, welche den Zweck hatte, gegen den Beschluß des Stadtrathes, welcher auf die Auflassung dieser Friedhöfe und die Abräumung der dort btfindlichen Grabdenkmäler und Grabkreuze abzielt, Stellung zu nehmen und über einen Recurs an den Stadtrath behufs Aufhebung dieses Beschlusses zu berathen. Der Vorsitzende führte als Referent aus: In den letzten dreißig Jahren seien die Leichen in Metallsärgen begraben worden und bleiben minstens 30 bis 40 Jahre erhalten. Was soll mit den Leichen geschehen? Durch die Exhumirung werden die Gefühle der Angehörigen in der gröblichsten Weise verletzt. Wer gibt dem Stadtralh das Recht, die Leichen unserer Lieben hinauszuwerfen? Auf dem Währinger Fried- Hofe seien 67 der verdienstvollsten Generale bestattet, deren Gräber theils von deren Angehörigen, zum Theile auch vom Kriegsminifterium erhalten werden. (Lebhafter Beifall.) Baron Königswarter habe ein nachahmungswürdiges Beispiel in seinem Testamente hinterlassen. Er schrieb: „Gern möchte ich an der Seite meiner Eltern ruhen, aber ich habe nicht das Herz, durch Exhumirung ihre Ruhe zu stören." (Lebhafter Beifall.) Die israelitische Cultusgemeinde hat ein Armenhaus in der Nähe ihres Friedhofes gebaut, aber sie hat keinen Zoll breit von diesem Friedhöfe weggenommen. (Beifall.) Der Redner schlägt die Wahl eines ComiiSs behufs Vertretung der Rechte der Besitzer von Grüften vor. In dieses Comitö wurden gewählt Generalmajor v. Freyschlag, Dr. Kernecker, Baron Koller, Ministerialrath im Handelsministerium, Hausbesitzer Tatz und Herr Alois Fiala. In der darauf folgenden Debatte führte Herr Jasper an, in Währing sei ein israelitischer Friedhof, und der israelitischen Cultusgemeinde fällt es nicht ein, den Friedhof aufzulassen. Durch Exhumirung würde die Erbitterung gegen die socialen Zustände gesteigert werden, da die Armen die Bergung der Leichen ihrer Angehörigen nicht durchführen könnten. Bürgerschul-Director Dautz wünscht, der Stadtrath möge, so lauge directe Nachkommen der auf den betreffenden Friedhöfen Beerdigten noch leben, mit der Cassirung derselben zu warten. Der Vorsitzende bemerkte in seinem Schlußworte, daß das Comitö für den Fall, als der Recurs an den Stadtrath nicht berücksichtigt werden sollte, einen Recurs an die Statthalterei zu richten gedenke, und es sei zu erwarten, daß die Statthalterei demselben Folge geben werde. (Lebhafter Beifall.) Hierauf gelangte unter stürmischen Beifall ein Schreiben des Generalmajors Adolph v. Freyschlag zur Verlesung, in welchem derselbe seine volle Zustimmung zur Action der Gräberbesitzer mittheilte. Den Recurs an den Stadtrath unterfertigten bisher mehr als 500 Be-