Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1894)
- Date
- 1894-11-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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stunde, etwa um 2 Uhr. konnte man ihn schon bei seiner rnvi am Tische sitzen sehen. Schreiber dieser Zeilen, der so glücklich war, einige Zeit in seiner Nähe sich aufzuhallen, benutzte die Gelegenheit n'X'pü rmbn bei ihm zu lernen, und da beide Theile am Tage anderweitig beschäftigt waren, wurde hierzu die Züt von 3—6 Uhr Morgens bestimmt; und pünktlich zur festgesetzten Stunde weckte er den jungen Mann mit dem Bemerken: „Ja, niNipo kann man nur gründlich um diese Zeit lernen." So trieb er es bis zu seinem Lebensende und so stieg er von Stufe zu Stufe in seinem Wissen, seine immense Gelehrsamkeit wurde von allen, die das Glück hatten mit ihm bekannt zu sein, bewundert, namentlich wurden seine Gründlichkeit und Selbstständigkeit in na^n pos an gestaunt, ebenso wie sein Eifer, auf seine Schüler wohlthätig einzuwirken, war auch seine Sorge um die geliebte Familie, namentlich die Erziehung seiner Kinder zu nrm min. Seine Söhne sollten gründliche Kenntnisse in nmpn wmw sich aneignen und dann dem Geschäfte sich w'dmen, und seine Töchter sollten durch aufrichtige Frömmigkeit imstande sein, ein frommes jüdisches Haus, nach dem Muster des elterlichen zu gründen. Dieser sein Lieblingswunsch ging auch in Erfüllung. Seine Söhne leben im Geiste und Sinne ihres großen Vaters und seine Töchter sind an gediegene min »ja verheiratet, unter welchen, gleichsam ^nja, sein ältester Schwiegersohn Herr Dr. D. Hoffmann >"j besonders hervorragt. Er übte auch mit derselben bewunderungswürdigen Gewissenhaftigkeitrrnnn ni^eji mny, indem er jede religiöse Vorschrift mit der peinlichsten Genauigkeit beachtete und in dieser Weise auf seine Umgebung zu wirken suchte. Jedes Gespräch lenkte er auf nnrvi min, um so Lust und Freude an denselben zu begründen. So hatte er z. B. die rvar bl§ zu seinem Todestage die m-D niso in vollstem Umfange zu erfüllen, er aß, schlief und lernte noch in den letzten mm» Tagen in der rniv. Dabei war dieser seltene Mann höchst einfach und anspruchlos. Für andere zu jedem Opfer bereit, sich selbst jede Entbehrung auflegend, bescheiden in seinem Wesen, Ehre und Anerkennung stets aus dem Wege gehend, fern vom Getriebe der Welt, jeden unnöthigen Lebensgenuß entschieden von sich weisend, abgeschlossen und verborgen im Schatten seines Wohnortes, dem Leben der nahegelegenen Stadt entfremdet, lebte er zufrieden in seinem einfachen Hauswesen in Zell, seinen Sinn nur auf msoi mm gerichtet, so daß die Prophetenworte buchstäblich auf ihn Anwendung finden: p rui* wsn roD or rjn TyV mpc ar*i Tyr». Und cs ging Jona aus der Stadt und wohnte zur Morgenscite der Stadt und baute sich eine Hütte und saß darunter im Schatten.(Jona IV. 5). I Möge der allgüttge Vater den Schmerz der Hinter- ' bliebe nen lindern, ihnen Trost spenden und diesen herben Verlust, den das ganze Judenthum erlitten, bald ersetzten, indem ein solches erhabenes Muster von Frömmigkeit und Gelehrsamkeit nur zur Nachahmung anspornt.*) Ta*. Zeitrrrrgs«achrichterr rrrrd Correspouderrzeu. D e u t I a n b. Frankfurt a. M. Unsere Glaubeusgenossin, die Photographin Fräulein Jenny Engel dahier, deren Arbeiten sowohl hinsichtlich ihrer technischen Ausführung als ihrer künstlerischen Auffassung sich der allgemeinsten Anerkennung erfreuen, ist von Sr. Kgl. Hoheit dem Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha der Hoftitel verliehen worden. Worms. Die zur Erinnerung an die Vermählung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Hessen gestiftete, am Band zu tragende Medaille ist Hierselbst dem Vorstandsmitgliede des Landes- Kriegerverbandes Hassia, Herrn Haupt mann d. L. a. D. Fabrikant Gernsheim verliehen worden. Mannheim. Unser Glaubensgenosse. Herr Stadtrath Herschel, läßt für die von ihm gestiftete Summe von 6000 Mk. zwei monumentale Brunnen neben dem erst jüngst enthüllten Kaiser Wilhelm De»»kmal errichten. Berlin, 26. October. Die „Freisinnige Zig." schreibt: Zn»n Fall Leist hat der Antisemitismus geglaubt, endlich auch eine Anknüpfung gefunden zu haben. Wie Herr v. Mosch in dem Organ Ahlwardts versichert, soll Leist, wie eine Zuschrift „aus guter Quelle" berichtet, „getaufter Raffenjude" sein. — Uns aber wird berichtet, datz Herr Leist der Sohn eines evangelischen Predigers aus der Provinz Sachsen ist. Königsberg, 2. Nov. Unter Hinweis darauf, datz mit dem Abschluß des deutsch-russischen Handelsvertrages engere wirthschaftltche Beziehungen zwischen Deutschland und dem Zarenreiche entstanden sind, will das Vorsteheramt der hiesigen Kaufmannschaft beim Reichskanzler dahin vorstellig werden, daß für die Folge nur solche russisch jüdische Unterthanen aus Deutschland ausgewiesen werden sollen, die sich lästig gemacht haben, daß alle übrigen aber unbehelligt bleiben. In der Denkschrift begründet das Vorfteheramt sein Ersuchen und hebt die Schäden hervor, die nicht nur dem Königsberger Handel, sondern dem gesammten Handel der preußischen Ostprovinzen durch die deutsche Ausweisungspolitik erwachsen sind. Zwar sei es den Obeipräsidenten gestattet gewesen, Ausnahmen für die dem *) Wir bitten den Herrn Correspondenten, unseren hochverehrten Lehrer und Freund den Namen der Mutter von ru)i '“1 im Israelit mitzutheilen, da die zahlreichen Schüler desselben »vährend des Trauerjahres täglich einen nvjip» TM wahrscheinlich zu lernen wünschen. Red.