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Der Israelit · 1894-11-08 · Heft 87 (8.11.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 87 (8.11.1894)
Date
1894-11-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1620 mich der Freude und Wonne dieses Lebens berauben will, er trete vor und spreche." Tiefes Schweigen herrschten der Versammlung, der König nahm die Krone und setzte sie nieder auf das Haupt Esthers, er blickte hinab in die Versammlung und glaubte ein Jauchzen des Zustimmens zu vernehmen, aber schwüle und tief düstere Ruhe herrschte ringsum. Der König wurde bleich über die Wange und Stirne hinauf bis an die Wurzel seiner Haare, und als Esther sah, wie sehr er sich erregte, und die Art und Weise, wie die Versammlung seine Worte ausgenommen, da begann sie zu zittern und schien auf ihrem Thron umsinken zu wollen. Auch dieser Vorgang wurde von der Versammlung bemerkt und wiederum entstand ein Gemurmel, aber diesmal war es nicht sehr widerwillig und feindselig wie zuvor; ja einzelne theilnahmsvolle und freundliche Stimmen ließen sich vernehmen. Die Worte des Königs hatten immerhin einen Liefen Eindruck bei der Versammlung zurückgelaffen, und dann war es auch Esther selbst, deren unschuldiges, bildschönes, jugendfrisches Gesicht innigen Antheil erregte bei Jedem, der sie sah, wie sie so bescheiden, fast ängstlich dastand, wie sie es nicht wagte, die Augen nach der glänzenden Versammlung zu erheben, und namentlich, wie sie j«tzt angstvoll zu zittern begann. Sie mußte jeden Menschen rühren, dem ein gefühlvolles Herz im Busen wohnte. Der König aber schlang liebevoll seinen Arm um den Nacken seiner Gemahlin und hieß sie sich niedersetzen; Beide setzten sich auf den Thronsessel und erwarteten, was die Großen des Reichs zu sagen hätten. Aber das Gemurmel dauerte fort und fort und Keiner wagte laut seine Stimme zu erheben. So groß auch vorher die Gereiztheit gegen den König war, so hatten seine Worte doch zu stark gewirkt, als daß es einer gewagt hätte aufzutreten und öffentlich vor allem Volke sich dem König feindlich gegenüber zu stellen. Niemand konnte eigentlich in diesem Augenblick sagen, wie die Stimmung der Versammlung war, ob sie dieselbe gewesen, wie sie begonnen, oder ob sie sich bereits dem Willen des Königs zugeneigt habe. Eine lange Pause war entstanden, der König aber wartete ungeduldig, die Meinung eines der Würdenträger zu hören. Er war fest entschlossen, auf seinem Willen zu beharren, mochten die Großen des Reichs sagen, was immer sie sagen konnten, aber eben so sehr kam es ihm auch darauf an, in Frieden und Freundschaft mit seinem Volke zu leben, und er würde sich glücklich geschätzt haben, wenn es ihm gelungen wäre, die Sache friedlich zu lösen. So lange es ging, wollte er in Frieden und Freundschaft mit den Seinen leben, und nur, wenn es durchaus nicht anders möglich wäre, wollte er auch gegen deren Willen seinen Wunsch durchführen. Als Niemand das Wort erbat, da winkte der König dem Kastellan von Krakau, dieser trat die Stufen hinauf zum Throne und leise flüsterte Kasimir ihm etwas zu, der Kastellan trat dann in die Mitte des Saales und hob seinen goldnen Stab hoch empor und deutete so an, daß er reden wolle. (Fortsetzung folgt.) Der „I11 a «l i t" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedermal in mindesten» zwei Bogen. Preis des Jahrgang« für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» Ausland IS Reichs-Mark. Mau abaanirt ganzjährig, halbjährig »der vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Ar» OuchhauArt j* Arftrtzrn bei L. /. Kleiuecker, Leidig, Daßptutz IS. — Inserate 26 Pfennig die virrgespaltene Petttzeile »der deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «ud Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 18 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine NüSsendnng »»« o* die Redaktion etagesandte« Mauuscriptea findet nicht statt, «an kittet deShalk sich von allen Einsendungen eine Eopie znrückz «behalten. Inhalt <Ha«Ptblatt): Leitender Artikel: Der neue Reichskanzler und die Juden. — Zeitungsnachrichten und CorreS - pondenzen: Deutschland: Wiesbaden. Berlin. AuS der Provinz Posen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Bulgarien: Sophia. — Rußland. — Griechenland: Korfu. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin v. Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der erste« Beilage: Leitender Artikel: Rabbi Jona Rosenbaum — Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen: Deutschland: Frankfurt. Worms. Mannheim. Berlin. Königsberg. Bühl. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. — Sprechsaal. Inhalt der zweite« Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus der Pfalz. — Oesterr.-Nng. Monarchie: Murret — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchbruckerei-Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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